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Recht 03.08.2018

Erwerb eines ungarischen zahnärztlichen Professorentitels – Betriebsausgabe?

Erwerb eines ungarischen zahnärztlichen Professorentitels – Betriebsausgabe?

Das Finanzgericht (FG) Münster hat sich in seinem Urteil vom 13.10.2017 (4 K 1891/14 F) mit der Frage befasst, ob ein Zahnarzt, der einen Gastprofessorentitel an einer ungarischen Universität erwirbt, die Erwerbskosten als Betriebsausgaben abziehen kann.

Der Fall

Im konkreten Fall wurde ein selbständiger und wissenschaftlich aktiver Zahnarzt im Jahr 2009 zum Gastprofessor an der humanmedizinischen Fakultät einer ungarischen Universität ernannt. Dieser Ernennung lag ein „Wissenschaftsvertrag" zu Grunde, wonach der Zahnarzt ein Honorar in Höhe von insgesamt 47.600 Euro zu zahlen hatte. Für seine Tätigkeit an der Universität wurde keine Vergütung gezahlt.

Der Zahnarzt machte diese Kosten als Betriebsausgaben geltend (werbender Charakter des Professorentitels, Erhöhung Reputation). Das Finanzamt lehnte den Betriebsausgabenabzug ab, da das Honorar der ohne Einkünfteerzielungsabsicht betriebenen Tätigkeit in Ungarn zuzuordnen sei.

Die Entscheidung

Das FG Münster wies die Klage des Zahnarztes gegen die Entscheidung des Finanzamtes ab. Die Bezeichnung als Professor werde in der Öffentlichkeit und in Fachkreisen auch als Ausdruck herausragender fachlicher Kompetenz verstanden. Allerdings berühre die Erlangung eines Professorentitels in nicht unerheblichem Maße die private Lebenssphäre. Der Kläger habe nicht in erster Linie Wissen, sondern allein die Titelbezeichnung als solche erwerben wollen, die zudem keine Voraussetzung für die Erzielung zahnärztlicher Einkünfte sei. Dem mit dem Titel einhergehenden gesellschaftlichen Prestige komme daher ein höheres Gewicht zu. Mangels objektivierbarer Kriterien komme eine Aufteilung der Kosten nicht in Betracht.

Quelle: lennmed.de, Kanzlei-Newsletter

Foto: WavebreakMediaMicro – stock.adobe.com/EMS
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