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Wissenschaft und Forschung 06.02.2020

Untersuchung: Bohren ist nicht die beste Therapie für Kinder

Untersuchung: Bohren ist nicht die beste Therapie für Kinder

Der Grundstein für eine ausgewachsene Zahnarztphobie wird meistens im Kindesalter gelegt. Eine dreijährige Studie hat deshalb untersucht, ob Bohren als Kariestherapie wirklich die beste Option für Kinder ist.

Komische Gerüche, laute Bohrergeräusche und Schmerzen bei Injektionen oder gar Behandlungen – die Gründe, eine Abneigung gegen den Zahnarzt zu entwickeln, sind vielfältig. Um Kindern die oft schlechten Erfahrungen zu ersparen, haben britische Forscher drei verschiedene Behandlungsmethoden bei Karies untersucht.

Für ihre Studie, die über einen Zeitraum von drei Jahren lief, werteten die Wissenschaftler Untersuchungsergebnisse von 1.144 Kindern im Alter zwischen drei und sieben Jahren aus. Alle Kinder hatten bereits eine sichtbare Karies und wurden nach dem Zufallsprinzip mit einer von drei Therapieoptionen behandelt.

Die erste Methode bestand aus der reinen Kariesprävention. Zuckerhaltige Lebensmittel wurden reduziert, bei Kontrolluntersuchungen wurde Fluoridlack auf die Zähne aufgetragen, Zähneputzen sollten die Kinder zweimal täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta und zusätzlich wurden Fissuren der Backenzähne versiegelt.

Die zweite Behandlungsmethode war der Klassiker „drill and fill“. Das heißt, dass zunächst eine Betäubungsspritze notwendig war, um dann an den betroffenen Zähnen zu bohren und anschließend eine Füllung einzubringen.

Die dritte Option bestand aus der Hall-Technik. Bei dieser Methode werden die betroffenen Zähne mit einer Metallkappe versorgt, um die Karies abzuschotten, sodass weder Sauerstoff noch Zucker an die Bakterien gelangt. Für die Behandlung ist keine Betäubungsinjektion notwendig, sodass es insgesamt als nicht schlimm wahrgenommen wird. Mit dieser Technik werden bei 93 bis 98 Prozent der Kinder bis zu fünf Jahre Schmerzen und Infektionen vermieden.

Im Vergleich aller drei Methoden fiel auf, dass keine Option besser oder schlechter war. Auf Kostenseite war die reine Präventionsstrategie die günstigere Variante.

Die Forscher empfehlen abschließend, frühzeitig bei Kindern auf Präventionsmaßnahmen und -programme zu setzen, um das Entstehen von Karies zu verhindern. So bleiben negative Erfahrungen in jungen Jahren lange erspart.

Foto: Erica Smit – stock.adobe.com

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