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Statements 27.03.2020

Covid-19 Pandemie: Corona in der Zahnmedizin – what else?

Covid-19 Pandemie: Corona in der Zahnmedizin – what else?

Lassen Sie uns ganz ehrlich sein – und das bin ich heute: Niemand von uns hat mit dieser Art Krise in Bezug auf Corona gerechnet! Erst kam alles ganz langsam angerollt und schien uns Deutsche und die Kollegenschaft nicht zu betreffen. Keiner von uns konnte sich ausmalen, dass auch wir Zahnärzte so stark von der aktuellen Krise betroffen sein werden. Viel zu spät haben die meisten von uns erkannt, dass dieses Coronavirus die Gesellschaft viel extremer verändern wird, als wir es uns medizinisch und anhand der nackten Zahlen hätten je vorstellen können.

Für Mediziner zählen vor allem Zahlen, laut derer das Coronavirus eine Mortalität von 1-5 Prozent haben kann, was nicht beunruhigend ist. Dennoch konzentrierte sich die Mortalität vor allem auf die ältere Bevölkerungsstruktur und schon sehr bald hatten wir ein Bild – nicht nur aus Italien –, wo vorerkrankte ältere Patienten massenweise verstorben sind. Das änderte auch bei uns alles – die aktuelle Situation ist jedem klar.

Wir haben Ängste aufgebaut, so wie die Bevölkerung auch. Wir haben angefangen, den Schuldigen zu suchen, und haben ihn in der Politik und den zuständigen Kammern gefunden. Diese Strategie war auch zu Beginn sehr einfach, denn wir haben uns größtenteils im Stich gelassen gefühlt. An jeder Ecke hat etwas gefehlt: Mundschützer, Desinfektionsmittel, Mitarbeiter, fachliche Unterstützung, Geld. Keiner wusste und konnte uns sagen, wie wir die Zeit als Freiberufler überstehen sollen. Wir haben angefangen zu beschimpfen, zu nörgeln, die Schuld anderen zuzuweisen und viele haben sich abgeschottet, weil sie sich nicht verstanden gefühlt haben.  

Ist das verwerflich? Ist das ein Zeichen einer schlechten Zahnärzteschaft? Sollten wir uns dafür schämen? Sollte das, wie Herr Dr. Engel von der Bundeszahnärztekammer am 23. März schrieb, verpönt sein?

Ich denke nicht – zumindest nicht in der Ausgangssituation! Ich denke, es ist eine menschliche Reaktion auf eine sehr ungewisse und schwierige Situation! Ich denke, dass in so einer schweren Situation diesen Ängsten und Gefühlen der Kollegenschaft auch freien Lauf gelassen werden muss. Diese teils überzogenen Reaktionen in Bezug auf die ungewisse Zukunft müssen Politik und Kammer aushalten können.

Doch dann ist es auch mal gut! Irgendwann ist auch Schluss!

Es gibt mehr als Corona, und der Virus wird so auch nicht verschwinden! Es gibt uns! Uns Kollegen, die Zahnärzteschaft, eine gute Gemeinschaft! Wir müssen diese nur als solche erkennen und vielleicht gerade in dieser einmaligen Zeit lernen, dass wir – anders, als wir es aus dem Studium kennen – nur gemeinsam als Einheit zwischen Kollegenschaft und verantwortlichen Kammern was bewegen können. Gemeinsam sind wir viele und die Ängste und Probleme plötzlich nur noch sehr klein.

Wir haben nun die historische Chance, es gemeinsam zu meistern, sich zu vernetzen, sich gegenseitig zu helfen, Material auszutauschen und Notdienste zu koordinieren. Alleine wird keiner gut über diese Krise kommen. Einer ist keiner!

Wir sprechen hier von etwa 95.000 Zahnärzten! Wir haben Möglichkeiten, die viele andere Berufsgruppen nicht haben, wir müssen unsere Kräfte nur bündeln.

Der Schock sollte bereits verdaut worden sein, zumindest so weit, dass wir rational an die großen Aufgaben der nächsten Tage herantreten können. Heute liegt es an uns und unserer Bereitschaft zur Koordination von Terminen und Abläufen. Wir sollten lernen, alle an einem Strang zu ziehen und gegenseitig voneinander zu lernen.

Foto © privat

In den nächsten Tagen sollten wir in den Zahnärztekammern bundesweit klar definieren, welche Behandlungen auf jeden Fall aufgeschoben werden sollen, um auch Patienten und Mitarbeiter weitreichend schützen zu können. Jeder von uns weiß, wie lange Aerosole sich in der Luft halten, und sollte mit diesem Wissen verantwortungsvoll umgehen. Es sollten „Aerosolzimmer“ eingerichtet werden (notwendige Füllungen, Notfälle), in denen diese Behandlungen mit zeitlichen Abständen und einem speziellen Hygieneplan stattfinden. So zeigen wir nicht nur den Patienten, dass wir verantwortungsvoll mit der Situation umgehen können, sondern schonen auch unser Personal.

Ich sehe auch große Bewegung im Bereich der Finanzierungen der nächsten Wochen! Die Landes- und Bundeszahnärztekammern haben in den letzten Tagen ein deutliches und sehr positives Signal gesetzt. Damit vermitteln sie auch das Gefühl, dass sich was zum positiven bewegt. Wir müssen nun abwarten, bis Zahlen auf dem Tisch liegen und klar erkennbar ist, in welchen Dimensionen die Praxen betroffen sein werden. Aus heutiger Sicht zeichnet sich aber ein sehr positiver Trend ab. Der Gesundheitsminister scheint verstanden zu haben, dass es ohne die 95.000 Zahnärzte auch nicht gehen kann und eine Sicherstellung der Versorgung oberstes Gebot ist.

Zahnärzte werden seit dem ersten Tag des Studiums mehr oder weniger darauf getrimmt, alleine an ihrem Behandlungsstuhl alles auszufechten, was ansteht. Wir sind – und das meine ich nicht verwerflich – keine großen Teamplayer. Diese müssen wir nun aber werden. Lasst uns positiv und mit viel Energie nach vorne schauen, lasst uns was bewegen, ohne dass wir nach den ersten Tagen der Ratlosigkeit weiter Zeit und Energie damit verschwenden mit Dingen, die nicht veränderbar sind. Lasst uns im Gegenzug alles verändern, was wir verändern können!

Strukturiert eure Praxen um und vernetzt euch miteinander. Profitiert von guten Ideen anderer und bewegt euch aus der Komfortzone des einzelnen in die Aktionszone der vielen. Ich werde das so machen – wir sollten das alle so angehen.

Bleibt gesund!

Dr. Martin Jaroch, M.Sc.

Foto Teaserbild: Sasha Freemind – Unsplash.com

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