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Recht 18.05.2018

Als angestellter Zahnarzt richtig durchstarten

Als angestellter Zahnarzt richtig durchstarten

Worauf beim Arbeitsvertrag zu achten ist

Sie freuen sich über die Zusage für Ihren vielversprechenden Traumjob? Jetzt muss nur noch der Vertrag unterzeichnet werden. Wer möglichen Fallstricken im Arbeitsvertrag dabei von vornherein aus dem Weg geht, kann von Beginn an unbeschwert durchstarten.

Normalerweise handelt es sich beim vom Arbeitgeber gestellten Vertrag um einen sogenannten „Formularvertrag“. Für Sie eine gute Nachricht, denn die gesetzlichen Vorgaben zum Arbeitnehmerschutz werden hier eingehalten. Dazu gehört zum Beispiel, dass der Vertrag keine unerwarteten Überraschungen oder widersprüchlichen Formulierungen enthalten darf. Sollte Ihr Vertrag also einen solchen Formfehler aufweisen, sind die davon betroffenen Klauseln automatisch ungültig.

Die goldene Regel: Lesen Sie gründlich!

Dennoch sollten Sie Ihren Vertrag in jedem Fall genau lesen und Unklarheiten mit Ihrem Arbeitgeber besprechen. Wenn Sie mögliche Missverständnisse von Anfang an aus dem Weg räumen, werden sie später nicht zwischen Ihnen und Ihrem Chef stehen.

Denn trotz eines guten gesetzlichen Arbeitnehmerschutzes sollten Sie unbedingt auf einige mögliche Fallstricke achten, die die Anstellung als Zahnarzt mit sich bringen kann.

Ohne Genehmigung kein Vertrag

Zu allererst achten Sie darauf, dass Sie zum Zeitpunkt der Tätigkeitsaufnahme von der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) zugelassen sind. Denn ohne Genehmigung keine Anstellung. Die entsprechenden Dokumente gehen Sie am besten gemeinsam mit Ihrem zukünftigen Arbeitgeber durch – er muss sie auch unterschreiben. Viele Verträge enthalten eine entsprechende Klausel, der zufolge das Arbeitsverhältnis erst dann beginnt, wenn die Genehmigung der KZV vorliegt. Denken Sie auch an die damit verbundenen Kosten: Für jede Genehmigung berechnet die KZV circa 900 Euro – unabhängig davon, wie lange das Arbeitsverhältnis andauern soll. In der Regel trägt diese Kosten der Arbeitgeber.

Sicher ist sicher: Ihre Haftpflichtversicherung

Als angestellter Zahnarzt muss Ihr Arbeitgeber Sie über seine Haftpflichtversicherung melden und mitversichern. Diese erfasst alle zivilrechtlichen Ansprüche des Patienten gegenüber dem behandelnden Zahnarzt oder der Praxis – lassen Sie sich im Zweifel einen entsprechenden Versicherungsnachweis zeigen. Sollten Sie eine eigene Haftpflichtversicherung haben, informieren Sie Ihren Arbeitgeber rechtzeitig darüber, sonst besteht eine Doppelversicherung, was im Schadensfall zu erheblichen Problemen führen kann.

Aber Achtung: Die Haftpflichtversicherung umfasst ausdrücklich keine strafrechtlichen Ansprüche. Ein ohne das Einverständnis des Patienten gezogener Zahn kann den Tatbestand der Körperverletzung nach dem Strafgesetzbuch erfüllen – und hier schützt Sie die Haftpflichtversicherung nicht.

Let‘s talk about money

Sie haben eine anspruchsvolle und kostenintensive Ausbildung hinter sich und tragen als Zahnarzt eine große Verantwortung für Ihre Patienten. Entsprechend fair und angemessen sollte deshalb Ihr Gehalt ausfallen – nicht zuletzt auch für Vorbereitungsassistenten.

Grundsätzlich gilt: In größeren Praxen gibt es in der Regel höhere Gehälter als in kleinen. Das Einkommen lässt sich außerdem durch eine zusätzlich zum Festgehalt vereinbarte Umsatz- oder Honorarbeteiligung steigern. Diese Option wird von den meisten Zahnärzten als fair empfunden, denn wer mehr leistet, wird dafür mit einem höheren Gehaltsscheck belohnt.

Im Rahmen einer solchen Beteiligung sollten Sie unbedingt darauf bestehen, jederzeit Ihre Zahlen einsehen zu können. So haben Sie den Überblick über Ihre Leistungen und das Ihnen zustehende Honorar. Potenzielle Konflikte kommen dann gar nicht erst auf und das Vertrauensverhältnis zwischen Ihnen und Ihrem Arbeitgeber wird gestärkt.

