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Prophylaxe 28.02.2011

Ist die individuelle Fluoridierung sinnvoll?

Ist die individuelle Fluoridierung sinnvoll?

Beim Wort Fluorid scheiden sich die Geister. Wenn Sie, so pflege ich meinen Patienten immer zu sagen, Ihr Kind so ernähren und seine Zähne so pflegen, dass keine Karies entsteht, und wenn Sie es so konditionieren, dass, sollte doch einmal „gebohrt“ werden müssen, es dies ohne Stress über sich ergehen lässt, nein, dann brauchen Sie kein Fluorid!

Wir wissen: Fluor härtet den Zahnschmelz, und diese Weisheit geben wir täglich unseren Patienten mit auf den Weg. Leider befinden sich in dem obigen Satz zwei Irrtümer! Erstens arbeiten wir (und das selbstverständlich nach wie vor erfolgreich) nicht mit Fluor, das nämlich ist hochgiftig, sondern mit Fluorid, einem Salz der Fluorwasserstoffsäure (HF), und zweitens härtet das nicht wirklich den Zahnschmelz. Um es mal vorwegzusagen, um den Fluoridgegnern, und davon gibt es nicht wenige, den Wind aus den Segeln zu nehmen: auch Fluoride sind giftig. Wie bei vielen anderen Dingen kommt es allerdings auf die Menge an.

Sieben Liter Wasser

Sie haben es ja gerade in den Zeitungen gelesen, in Amerika ist eine Frau kürzlich erst an einer Wasservergiftung gestorben. Sie hatte ganz einfach im Rahmen eines Wettbewerbs sieben Liter Wasser getrunken. Und eine solche Menge ist auch bei dem sonst an und für sich harmlosen Medium Wasser ganz sicher unter gewissen Umständen nicht ungefährlich. Auch zu viel Fluorid, Sie kennen ja die „mottled teeth“, hat gravierende Nebenwirkungen.

Wie wirkt das denn?

Wie bei vielen für uns selbstverständlichen Dingen, die sind halt einfach so, tue ich mich bei der Frage meiner Patienten danach, wie Fluorid eigentlich wirkt, immer recht schwer. Ich will mal versuchen, einfache Merksätze aufzubauen.

 

  • Zucker wird durch einige Bakterien aus der Mundflora in Säuren umgewandelt.
  • Durch Säureeinwirkung wird der kristalline Schmelzanteil, das Hydroxylapatit, aus dem Zahnschmelz ausgewaschen.
  • Bei zu viel Zuckerzufuhr kann der Speichel seine remineralisierende Wirkung nicht mehr ausreichend erfüllen.
  • Fluorid reduziert die Säurebildung im Mund durch Hemmung der Glykolyse.
  • Fluoridzufuhr erzielt eine höhere Fluoridkonzentration (Bildung von Fluor-Apatit) im Zahnschmelz.

Negativ und positiv

Und weiter: Zahnschmelz besteht chemisch aus positiv geladenen Kalzium- und negativ geladenen Phosphat-Teilchen. Diese bilden zusammen das Hydroxylapatit. Im natürlichen Zahnschmelz enthält dieses Hydroxylapatit Magnesium und Carbonate. Diese werden bei Säureangriffen bevorzugt herausgelöst. Fluorid verstärkt (kleines Ion mit starker Ladung) das Kristallgitter des Zahnschmelzes und schütz ihn so vor seiner Demineralisation. Auch freies Kalzium im Speichel wird bei Anwesenheit von Fluorid wieder in das Kristallgitter eingebaut.

Viele weitere Faktoren wirken noch zusammen, um Fluorid zu einem unserer Hauptverbündeten im Kampf gegen die Karies werden zu lassen. Informationen dazu gibt es in überwältigender Fülle. Auch Informationen dazu, dass der Weg der systemischen Fluoridierung nicht das gehalten hat, was er versprach. Und diese Erkenntnis ist relativ neu. Ich selbst habe meinen Kindern noch Fluorid-Tabletten gegeben und an deren unbedingte Wirkung geglaubt. Heute fällt es mir schwer, den entsprechenden Glauben der jungen Mütter zu desillusionieren. Aber die lokale Applikation, die ist nun Gott sei Dank einmal etwas, das sich nicht dauernd ändert, unumstritten.

