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Implantologie 31.05.2013

Vollkeramische Restauration: Präparation und Farbnahme

Vollkeramische Restauration: Präparation und Farbnahme

Qualität und Ästhetik ist Vertrauenssache - Teil 2

Die moderne Zahnheilkunde beschränkt sich nicht ausschließlich auf rein kurative Behandlungen und rekonstruktive Maßnahmen, sondern fokussiert zu einem Großteil dentalästhetische Aspekte. Immer häufiger versprechen sich Patienten von einer prothetischen Rekonstruktion mehr als die beschwerdefreie Funktionalität des Kauapparates – der Wunsch nach „schönen Zähnen“ wird zu einem Selbstverständnis.

In Teil 1 dieser Beitragsserie haben wir in einem Interview die Vorteile des Vollkeramiksystems IPS e.max (Ivoclar Vivadent) erfragt. In diesem Artikel gehen die Autoren detailliert auf das praktische Vorgehen bei der Präparation sowie der Farbnahme für eine vollkeramische Restauration ein.

Die Einführung der Adhäsivtechnik in der Kombination mit zahnfarbenen Restaurationsmaterialien mit einer zahnähnlichen Transluzenz stellt für die restaurative Zahnheilkunde eine der größten Revolutionen dar. Das bislang vornehmlich subtraktiv ausgerichtete Konzept einer mechanischen Verankerung der Restauration mit klassischen Zementen wurde durch ein defektorientiertes und additiv ausgerichtetes Vorgehen ersetzt. Modifikationen traditioneller Vorgehensweisen durch die Definition des Behandlungsziels mithilfe eines zuvor angefertigten Wax-up, das als Leitlinie für die Zahnpräparation eingesetzt wurde, haben zu einem besonders schonenden Umgang mit gesunder Zahnhartsubstanz geführt. In diesem Zusammenhang haben sich die werkstofflichen Anforderungen und die Richtlinien für die Präparationen eines Zahnes erheblich verändert. Im folgenden Artikel werden anhand klinischer Beispiele die Prinzipien moderner Präparationsrichtlinien für adhäsiv befestigte vollkeramische Restaurationen dargestellt.

 

Einleitung

Verglichen mit den traditionellen Richtlinien für metallbasierte Restaurationen (scharfkantige Schulterpräparationen, Kanten und Übergänge sowie teilweise Tangentialpräparationen) hat sich aufgrund veränderter Materialeigenschaften und Fertigungstechniken das Anforderungsprofil für die Präparationsgeometrie erheblich verändert. So weisen vollkeramische Restaurationen eine hohe Empfindlichkeit gegenüber Zugspannungen auf, die rissauslösend wirken und die durch eine scharfkantige Präparationsgestaltung verstärkt werden. Eine den Werkstoffeigenschaften der Vollkeramik gerecht werdende Präparation sollte daher abgerundet sein und eine einfache Geometrie aufweisen. Dies kommt auch dem Anforderungsprofil an eine CAD/CAM-gerechte Präparation entgegen. Aufgrund der Eigengröße der im CAD/CAM-Prozess eingesetzten Schleif- oder Fräsinstrumente bestehen Limitationen hinsichtlich scharfer Präparationskanten und dünn auslaufender Geometrien. Der Behandler hat also mit seiner Präparation einen wesentlichen Einfluss auf die Gestaltung der Innenflächen der späteren Restauration und somit auf die klinische Zuverlässigkeit.

Veneers

Minimalinvasive Präparationen (zum Beispiel für Veneers) sind für den Behandler eine größere Herausforderung als – weitaus invasivere – Vollkronenpräparationen. Der Erhalt von Zahnschmelzanteilen kann bei einer Veneer-Versorgung zu einem Erfolg bestimmenden Faktor werden. Allerdings bietet eine invasivere Präparation dem Zahntechniker einen größeren Gestaltungsfreiraum und dem Zahnarzt eine einfachere provisorische Versorgung und eine klarer definierte Positionierung der Restauration. Für Veneer-Präparationen gelten klare Prinzipien, dennoch können sie, abhängig von der individuellen klinischen Situation, flexibel gestaltet werden. Dies gilt sowohl für die inzisale Gestaltung als auch für die interproximale Ausdehnung. Eine palatinale Hohlkehle bietet den höchsten Freiheitsgrad für die Festlegung der Inzisalkantenposition; diese kann so zur Lippenunterstützung nach vestibulär gestaltet werden, ohne dass die Inzisalkante zu dick wird (Abb. 2). Ähnliches gilt für die interproximale Ausdehnung der Präparation.

Während das häufig angewendete „Medium-wrap-design“ durch den Erhalt des Kontaktpunktes die Breite des bestehenden Zahnes erhält und damit die Länge (Breiten-Längen-Verhältnis) vorgibt, ermöglicht das „Long-wrap-design“ erheblich mehr Variationsmöglichkeiten in der Form und Stellung (Abb. 3). Daher sollte Letzteres vornehmlich bei starken Verfärbungen, Diastemata, umfangreichen Formänderungen, schwarzen Dreiecken und ausgeprägten Füllungen angewandt werden. Zudem ist bei Veneers in direkter Nachbarschaft zu Kronen die „Long-wrap“-Variante empfehlenswert, da dadurch der Kontaktpunkt zwischen beiden Restaurationen aus Keramik gestaltet werden kann. Für die interproximale Präparation bieten sich oszillierende Instrumente (zum Beispiel KaVo SONICflex-Aufsätze „halber Torpedo“) und Sof-Lex-Scheiben (2382 M, 3M ESPE) an. Eine vom Wax-up abgeleitete diagnostische Schablone erleichtert die Orientierung während der Präparation und ermöglicht eine Ökonomisierung des Substanzabtrages in Anlehnung an die bereits definierte Außenkontur des späteren Veneers (Abb. 4 und 5). Bei ausgeprägten Verfärbungen sollte die Präparationstiefe ausgedehnt werden, um dem Zahntechniker eine adäquate Maskierungsmöglichkeit zu bieten (Abb. 6).

