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Praxishygiene 08.01.2021

Grundlagen der Praxishygiene – ein Überblick

Nicola V. Rheia
Nicola V. Rheia
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Grundlagen der Praxishygiene – ein Überblick

Viele Gesetze und Richtlinien bilden das Hygienemanagement in der Zahnarztpraxis. Eine besondere Stellung haben die Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO), des Robert Koch-Instituts (RKI) und Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Diese wurden an die Begebenheiten in (Zahn-)Arztpraxen angepasst. In diesem Beitrag erfahren Sie die Grundlagen der geforderten Praxishygiene.

In Zahnarztpraxen gelten als Hygienerichtlinien unter anderem die Infektionsprävention in der Zahnheilkunde 2006 – Anforderungen an die Hygiene und die Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten 2012 (KRINKO). Obwohl es sich hier um Empfehlungen handelt, beziehen sich Behörden und Gerichte darauf. Sie sind daher einem Gesetz gleichzustellen und entsprechend umzusetzen. Ebenso sind die Aufzeichnungen und Nachweise den zuständigen Kontrollbehörden auf Verlangen vorzulegen (MPBetreibV). Dieser Beitrag soll Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Schritte für eine lückenlose Praxishygiene geben.

Allgemeine Anforderungen an die Praxishygiene

Die folgenden Aspekte sind nach der Infektionsprävention in der Zahnheilkunde 2006 – Anforderungen an die Hygiene (KRINKO) entscheidend:

Infektionspräventive Maßnahmen am Patienten

Bereits im Vorfeld sind vorbeugende Schritte auszuführen, die ein Infektionsrisiko frühzeitig erkennen, minimieren und/oder verhindern lassen. Diese umfassen folgende Maßnahmen:

  • Anamnese
  • orale Antisepsis
  • Antibiotikaprophylaxe zur Vermeidung postoperativer Wundinfektionen

Infektionspräventive Maßnahmen des Praxisteams

Die weitaus umfangreicheren Präventionsmaßnahmen, die in der Praxis getroffen werden müssen, sind die, die den Schutz des Praxisteams betreffen. Diese sind:

Impfprophylaxe und Vorsorgeuntersuchungen

Dies sind wirksame Maßnahmen für das gesamte Praxisteam, um bestimmte Infektionsrisiken zu minimieren. Zu diesen gehören:

  • arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen
  • Angebotsimpfungen
  • Postexpositionsprophylaxe (PEP)
  • Gefährdungsbeurteilung/Risikobewertung und -analyse

Händehygiene

Für Ihren Beruf sind die Hände Ihr wichtigstes Werkzeug. Über sie werden die meisten Krankheitserreger übertragen. Das kann über den direkten Hautkontakt, aber auch indirekte Kontakte, zum Beispiel Berühren von Oberflächen, erfolgen. Daher ist in allen Tätigkeitsbereichen auf eine korrekte Händehygiene in der Zahnarztpraxis zu achten. Diese umfasst:

  • Händewaschen
  • hygienische Händedesinfektion
  • chirurgische Händedesinfektion

Schutz vor Kontamination

Um eine Kontamination zu vermeiden, gilt es, umfassende Barrieremaßnahmen zu ergreifen. Das reicht vom Tragen persönlicher Schutzausrüstung (PSA), über Abdeckungen bei der Patientenbehandlung, eingeübte Greifdisziplin inklusive rationellem Instrumentieren, einer geeigneten Absaugtechnik bis hin zur unfallsicheren Entsorgung von Abfällen. Diese umfassen folgende Maßnahmen:

  • Tragen von der Tätigkeit entsprechenden Schutzhandschuhen
  • Tragen von Schutzkleidung, wenn die Berufskleidung kontaminiert werden kann
  • Tragen von einem Mund-Nasen-Schutz (MNS)
  • Aufsetzen eines geeigneten Augenschutzes
  • Abdeckung von Oberflächen, Flächen und Gegenständen

Personenübergreifende infektionspräventive Maßnahmen

Um Patienten und sich selbst vor Kontamination zu schützen, gilt es, in unterschiedlichsten Bereichen der Praxis Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Diese umfassen:

  • Überprüfung der Wasser führenden Systeme in Dentaleinheiten auf mögliche Krankheitserreger
  • korrekte Haltung des Saugers und Absaugschlauchs zur Vermeidung von Reflux
  • Reinigung und Desinfektion von Abformungen und zahntechnischen Werkstücken
  • Reinigung und Desinfektion von Oberflächen und Einrichtungsgegenständen
  • Reinigung und Desinfektion von Fußböden
  • Reinigung und Desinfektion von Berufs- bzw. Schutzkleidung
  • Entsorgung von Praxisabfällen
  • bauliche Anforderungen an verschiedene Räume in der Praxis

Anforderungen an die Aufbereitung

Laut den Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten 2012 (KRINKO) ist zu beachten: Eine besondere Infektionsquelle können mit Krankheitserregern kontaminierte Medizinprodukte (MP) sein. Daher ist eine richtlinienkonforme Aufbereitung Bedingung. Wie und in welchem Umfang aufbereitet wird, hängt von der Beschaffenheit der Medizinprodukte ab und für welche Behandlungsarten sie zum Einsatz kommen. Um MP richtlinienkonform aufbereiten zu können, ist die Risikobewertung und Einstufung vor der Aufbereitung der erste Schritt. Stufen Sie also Ihre MP je nach Art der Anwendung in folgende Risikogruppen ein:

  • unkritisch
  • semikritisch A/B
  • kritisch A/B

Die Risikobewertung und Einstufung geben Ihnen vor, wie die jeweiligen MP aufzubereiten sind. Dabei sind Herstellerangaben zu den Instrumenten, Aufbereitungsgeräten und Desinfektionsmitteln zu beachten.

