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Statements 06.08.2020

Implantologie 2020 – Die Party ist vorbei!

Implantologie 2020 – Die Party ist vorbei!

Editorial des Chefredakteurs Jürgen Isbaner aus dem aktuellen Implantologie Journal 7+8/2020 zur aktuellen Situation im Implantologiemarkt.

Es ist ein sehr ungewöhnliches Jahr. COVID-19 bzw. dessen Nachwirkungen haben uns, die Gesellschaft und die Wirtschaft fest im Griff. Wer in den letzten Jahren und Jahrzehnten den Implantologiemarkt aufmerksam beobachtet hat, der konnte nur eine Entwicklung feststellen: stets ging es um Innovatio­nen – um neue Implantatdesigns, um die Digitalisierung, um Biomaterialien oder die Schaffung großer, international agierender Produktions- und Vertriebsstrukturen. Es war ein ständiges Höher, Schneller, Weiter, bis auf einmal die  ganze Maschinerie durch ein kleines ­Virus aus der Corona-Familie zum Stillstand kam. Ich glaube, bisher hatte keiner von uns irgendeine Vorstellung, wie dramatisch die Auswirkungen einer Pandemie sein können. Im eigentlich weitgehend krisenfesten Implantatmarkt erlebten wir mit dem Lockdown zum ersten Mal einen wirklichen Einbruch der Nachfrage. Den fernbleibenden Pa­tienten folgte relativ zügig die Kurz­arbeit in den Praxen, dieser die Kurz­arbeit bei Herstellern und Vertriebsfirmen. „Im Augenblick verkaufen wir nicht ein einziges Implantat“ war unisono das Feedback aus dem Markt. Es wird jetzt spannend sein, zu erfahren, welche Strukturen die krisenfestesten waren – groß oder klein, national oder global, Vollsortimenter oder Spezialist.

Inzwischen trauen sich auch wieder die Patienten nicht nur für medizinisch unbedingt notwendige Behandlungen in die Praxen. Zunehmend entsteht ein Bewusstsein, dass der ausbleibende Zahnarztbesuch gerade bei Vorerkrankten bzw. chronisch Kranken zu zusätz­lichen Schäden bzw. zu einer generellen Beeinträchtigung des Krankheitsverlaufs führen kann. Die Praxen waren und sind aktiv, wenn es darum geht, die hygienisch organisatorischen Voraussetzungen für einen sicheren Zahnarztbesuch zu gewährleisten. Im Wahlleistungsbereich gestaltet sich die Sache sowohl im Hinblick auf die Definition der medizinischen Notwendigkeit als auch in Bezug auf die einwandfreie hygienische Umsetzung noch etwas komplizierter. Dennoch, es wird wieder implantiert – teilweise sogar in erstaunlichen Stückzahlen. Das Vor-COVID-19-Niveau ist so schnell nicht wieder zu erreichen, und so wird man sich wohl zunächst auf Schwerpunktprodukte wie Implantate, KEM und Membranen konzentrieren und versuchen, den Markt als Ganzes step-by-step wieder aufzubauen.

Auch die IDS soll laut Koelnmesse und VDDI tatsächlich als dentales Groß­ereignis stattfinden und den Markt beflügeln. Allerdings ist derzeit kein angepasstes Konzept erkennbar. Die angekündigten „Hygienemaßnahmen“ sind in diesem Kontext zu wenig. Mit der Ende Juli erfolgten IDS-Absage des weltweit größten Herstellers von Dentalprodukten und -technologien für Zahnärzte und Zahntechniker wurden letztlich die Karten neu gemischt. Zu erwarten ist, dass weitere Global Player folgen werden.

Mit der IDS sind wir auch schon bei den Kongressen. Diese wurden im Frühjahr reihenweise abgesagt. Aber wie in der Kommunikation spielen auf einmal digitale Plattformen, Streaming und E-­Learning-Angebote eine völlig neue Rolle. Die Präsenzfortbildung wird dennoch nicht komplett verschwinden, denn der direkte Austausch unter Kollegen oder die persönliche und kompetente Information durch die Fachberater der Industrie sind derzeit durch kein geeignetes digitales Format zu ersetzen. Und: Nach Quarantäne, Ausgangs- und Reisebeschränkungen hat der ein oder andere einfach Lust, mal woanders zu sein. In diesem Sinne freue ich mich, Sie vielleicht im Herbst 2020 z. B. beim 3. Zukunftskongress der DGZI in Bremen begrüßen zu dürfen.

Bleiben Sie gesund.

Foto Teaserbild/Montage: Axel Bueckert – stock.adobe.com/OEMUS MEDIA AG

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