Endodontologie 28.08.2015

Welches Feilensystem für welchen Zahnarzt?

Marcus Haynert
Marcus Haynert
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Welches Feilensystem  für welchen Zahnarzt?

Mit der Einführung von F6 SkyTaper hat Komet sein Endo-Sortiment erweitert. Macht man sich mit dem neuen NiTi-1-Feilen-System jetzt haus intern Konkurrenz zum etablierten 2-Feilen-System F360?

Feilenmanagement ist reine Geschmackssache. Das mag auf den ersten Blick so stimmen, wäre als alleiniges Kriterium für ein Product-Placement aber zu oberflächlich. Was ist denn nun tendenziell die Zielgruppe vom neuen F6 SkyTaper, was die Zielgruppe vom bekannten F360? Auf einen zweiten Blick könnte man vorschnell urteilen: Weniger ist grundsätzlich einfacher, sprich ein 1-Feilen-System für den Einsteiger leichter im Handling als ein 2-Feilen-System. Auch das wäre zu simpel interpretiert. Deshalb soll die folgende Abhandlung darstellen, dass vielmehr der „Endodontie-Grad“ des Zahnarztes ausschlaggebend dafür sein kann, für welches System er mehr Sympathien entwickelt.

F360: der einfache Einstieg

Komet sieht das 2-Feilen-System F360, das bereits zur IDS 2013 im Mittelpunkt stand, perfekt für den Generalisten indiziert. Für den Behandler liegen die Vorteile auf der Hand. Der Großteil der Wurzelkanäle kann mit zwei Feilen in den Größen 025 und 035 aufbereitet werden. Das Aufbereitungsprotokoll ist einfach zu erlernen, die Lernkurve steil und durch die beiden Zusatzgrößen 045 und 055 steht dem Behandler eine Komplettlösung für jede endo dontische Fragestellung zur Verfügung. Für den Einsteiger ist es außerdem beruhigend, zu wissen, dass er dank des schlanken Tapers .04 auch stark gekrümmte Kanäle korrekt aufbereiten kann. Die Studiengruppe A. M. Saleh, P. V. Gilani, S. Tavanafar, E. Schäfer1 bereitete in einer Studie 64 s-förmige Kanäle in Kunststoffblöcken bis zur apikalen Größe 25 auf. Dabei kamen die Feilensysteme F360, RE CIPROC, WaveOne und One Shape zum Einsatz. Das Ergebnis: Es kam zu keinem Instru- mentenbruch. Die Feilen von F360 und OneShape bereiteten die s-förmigen Kanäle besser zentriert als RECIPROC- und WaveOne-Feilen auf. Der Einsatz der RE CIPROC- und WaveOne-Feilen führte zu Kanalbegradigungen. Daraus folgte die Kernaussage dieser Studie: Feilensysteme mit einem geringeren Taper (F360) scheinen tendenziell besser geeignet für die Aufbereitung s-förmiger Wurzelkanäle zu sein. Eine ähnliche Fragestellung verfolg- ten S. Bürklein, S. Benten, E. Schäfer.2 Sie verglichen die form gebenden Eigenschaften von vier maschinellen Feilensystemen (F360, RECIPROC und OneShape in Größe 25, M two in Größe 30). Das Ergebnis: Die Aufbereitung mit F360 zeigte sich signifikant schneller als mit M two, und bei allen Feilensystemen konnte kein signifikanter Unterschied in der Veränderung der Arbeitslänge festgestellt werden. Das bietet vor allem dem Endo-Einsteiger Sicherheit. Und schlussendlich hängt die Wahl des Feilensystems auch von der anvisierten Obturationsmethode ab: Bei F360 bietet sich das Arbeiten mit der Einstifttechnik an. Ein Guttaperchastift, analog zur letzten verwendeten Feilengröße, wird mit Sealer in den Kanal eingeführt und verschlossen. Auch das macht den Einstieg mit F360 so einfach!

Abb. 1: Das bewährte rotierende 2-Feilen-System F360. – Abb. 2: Das neue rotierende 1-Feilen-System F6 SkyTaper.

