Statements 02.07.2021

Was bin ich wert? Über mangelnde Wertschätzung von ZFAs

Sylvia Gabel
Sylvia Gabel
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Was bin ich wert? Über mangelnde Wertschätzung von ZFAs

Foto: Yuri Bodrikhin on Unsplash

Fragt man Beschäftigte in Zahnarztpraxen nach Wünschen an ihren Arbeitgeber, steht an erster Stelle nicht das Geld, sondern die Wertschätzung für ihre tägliche Arbeit mit den Patienten.

Erst danach kommt das Gehalt – das natürlich angemessenen sein sollte. Oft sind es Kleinigkeiten, die dafür sorgen, dass sich eine Zahnmedizinische Fachangestellte an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlt.

Sehr viele Arbeitgeber könnten viel mehr dazu beitragen, dass sich sehr viele Praxismitarbeiterinnen wertgeschätzt fühlen. Während der Praxisöffnungszeiten wird hoch konzentriert gearbeitet, das macht die Möglichkeit für ausreichend kurze Pausen zwischendurch wertvoll. Bekommen Mitarbeiter die Möglichkeit dazu, bemerken sie, dass ihr Arbeitgeber die Anforderungen an ihre Tätigkeiten erkennt und wertschätzt. Ein kleines Beispiel ist ein angenehmer Pausenraum und die Bereitstellung von Kaltgetränken sowie einer Kaffeemaschine – unspektakulär, aber hoch willkommen, das motiviert viele Kolleginnen. Zwischendurch ein gemeinsames Frühstück, Zeit für ein kurzes Gespräch hebt in vielen Praxen auch die Stimmung.

Auch an anderer Stelle lassen sich aus ihrer Sicht Arbeitsbedingungen oft mit wenig Aufwand optimieren. Immer wieder erwähnt wurde etwa der Wunsch nach einem ergonomischen Schreibtischstuhl und einer angemessenen Ausleuchtung des Arbeitsplatzes. Auch das Bereitstellen von Berufskleidung einschließlich der Arbeitsschuhe unterstützt das Wohlbefinden von Mitarbeitern. Eine Schale mit Obst bei Teambesprechungen signalisiere kollegiale Wertschätzung, und nicht wenige Mitarbeiter freuen sich, wenn wenigstens einmal im Jahr ein gemeinsames Treffen zu einem Theater- oder Restaurantbesuch stattfände – „das stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl“. Zum Geburtstag einen Strauß Blumen zu bekommen, wird als wertvolle Geste persönlicher Anerkennung erlebt.

Mir persönlich liegt die Ausbildung unserer Azubis am Herzen. Sie sind unsere Zukunft in diesem schönen Beruf. Wir müssen das Interesse bzw. die Leidenschaft für diesen Beruf bei ihnen wecken und entfachen. Das ist unsere Aufgabe als Kollegin, Praxismanagerin, ZFA, ZMP sowie ZMF oder DH. Wir sind es, die diese Leidenschaft für diesen Beruf vorleben und weitergeben müssen.

Leider wurden oder werden während der Pandemiezeit in sehr vielen Praxen die Auszubildenden mehr als vernachlässigt, anstatt sie in dieser Zeit mehr zu fördern und die Ausbildung zu vertiefen. Eine gute Ausbildung findet nicht in der Berufsschule statt, sondern in der Praxis. Learnig by doing. Homeschooling war das Wort des Jahres, man hätte die Möglichkeit gehabt, alles gut zu gestalten! Wir hatten Zeit, alles genau zu erklären, zu zeigen, zu präsentieren, aber es fand leider in vielen Praxen nicht statt. Sehr viele der Azubis haben als „Endgeräte“ nur ihr Smartphone und es wäre sehr gut gewesen, den Auszubildenden ein Tablet oder Laptop und für den Berufsschultag in der Praxis einen Rechner zur Verfügung zu stellen. Das ist eine große Wertschätzung für den Azubi, denn so erfährt er, meine Praxis kümmert sich um meine Ausbildung und unterstützt mich.