Die zehn Schritte in der Aufbereitung

1. Schritt: Vorbereitung der Aufbereitung

  • Vorbehandlung (Entfernung grober Verschmutzungen unmittelbar nach der Anwendung)
  • sammeln der Medizinprodukte
  • Vorreinigung
  • ggf. Zerlegen
  • Zwischenlagerung
  • Transport

2. Schritt: Reinigung und Desinfektion von MP – manuell oder maschinell

  • Reinigung
  • ggf. Zwischenspülung
  • Desinfektion
  • Spülung
  • Trocknung
  • Herstellerangaben beachten
  • Kontrollen an Aufbereitungsgeräten (z. B. Ultraschall, RDG)
  • Wartung und Validierung von Aufbereitungsgeräten

3. Schritt: Prüfung auf Sauberkeit und Unversehrtheit

  • optische Kontrollen am MP, zum Beispiel Korrosion, sonstige Verschmutzung
  • Materialbeschaffenheit
  • ggf. Schritt zwei wiederholen
  • Wachsamkeit bei MP, die nur begrenzt aufzubereiten sind (z. B. Endodontie)

4. Schritt: Pflege und Instandsetzung

  • ölen, schleifen, wieder zusammenschrauben von MP
  • Herstellerangaben zu dem jeweiligen MP beachten

5. Schritt: Funktionsprüfung

  • Prüfung der technisch-funktionellen Sicherheit der MP
  • Beachtung der Herstellerangaben

6. Schritt: Verpackung

  • geeignete Verpackungssysteme, Sterilbarrieresysteme, wie Folien, Container, Sterilisierkassetten
  • korrekte Verpackung
  • korrekte Siegelnaht bzw. korrekter Verschluss von Dentalkassetten
  • Kontrollen am Siegelgerät
  • Herstellerangaben beachten

7. Schritt: Sterilisation

  • Verwendung geeigneter Sterilisationsprogramme
  • Herstellerangaben beachten
  • Kontrollen an Aufbereitungsgeräten (z. B. Dampfsterilisator)
  • Wartung und Validierung von Aufbereitungsgeräten

8. Schritt: Kennzeichnung

  • eindeutige Bezeichnung des MP, falls nicht ersichtlich (z. B. bei Dentalkassetten)
  • Kennzeichnung der Chargennummer, Sterilisationsdatum, ggf. Verfalldatum der Lagerfrist
  • Anzahl und Art der durchgeführten Aufbereitung bei begrenzter Aufbereitungsanzahl

9. Schritt: Freigabe

  • Überprüfung des korrekten Aufbereitungsprozesses
  • Durchführung und Dokumentation der Routineprüfungen
  • Überprüfung der Verpackungen auf Unversehrtheit und Trockenheit
  • Überprüfung der Kennzeichnung
  • Dokumentation bei Abweichungen vom korrekten Prozessablauf
  • freigabeberechtigte Mitarbeiter schriftlich benennen

10. Schritt: Chargendokumentation

  • Dokumentation des richtlinienkonformen Aufbereitungsprozesses
  • Einsatz von Prozessindikatoren
  • validierter Aufbereitungsprozess
  • Beachtung der Herstellerangaben
  • Dokumentation der Aufbereitungschargen
  • Gewährleistung der Rückverfolgbarkeit der jeweiligen Charge bei MP kritisch A/B
  • Aufbewahrungsfristen mindestens fünf Jahre
  • Dokumentation handschriftlich oder digital – Aufzeichnungen müssen verfügbar und leserlich sein

Qualitätssicherung

Im praxiseigenen Hygieneplan und in praxisinternen Arbeitsanweisungen legen Sie alle Präventionsmaßnahmen schriftlich fest. Es ist nicht zulässig, vorgefertigte QM-Dokumente eins zu eins zu übernehmen. Daher sind jegliche Art von Qualitätssicherungsdokumenten praxisindividuell zu erstellen, auf Aktualität und Vollständigkeit zu überprüfen und bei Änderungen anzupassen.

Qualitätssicherungsdokumente umfassen folgende Unterlagen:

  • Hygieneplan
  • Arbeitsanweisungen
  • Betriebsanweisungen
  • Risikoeinstufung für MP
  • Liste der Freigabeberechtigten
  • Checklisten
  • Wartungs- und Validierungsunterlagen
  • u. v. m.

Fazit

Durch ständig neue Anforderungen wird alles anspruchsvoller, und die Herausforderungen für Sie wachsen. Die umfangreichen Maßnahmen und Dokumentationen beinhalten unterschiedlichste Tätigkeitsbereiche, die – immer den Praxisbegebenheiten entsprechend – vollständig und auf dem aktuellsten Stand zu sein haben. Starten Sie durch und bleiben Sie am Ball. Viel Erfolg.

Der Beitrag ist in ZWP Zahnarzt Wirtschaft Praxis erschienen.

Foto Teaserbild: wip-studio – stock.adobe.com

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