Anzeige
Praxishygiene 18.06.2014

Plagiate: Gefahr für Behandler und Patienten

Plagiate: Gefahr für Behandler und Patienten

Mit dem technischen Fortschritt in der zahnmedizinischen Produktentwicklung geht eine stetig steigende Behandlungsqualität einher, die sowohl dem Patienten als auch dem Zahnarzt zugute kommt. Erfolgreich am Markt etablierte Produkte werden jedoch zunehmend auch als mehr oder minder professionell plagiierte Nachbildungen angeboten, die den Originalinstrumenten in Langlebigkeit und Funktionalität deutlich nachstehen.

Moderne dentale Instrumente garantieren einen hohen Bedienkomfort, erfüllen die gesetzlichen Hygienerichtlinien und bieten durch ihre lang anhaltende Wertbeständigkeit eine lohnende Investition. Um diese hohen Standards gewährleisten zu können, investieren die am Dentalmarkt erfolgreichen Hersteller in Forschung und Entwicklung.

360grad-Objektpanorama in der Vollansicht

Ein unerwünschter Nebeneffekt des daraus resultierenden Fortschritts ist jedoch die Aufmerksamkeit schamloser Nachahmer. Im Zuge der Globalisierung überschwemmt das Angebot an Plagiaten nahezu alle Produktbereiche und infiltriert zunehmend auch die Zahnmedizin. Dabei machen sich die Plagiatoren die Bekanntheit stark nachgefragter Produkte zunutze, um diese als mehr oder minder authentisch replizierte Kopien in Umlauf zu bringen. Das Nachsehen hat dann nicht nur der Produzent des Originals – sondern vor allem der Anwender.


Abb. 1: links das Original von NSK, rechts das Plagiat

Außen hui, innen pfui

Auf den ersten Blick sind die Duplikate meist nicht von den Originalinstrumenten zu unterscheiden. Bei genauerem Hinsehen und vor allem während der Anwendung offenbaren sich jedoch gravierende Unterschiede, die sich besonders im Qualitätsniveau niederschlagen. Da die Plagiatoren nur an schnellem Profit, nicht aber am Markenimage und der Reputation des Herstellers interessiert sind, werden die Fälschungen so billig wie möglich produziert. Für Qualitätskontrollen stehen keine Ressourcen zur Verfügung, es zählt lediglich ein möglichst originalgetreues äußeres Erscheinungsbild. In der Funktionalität stehen die Instrumente den Originalen dagegen in vielem nach. Da die Plagiate ohne das technische Know- how des Originalanbieters hergestellt werden, bieten sie nur eine eingeschränkte Leistung. Die Passgenauigkeit der Adapteranschlüsse und Zubehörteile ist nicht gegeben, was in der Anwendungspraxis zu zahlreichen Inkompatibilitäten führen kann. Außerdem werden die billigsten verfügbaren Materialien verwendet, wodurch die entstehenden Produkte kurzlebig und defektanfällig sind. Die wirtschaftlichen Einbußen des Originalherstellers haben nicht selten weitreichende Folgen: Der Absatz des eigentlich hochwertigen Produktes sinkt, der Markenruf wird nachhaltig geschädigt und somit stehen schlussendlich Arbeitsplätze auf dem Spiel.


Objektpanorama – Original und Fälschung im Vergleich: links das Original von NSK (2), rechts das Plagiat (3)

Gefälschte Winkelstücke

Einer der aktuellsten Plagiatsfälle in der Zahnmedizin betrifft den Dentalproduktehersteller NSK. Unrechtmäßige Kopien dessen erfolgreich am Markt etablierten Winkelstückes S-Max M 25 L gelangten als Reparaturfälle zu dem Unternehmen, das auf diese Weise auf die Produktfälschungen aufmerksam wurde. Durch die minderwertige Produktionsqualität der Plagiate hatten diese ihren nichtsahnenden Besitzern nur für kurze Zeit Dienste geleistet und waren rasch nach dem Kauf von verschiedenen Defekten betroffen.