Darüber hinaus gibt es für den Praxisinhaber noch eine Reihe weiterer Möglichkeiten, für Zufriedenheit unter den Mitarbeitern zu sorgen – und letztlich als guter Arbeitgeber zu gelten. Es lassen sich viele mit überschaubarem finanziellen oder organisatorischen Aufwand realisieren, nicht wenige sind kostenfrei. Zahnmedizinische Fachangestellte in Praxen haben eine hohe Identifikation mit ihrem Arbeitsplatz, viele sprächen symbolisch von „ihrer“ Praxis und „ihren“ Patienten. Das verleihe einem respektvollen, achtsamen Umgang mit ihnen besondere Bedeutung. „Die meisten Praxismitarbeiter übernehmen Mitverantwortung, gehen mit Herzblut ihrer Arbeit nach und engagieren sich für „ihre Praxis“.

Im Sinne einer beruflichen Entwicklung mit Aufstiegsmöglichkeiten würde es von Praxismitarbeitern beispielsweise hoch anerkannt, wenn der Praxisinhaber Weiterbildungen und Aufstiegsmöglichkeiten finanziell übernehmen würde und während der Arbeitszeit ermöglicht. Das Einbeziehen in Beratungen und das Beachten ihrer Kompetenzen in Entscheidungsprozessen erleben Mitarbeiter grundsätzlich als sehr motivierend und wird als wertschätzend betrachtet. Nutze ein Zahnarzt auch die erweiterten Delegationsmöglichkeiten an die ZFA, zeige er damit Achtung vor ihrer Kompetenz und Vertrauen in ihre Arbeit. Auf diesem Wege erführen diese Mitarbeiter ein mehrfaches Plus an Anerkennung für ihre Arbeit und ihren Beruf, auf der einen Seite eine erhöhte Wertschätzung durch die Patienten, auf der anderen Seite durch ein Lob oder ein Dankeschön vom Zahnarzt, das hier als besonders wohltuend erlebt wird. Darüber hinaus könnte eine zunehmend genutzte Form der Anerkennung auch sein, Mitarbeiter am Umsatz an der eigenen oder auch erbrachter Leistungen aller Kolleginnen zu beteiligen. Auch das steigere deren Zufriedenheit und Engagement. Eine gute Kollegin in der Behandlungsassistenz „verkauft“ auch viele Leistungen außerhalb vom BEMA!

Nicht selten ist es für den Praxisinhaber auch sinnvoll, tiefer in die Tasche zu greifen oder mehr organisatorischen Aufwand zu betreiben: meistens sind es lohnende Investitionen ins Betriebsklima. Einen entscheidenden Beitrag für eine gute Grundstimmung unter seinen Mitarbeitern leistet ein Zahnarzt beispielsweise, wenn er ausreichend Personal beschäftigt, sich die Arbeit auf ausreichend viele Schultern verteilt und Überstundenregelungen bestehen. Auch das Einhalten von Arbeitsschutz- und Sicherheitsmaßnahmen, also etwa das Verwenden sicherer Instrumente, sorgt für eine gesunde Arbeitsumgebung und unterstützt das Personal bei seiner anspruchsvollen Tätigkeit. Die Mitarbeiter sind zufrieden, wenn es in der Praxis nach Vorschrift läuft und sie entspannt ihre Arbeit tun können. Deshalb sollten die Arbeitsräume auch nicht nur an die Bedürfnisse der Patienten angepasst, sondern auch so gestaltet sein, dass sie den Mitarbeitern optimale Arbeitsabläufe ermöglichen. Wesentlich von Vorteil sind mittlerweile Klimaanlagen in der ganzen Praxis.

Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein Thema, das – gut gelöst – für Entspannung bei den betreffenden Mitarbeitern sorgt – und damit im ganzen Team. Ein Praxisinhaber, der Arbeitszeitkonten sowie Gleit- und Teilzeit ermögliche, bei Erkrankung eines Kindes den Betroffenen bei der Beschaffung von Betreuungsmöglichkeiten oder auch grundsätzlich bei der Suche nach einer Nachmittagsbetreuung unterstütze sowie persönliche Bedürfnisse bei der Dienstplangestaltung berücksichtige, habe im ganzen Team einen Stein im Brett.

Ein motiviertes und wertgeschätztes Team ist Gold wert, und das spüren auch die Patienten.

Dieser Beitrag ist in Zahnärztliche Assistenz erschienen.

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