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Praxismanagement 12.07.2016

Für den Notfall rüsten: Vorsorge-Tipps für Zahnarztpraxen

Ronja Gysin
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Für den Notfall rüsten: Vorsorge-Tipps für Zahnarztpraxen

Ohne Vorwarnung bricht Helmut Müller während einer Behandlung zusammen. Binnen Minuten ist der Notarzt vor Ort. Das Herz des Zahnmediziners schlägt weiter, doch er wacht nicht auf. Frau und Sohn des 51-Jährigen sind verzweifelt. Neben dem Schmerz steht die Frage im Raum, wie es mit der Praxis des Koma-Patienten weitergeht.

Mitten im Gefühlschaos stellt Frauke Müller fest, dass sie keinen Zugriff auf die Geschäftskonten ihres Mannes hat. Es fehlt eine Bankvollmacht. Die Folge: Die Witwe kann weder Löhne für die sechs Angestellten auszahlen noch die Praxismiete überweisen. Sie ist zahlungsunfähig – trotz Geld auf dem Konto.

Was Frauke Müller erlebt, teilen viele Angehörige von Praxisinhabern. „90 Prozent der deutschen Zahnärzte haben keinerlei Vorsorge getroffen“, weiß Markus Sobau, Generationenberater mit IHK-Zertifikat. Seit Jahren berät er Mediziner und beobachtet, dass Notfalldokumente erst gesammelt werden, wenn die Nachfolge ansteht. „Die Möglichkeit in jungen Jahren zu erkranken oder zu verunglücken, blenden die meisten aus“, weiß der Erbschaftsplaner. Im Ernstfall ein Versäumnis, das Praxis und Familie in den Ruin treiben kann.

Deshalb sollte jeder niedergelassene Zahnarzt eine Notfallakte mit Vollmachten und Verfügungen anlegen. Diese regeln, wer Zugriff auf welche Konten hat oder wann etwa eine Herz-Kreislauf-Maschine abgestellt wird. „Pflicht für alle Zahnärzte mit eigener Praxis ist eine Unternehmer-Vollmacht“, sagt Sobau. Falls der Mediziner wie Helmut Müller auf unbestimmte Zeit ausfällt, ermächtigt das Dokument Ehepartner oder Nachkommen, einen Stellvertreter für die Praxis einzusetzen. So laufen die Geschäfte weiter und die Existenz ist gesichert. Liegen dann noch Ehevertrag sowie das Testament im Ordner, können Erben schnell ermittelt werden und sind handlungsfähig.

Laut Stefan Schilling, Rechtsanwalt für Arbeits- und Erbrecht, ist auch eine Telefonliste mit Nummern wichtiger Dienstleister, des Versorgungswerkes und der Kammer sinnvoll. Ebenso sollten Leasingverträge, Kredite, Jahresabschlüsse, Privatdarlehen und Versicherungen kopiert im Notfallordner liegen. „Schlussendlich sind Listen mit Passwörter, PIN-Nummern, Bankschließfächer sowie Grundstücke mit Grundbuchauszüge hilfreich, um die Notsituation ohne wirtschaftlichen Schaden zu überstehen“, sagt der Jurist.

Besonders verheerend wirkt sich versäumte Vorsorge auf Gemeinschaftspraxen aus. Etliche firmieren als Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR). Fehlt im Vertrag allerdings der Zusatz „Beim Tod eines Gesellschafters gehen dessen Anteile an die Erben über“ – erlischt die Gesellschaft mit dem Ableben eines Partners. Schilling skizziert die Folgen: „Sämtliche Miet- und Leasingverträge sind dann fällig und gehen auf die lebenden Partner über.“ Jeder Arzt haftet dann mit seinem Privatvermögen, persönlich und unmittelbar.

In einem anderen Beispiel schlägt die Witwe eines Zahnarztes das Erbe aus. Denn ihr Mann hatte kurz vor seinem Unfalltod seinen Mietvertrag um zehn Jahre verlängert. 3000 Euro Praxismiete monatlich sind in Summe 360.000 Euro. Das war der Frau zu viel und stand in keinem Verhältnis zum Erbe. Eine Klausel zum Tod wäre hilfreich gewesen, erklärt Finanzplaner Sobau.

Die Notfallakte muss übrigens nicht zwingend in Papier vorliegen. Das Zentralregister der Bundesnotarkammer speichert diese auch digital. Dort können Zahnmediziner für 40 Euro entweder über einen Notar oder direkt, beglaubigte Kopien hinterlegen lassen.

Foto: © Igor Mojzes – Fotolia.com
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