Es empfiehlt sich übrigens dringend, im Vorhinein zu vereinbaren, ob eine Honorar- oder Umsatzbeteiligung auch während Abwesenheitszeiten wie Krankheit oder Urlaub fortgezahlt werden soll. Hier lauert ein großer Streitpunkt, denn grundsätzlich gehen die Beteiligten davon aus, dass eine Umsatzbeteiligung nur dann zu zahlen ist, wenn auch Umsatz erwirtschaftet wird. Die Gesetzeslage ist hier aber eine andere: Auch während Abwesenheitszeiten gehören Honorar- und Umsatzbeteiligungen zum durchschnittlich zu zahlenden Gehalt – Gerichtsentscheidungen fallen hier zu Gunsten des Arbeitnehmers aus. Da ein Rechtsstreit keine gute Grundlage für ein vertrauensvolles Arbeitsverhältnis sein kann, sollten Sie am besten von vornherein eine einvernehmliche Lösung mit Ihrem Arbeitgeber finden. Diese könnte so aussehen, dass während der Abwesenheitszeiten die Beteiligung fortgezahlt, dafür aber grundsätzlich insgesamt niedriger angesetzt wird.

Vorsicht bei Partnerschaftsangeboten

Gerade jungen Zahnärzten erscheint eine Juniorpartnerschaft oft als ein gutes Angebot, um eine Praxis vor einer Beteiligung oder Übernahme erst einmal kennenzulernen. Doch Vorsicht ist geboten: Partnerschaftsverträge, die weder eine finanzielle Eigenbeteiligung, noch ein Verlustrisiko vorsehen, sind rechtlich unwirksam. Die Finanzbehörden stufen Sie in diesem Fall auch rückwirkend als angestellten Zahnarzt und nicht als Partner ein. Und das bringt schwerwiegende bürokratische und finanzielle Folgen mit sich: Sämtliche Gehaltszahlungen müssen rückabgewickelt und neu deklariert und Sozialversicherungsbeiträge nachgezahlt werden. Vor allem aber wird Ihnen die Zulassung der KZV rückwirkend entzogen, was zu enormen Regressforderungen der Krankenkassen führt.

Entscheiden Sie sich deshalb wenn, dann ausschließlich für eine solide Beteiligungsform, die mit finanzieller Eigenbeteiligung, Stimmrecht und einer Gewinn- und Verlustbeteiligung einhergeht.

Sie haben Rechte – und Pflichten

Selbstverständlich unterliegen Sie als Zahnmediziner der Schweigepflicht. Patienten- oder Behandlungsdaten dürfen keinesfalls die Praxis verlassen – das gilt auch für Lebenspartner oder Studienfreunde. Ein Verstoß gegen Ihre Schweigepflicht kann zur fristlosen Kündigung führen.

Auch für die ordentliche Dokumentation und Abrechnung sind Sie verantwortlich, denn obwohl bei Auseinandersetzungen mit Krankenkassen oder Patienten grundsätzlich der Praxisinhaber in Anspruch genommen wird, kann dieser unter Umständen einen internen Ausgleich gegenüber Ihnen, dem angestellten Zahnarzt, vornehmen.

Fortbildungen sind Pflicht. Sie müssen alle fünf Jahre Auskunft über Ihre Fortbildungen geben und sind selbst dafür verantwortlich, sich entsprechend weiterzubilden. Hohe Honorarkürzungen seitens der KZV sind die Folge nicht eingehaltener Fortbildungspflichten und können vom Praxisinhaber von Ihnen zurückgefordert werden.

Für Zahnärztinnen gilt: In der Schwangerschaft müssen und vor allem dürfen Sie nicht arbeiten. Unabhängig davon, was in Ihrem Arbeitsvertrag vereinbart wurde, gilt ein sofortiges Beschäftigungsverbot und Sie arbeiten nicht mehr am Patienten – auch wenn sich beide einig sind, dass für eine gewisse Zeit noch Patientenbehandlungen erfolgen sollen. Anders bei selbstständigen Zahnärztinnen: Für sie gilt ein solches Beschäftigungsverbot nicht. 

Und nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses?

Grundsätzlich greifen für angestellte Zahnärzte keine Wettbewerbsverbote, die nicht mindestens eine finanzielle Entschädigung für den Zahnarzt vorsehen. Das bedeutet, sollte nichts Gegenteiliges wirksam im Vertrag vereinbart sein, dürfen Sie nach Ihrem Anstellungsverhältnis sowohl unmittelbar beim Kollegen eine Stelle annehmen oder sich in der Nachbarschaft selbstständig machen – das kann Ihnen niemand verbieten.

Was zählt: Ein gutes Miteinander für eine erfolgreiche Zusammenarbeit

Letztendlich gilt: Lesen Sie Ihren Arbeitsvertrag aufmerksam und seien Sie sich Ihrer Rechte und Pflichten als Arbeitnehmer bewusst. Vor allem aber suchen Sie bei Unklarheiten unbedingt das Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber. So können mögliche Missverständnisse gleich aus dem Weg geräumt werden. Denn eine gute Vertrauensbasis und ein fairer Umgang miteinander sind die Grundlage für ein für alle Beteiligten angenehmes und erfolgreiches Angestelltenverhältnis. 

Dann steht Ihnen nichts mehr im Wege und Sie starten als Zahnarzt von Anfang an erfolgreich durch!

Quelle: AllDent Zahnzentrum GmbH

Foto: StockPhotoPro – stock.adobe.com
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