„Es ist schwierig, die genauen Vertriebswege der Plagiate auszumachen und sie zu den Fälschern zurückzuverfolgen“, so Sven Isele, General Manager Sales & Marketing Europe bei NSK. „Aus diesem Grund ist es uns äußerst wichtig, unsere Kunden über die im Umlauf befindlichen Kopien aufzuklären und sie zu warnen.“ Bisher sind aufseiten des Herstellers ausschließlich Fälschungen des Modells S-Max M 25 L bekannt. Es handelt sich dabei um ein hochwertiges Standardprodukt aus dem Sortiment von NSK und stellt für die Plagiatoren somit ein lohnendes Ziel dar. Da innerhalb einer verhältnismäßig kurzen Zeitspanne gleich mehrere gefälschte Winkelstücke zur Reparatur eingesandt wurden, ist von einer größeren Stückzahl verkaufter Fälschungen auszugehen. „Wir bieten unseren Kunden an, anhand der auf dem Winkelstück verzeichneten Seriennummer zu überprüfen, ob es sich um ein Original handelt. Wer sich unsicher ist, ob er versehentlich ein Plagiat erworben hat, kann sich mit dieser Nummer an uns wenden und erhält eine sichere Antwort. Darüber hinaus werden wir die zuständigen Zollbehörden informieren, um die Einfuhr der gefälschten Winkelstücke zu verhindern oder zumindest zu erschweren“, erläutert Sven Isele die von NSK ergriffenen Maßnahmen. Zusätzlich informiert der Hersteller über eine Reihe von Merkmalen, anhand derer der Kunde die Fälschungen eindeutig vom Original unterscheiden kann.


 links das Original von NSK (4), rechts das Plagiat (5)

Unterscheidungsmerkmale

Bei genauerer Betrachtung der Plagiate des S-Max M 25 L fallen verschiedene Unterschiede zum Originalmodell auf. So ist das gefälschte Winkelstück rund einen Zentimeter kleiner als die authentische Version (Abb. 1). Der blaue Ring am Adapteraufsatz fällt beim Plagiat wesentlich schmaler aus, außerdem wirkt die Beschriftung des Produktnamens blasser und undeutlicher. Weiterhin lassen sich Unterschiede in den seitlichen Einkerbungen knapp unterhalb des Winkelknicks erkennen: Die oval geformten konkaven Markierungen sind beim Original sehr filigran (Abb. 2), bei der Fälschung dagegen tiefer eingestanzt. Letztere lässt außerdem die Zahlen und Zeichen der CE-Kennzeichnung vermissen. Die Lasermarkierung am Kopf des Winkelstücks ist anders positioniert, darüber hinaus geht der Instrumentenkopf nicht, wie bei dem originalen Produkt, weich fließend in den Hals über, sondern schließt mit einer groben Kante ab. Der Hals des gefälschten Winkelstücks präsentiert sich dicker und kürzer als der des Originals und ist zudem an der Oberkante mit einer zusätzlichen Schraube versehen (Abb. 3). Besonders deutlich wird der Unterschied zwischen authentischem Produkt und Plagiat bei der Betrachtung der Spraydüsenvorrichtung am Instrumentenkopf. Hier werden bei dem Originalprodukt Wasser und Luft getrennt aus zwei Öffnungen abgegeben (Abb. 4), die gefälschten Winkelstücke verfügen nur über ein einziges Loch für den Sprayaustritt (Abb. 5). Nicht zuletzt ist auch das verwendete Material ein untrügliches Unterscheidungsmerkmal, denn die Plagiate sind nicht aus hochwertigem Edelstahl, sondern aus leichterem und weniger widerstandsfähigem Aluminium gefertigt. In ihrer Gesamtheit führen diese detaillierten Abweichungen der Plagiate von dem originalen Produkt, gemeinsam mit der minderwertigen Verarbeitung, zu einem deutlich reduzierten Qualitätsniveau. Damit sind weder die Kompatibilität zu den vorgesehenen Adaptern noch das für NSK-Produkte gewohnte komfortable Handling sowie deren langfristige Funktionalität gewährleistet.

Kunden wird also dringend empfohlen, ihre bereits gekauften Produkte auf Authentizität zu prüfen und sich bei Verdachtsmomenten unter Angabe der Bezugsquelle an den Hersteller zu wenden. Bei Neuanschaffungen helfen ebenfalls die oben genannten Anhaltspunkte sowie der Kauf im qualifizierten Fachhandel, um sich selbst und seine Patienten vor minderwertigen Instrumentenfälschungen zu schützen.

Foto: © Jeanette Dietl - Fotolia.com
Mehr News aus Praxishygiene

ePaper

Anzeige