F6 SkyTaper für endodontisch Fortgeschrittene

Mit F6 SkyTaper hat Komet ein 1-Feilen-System im Markt eingeführt, das sich eher für den endodontisch geübten Zahnarzt eignet. Diese Zielgruppe stellt andere Ansprüche an ein Feilensystem als die Einsteiger in die maschinelle Aufbereitung. F6 SkyTaper zeichnet sich im Vergleich zu F360 durch einen größeren Taper von .06 aus. Dieser größere Taper bietet Vorteile bei der Aktivierung der Spülflüssigkeit sowie bei gewissen Obturationsmethoden, wie z. B. bei der Umsetzung einer thermoplastischen Abfülltechnik. Der endodontisch geübte Zahnarzt wird eine Eigenschaft von F6 SkyTaper besonders zu schätzen lernen: Er kann dank des Schneidendesigns (gleichbleibender Taper .06, großer Abraum und trotzdem extrem flexibel) von Größe 015 direkt auf 025 übergehen, Größe 020 also elegant überspringen. F6 SkyTaper eignet sich genauso für den Endo-Spezialisten. Sie sind bekannt dafür, gerne mit vielen, individuellen Lösungen zu arbeiten. Für sie ist F6 SkyTaper möglicherweise ein Teil ihrer Aufbereitungsstrategie, durchaus auch in Kombination mit F360.

Gemeinsamkeiten

Grundsätzlich bekennt sich Komet mit F6 SkyTaper auch weiterhin zu der voll rotierenden Bewegung. Grund dafür sind Debris-Untersuchungen von S. Bürklein, S. Benten und E. Schäfer, Universität Münster.3 Sie gingen der Frage nach, ob nun die rotierende oder die reziproke Arbeitsweise mehr Debris nach apikal überpresst. Hierfür wurden die Systeme F360, RECIPROC und One-Shape im Vergleich zu M two herangezogen. Das Ergebnis war eindeutig: Die reziproke Arbeitsweise überpresst signifikant mehr Debris nach apikal als die ro tierende Aufbereitung. Der rotierende Einsatz ist in allen drehmomentbegrenzten Endo-Winkelstücken und -motoren möglich. Die Indikationen für F360 und F6 Sky-Taper sind quasi identisch. Zeit die während der mechanischen Aufbereitung gespart wird, kann für die chemische Reinigung verwendet werden. Der Werkstoff Nickel-Titan und die Feilendesigns mit effizientem Doppel-S-Querschnitt sorgen bei beiden Systemen für eine hohe Reinigungsleistung unter gleichzeitiger Einhaltung des originären Kanalverlaufs. Nice to have: Für die koronale Erweiterung des Wurzelkanals dient zunächst der Opener OP10L19, der sich großzügig voranarbeitet und den Kanal bereits zu Anfang der Behandlung zuverlässig vom Großteil der Bakterien befreit. Zur Gleitpfad erstellung empfiehlt sich der PathGlider. Nun kann die mechanische Aufbereitung rotierend auf voller Arbeitslänge in „picking motion“ mit der passenden Feile beginnen. Welche Feile gewählt wird, hängt von der Größe des zuvor hergestellten Gleitpfades ab. Beide Systeme beinhalten Single-use-Instrumente in steriler Verpackung. Dadurch wird die Fraktur gefahr reduziert, das Risiko einer Kreuzkontamination ausgeschlossen, Aufbereitung und Dokumentation entfallen.

Fazit

Komet macht sich mit F360 und F6 SkyTaper im Programm nicht selbst Konkurrenz. Die beiden Systeme sind klar differenziert, Stärken und Herausforderungen klar definiert. Es ist der Zahnarzt mit seinem individuellen endodontischen Hintergrund, der einmal mehr im Endo-Vollsortiment von Komet die freie Wahl hat.

Quellen

1 Shaping Ability of 4 Different Single-file Systems in Simulated S-shaped Canals; Autoren: A. Saleh, P. Gilani, S. Tavanafar, E. Schäfer; Veröffentlichung: Journal of Endodontics, im Druck.
2 Shaping ability of different NiTi systems in simulated S-shaped canals with and without glide path; Autoren: S. Bürklein, T. Poschmann, E. Schäfer; Veröffentlichung: Journal of Endodontics 2014; 40, 1.231– 1.234.
3 Quantitative evaluation of apically ex- truded debris with different single-file systems: RECIPROG, F360 and OneShape versus M two .; Autoren: S. Bürklein, S. Benten, E. Schäfer; Veröffentlichung: International Endo dontic Journal 2014; 47, 405–409.

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