Die Lokale

Neueste Forschungen bescheinigen fluoridhaltigen Verbindungen nur eine oberflächliche und durch das Essen aufgenommenem Fluorid keine Wirkung auf den Zahnschmelz. Deswegen soll und muss eine lokale Applikation erfolgen. Diese wird in der Regel durch fluoridhaltige Zahnpasten erzielt. Leider aber kennen wir ja unsere Pappenheimer und wissen, dass die Zeit, welche eigentlich für eine gründliche Mundhygiene aufgewendet werden soll, vor allem von unseren jüngeren Patienten, in den allermeisten Fällen  großzügigst unterschritten wird. Das in den Zahnpas-ten enthaltene Fluorid hat also nicht genügend Zeit „einzuwirken“, es wird bereits nach kurzer Zeit mit dem Ausspülen wieder aus dem Mund herausbefördert. Nicht zuletzt deswegen wurde die IP 4 in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen. Aber wirken tut die lokale Fluoridapplikation nur, wenn die Plaque vorher gründlich entfernt wurde. Das allerdings ist ja selbstverständlich, wenn wir im Rahmen der Individualprophylaxe die kleinen Patienten von unserem fachlich geschulten Assistenzpersonal behandeln lassen. Und danach kommt die Intensivfluoridierung dran.

Verordnung

Aber nicht nur in der Praxis als Sprechstundenbedarf verordnen wir Fluoridgel.
Immer mehr beobachten wir in unseren Praxen Erosionsschäden durch säurehaltige Lebensmittel und vor allem Getränke. Wenn wir aus der klinischen Untersuchung (und eventuell aus einer ergänzenden mündlichen Anamnese) herausfinden können, dass wir einen solchen „Risiko“patienten vor uns haben, dann sollten wir schon zum Mittel der Intensivfluoridierung greifen.

Neues Präparat

Was aber verwenden wir für die Fluoridapplikation in unserer Praxis? Was rezeptieren wir besagten Risikopatienten oder denen, die zu Hause das „Bisschen mehr“ für den Erhalt ihrer Zähne tun wollen? Die Firma Riemser, bekannt durch die Ledermix-Präparate in der Endodontie, hat ein neues, hocheffizientes Fluoridgel auf den Markt gebracht.  In seiner Darreichungsform als Gel ist es ein wirksames Mittel zur topischen Fluoridprophylaxe. Ledermix® Fluorid Gel enthält als Hauptwirkstoff Aminfluorid, das wegen seiner langen Verweildauer im Mund als besonders effektiv angesehen wird. Das weiterhin in der Zusammensetzung enthaltene Natriumfluorid hingegen sichert die sofortige Verfügbarkeit. Die Kombination der beiden Stoffe also ist ideal sowohl in seiner Sofort- als auch in der Langzeitwirkung.

Warum Gel?

Gele sind aus parodontalen Gründen Lacken vorzuziehen. Sie reizen die marginale Gingiva nämlich nicht. Auch ein weiteres kleines Problem hat Riemser mit seinem Ledermix® Fluorid Gel gelöst. Haben Sie schon einmal, quasi als Selbstversuch, herkömmliche Fluoridpräparate in den Mund genommen? Da fällt Ihnen nichts mehr ein. Gut, Bitterstoffe in Arzneimitteln haben ihre Berechtigung als Vergiftungsprophylaxe. Aber wir müssen auch mal bedenken bei wem wir die Fluoridpräparate anwenden. Einem kleinen Kind dürfen Sie mit einem bitteren Stoff nur genau einmal kommen, dann will er oder sie von der schönen Wirkung nichts mehr wissen. Ledermix Fluorid Gel ist mit Himbeergeschmack aromatisiert. So klappt’s auch mit den Kleinsten.

Autor: Dr. med. dent. Hans H. Sellmann

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