Onlays

Durch die Einführung von Lithiumdisilikat-Glaskeramik (LS2) (IPS e.max® Press oder CAD), die gegenüber klassischen Silikatkeramiken eine höhere Biegefestigkeit und Risszähigkeit aufweist, haben sich die Richtlinien für die Abtragsraten glaskeramischer Onlays erheblich reduziert. Heute gelten okklusale Mindestschichtstärken von 1,0mm für monolithische Restaurationen (Maltechnik). Glaskeramische Onlayschalen erscheinen zurzeit aufgrund der extremen Steifheit und des optimalen Grenzflächenverhaltens sehr gut geeignet, abradierte und erodierte Seitenzähne zu rekonstruieren. Sie sind besonders Zahnhartsubstanz schonend, solange man es vermeidet, über den Äquator hinaus in die Infrawölbung des Zahnes zu präparieren. Damit können erheblich invasivere traditionelle prothetische Maßnahmen umgangen werden. Eine entscheidende Voraussetzung ist eine überwiegend schmelzbegrenzte Präparation. Ausgedehnte silikatkeramische Onlays zeig-ten in In-vitro-Untersuchungen ein sehr günstiges Stressmuster, das fast ausschließlich eine reine Kompression im Bereich der Grenzflächen aufwies. Um Belastungsspitzen zu vermeiden, sollten allerdings alle Übergänge weich und abgerundet gestaltet werden. Grundsätzlich ist es sinnvoll, zwischen reinen Onlays (rein okklusal) und Onlay-Veneers (Einbeziehen der vestibulären Fläche) zu unterscheiden (Abb. 7). Letztere wären indiziert, wenn eine umfangreiche Farbänderung in der ästhetischen Zone (Prämolarenbereich) erwünscht ist.

Kronen

Kronenpräparationen gelten gegenüber den zuvor aufgeführten Restaurationsformen als erheblich invasiver, da sie gewöhnlich zusätzlichen Raum für eine Gerüststruktur benötigen (Abb. 8). Für die Vollkronenpräparationen kann der marginale Abtrag in Form einer zirkulären Hohlkehle auf etwa 1,0 mm beschränkt werden. Grundsätzlich sollte eine auf die spätere Außenkontur ausgerichtete, anatoforme Präparation mit einem Konvergenzwinkel von 6° bis 15° angestrebt werden (Abb. 9). Die Platzverhältnisse können entweder unter Einsatz eines Parodontometers (North Carolina Probe, mit Millimeter-Einteilung, Hu-Friedy) und einer diagnostischen Schablone oder mithilfe eines Tasters anhand des direkt gefertigten Provisoriums überprüft werden. Beim Unterschreiten dieser Minimalwerte ist eine selektive Nachpräparation erforderlich. Im inzisalen Bereich und im Bereich des okklusalen Plateaus von Seitenzähnen gelten Mindestabtragswerte von 1,5 mm. Bei Seitenzahnrestaurationen sollte insbesondere im Fissurenbereich auf einen ausreichenden Abtrag geachtet werden, um bestimmte Okklusionskonzepte wie ein Freedom-in-Centric-Konzept umsetzen zu können (Abb. 10).

Farbbestimmung

Zu Beginn einer Präparationssitzung sollte die Farbestimmung erfolgen (zum Beispiel mit A-D Shade Guide). Dabei ist es wichtig, zusammen mit dem Patienten eine klare Entscheidung zu der endgültigen Zahnfarbe zu treffen. Etwaige Bleichmaßnahmen sollten abgeschlossen sein. Generell gilt, dass der Helligkeitswert entscheidender ist als die eigentliche Farbe. Wenn zwischen zwei Helligkeitswerten keine klare Entscheidung getroffen werden kann, ist es sinnvoll, die hellere Variante zu wählen. Diese kann im Zweifelsfall durch den Zahntechniker dunkler gemalt werden. Nahezu unmöglich ist dagegen, einen zu niedrigen Helligkeitswert durch Malfarben anzuheben. Wesentlich ist, dass die am nächsten liegenden Farbmuster (Referenzfarbring) zusammen mit der Restbezahnung fotografiert werden (Abb. 11). Zudem ist es wichtig, dass ein Stumpffarbring (IPS Natural Die Material) für die Anfertigung von farbidentischen Laborstümpfen bei transluzenten Restaurationen eingesetzt wird (Abb. 12).

Schlussfolgerung

Qualitativ hochwertige Präparationen (Abb.13) bilden ein wichtiges Fundament für eine hohe klinische Zuverlässigkeit vollkeramischer Restaurationen.

Autoren: Prof. Dr. med. dent. Daniel Hans-Joachim Edelhoff, Oliver Brix, Priv.-Doz. Dr. med. dent. Florian Beuer, Dr. med. dent. Jan-Frederik Güth 

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