Branchenmeldungen 18.10.2012

30 Praxen forschen zur Periimplantitis

30 Praxen forschen zur Periimplantitis

Foto: © Arbeitsgruppe gesundes Implantat

Am 13. Oktober 2012 fand das Kalibrierungstreffen der Teilnehmer an der Multizenterstudie zur Prophylaxe periimplantärer Erkrankungen im Zahnmedizinischen Fortbildungszentrum Stuttgart statt. Damit kann die Datenerhebung für diese weltweit erste prospektive Studie zu diesem Thema in Kürze beginnen. Die praktische Umsetzung obliegt in erster Linie Dentalhygienikerinnen, die alle Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für DentalhygienikerInnen e.V. sind.

Die Vermeidung periimplantärer Entzündungen ist eine der Herausforderungen der Zahnmedizin in den kommenden Jahren. Entwickelt sich eine periimplantäre Mukositis zu einer Periimplantitis, droht der Verlust des Implantates. Bislang fehlen evidenzbasierte Daten für die Prophylaxe dieser Erkrankungen. Eine auf mindestens drei Jahre angelegte prospektive Multizenterstudie will nun herausfinden, welches professionelle Prophylaxekonzept periimplantären Entzündungen am besten vorbeugen kann.

Validität der Studie ist durch sorgfältige Kalibrierung sicher gestellt

Um zu gewährleisten, dass alle Studienzentren die Prophylaxebehandlung der Probanden gemäß der Vorgaben des Studienplans der Multizenterstudie zur Prophylaxe periimplantärer Erkrankungen durchführen, fand am 13. Oktober im Zahnmedizinischen Fortbildungszentrum (ZFZ) Stuttgart ein Kalibrierungstreffen statt. Hier erhielten die 30 Dentalhygienikerinnen, die die insgesamt etwa 200 Probanden in den Studienzentren betreuen, von den Studienleitern Prof. Dr. Johannes Einwag (Zahnmedizinisches Fortbildungszentrum Stuttgart), Priv.-Doz. Dr. Dirk Ziebolz (Universität Göttingen) und DH Sylvia Fresmann (1. Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Dentalhygieniker/-innen DGDH e.V.) präzise Anleitungen für die Durchführung der Studie. Dabei konnten letzte offene Fragen zur Befunderhebung und zu den organisatorischen Abläufen der Studie geklärt werden.

Bei Kurzvorträgen zur Problematik der Periimplantitis und zu möglichen Lösungsansätzen erhielten die Teilnehmer/-innen einen aktuellen Überblick über die Brisanz periimplantärer Erkrankungen. „Periimplantäre Erkrankungen sind biofilmindiziert“, erklärte Prof. Dr. Johannes Einwag den Zuhörern. „Wir brauchen ein engmaschiges Recall und eine sehr gute häusliche Mundhygiene, denn wir wissen, dass Prophylaxe funktioniert“, betonte Prof. Einwag die Relevanz von strukturierten Prophylaxekonzepten. Priv.-Doz. Dr. Dirk Ziebolz verdeutlichte in seinem Vortrag die Bedeutung dieser Studie für die zahnärztliche Implantologie: „Es ist mir keine Multizenterstudie bekannt, die in diesem Umfang gemeinsam mit einer Universität Daten erhoben hat. Wir wollen mit dieser Studie zeigen, dass wir durch Prävention eine sehr niedrige Prävalenz periimplantärer Erkrankungen erreichen, und wollen herausfinden, ob ein Prophylaxekonzept dem anderen überlegen ist.“

Die lebhafte und fachlich anspruchsvolle Abschlussdiskussion verdeutlichte in besonderem Maße das große Interesse der Dentalhygienikerinnen an der Entwicklung praxistauglicher Konzepte für die Gesunderhaltung der periimplantären Gewebe.

Arbeitsgruppe gesundes Implantat stellt Informationen bereit

Unter www.gesundes-implantat.de/forschung/studienzentren sind alle Dental-hygienikerinnen und Zahnarztpraxen, die Daten für die Studie zur Prophylaxe periimplantärer Erkrankungen erheben, aufgeführt. Außerdem werden hier in regelmäßigen Abständen aktuelle Informationen zu Durchführung und Ergebnissen dieser bislang einmaligen Studie zu finden sein. Die Arbeitsgruppe gesundes Implantat, ein Projekt des Aktionsbündnisses gegen Periimplantitis, koordiniert die Öffentlichkeitsarbeit für die Studie. „Diese neue Studie ist dringend notwendig und wir sind schon sehr gespannt auf die ersten Ergebnisse“, erklärt Jan-Philipp Schmidt, Initiator der Arbeitsgruppe.

Studienablauf

Ziel der praxisbasierten, auf mindestens drei Jahre angelegten Multizenterstudie zur Prophylaxe periimplantärer Erkrankungen ist die Bestimmung der Effektivität verschiedener Prophylaxemaßnahmen während der professionellen Zahnreinigung auf die Entstehung und Prävalenz von periimplantären Erkrankungen. Dafür soll die Wirksamkeit der am natürlichen Zahnhalteapparat nachgewiesenen Prophylaxemaßnahmen (Handinstrumente, Ultraschall, Luftpulverwasserstrahl) für die periimplantären Gewebe überprüft werden.

Die etwa 200 Probanden werden in vier Gruppen mit vier verschiedenen Präventionskonzepten eingeteilt. Mit der Freilegung der Implantate bzw. zwei Wochen nach Eingliederung der Suprakonstruktion beginnt die Untersuchung. Die entsprechenden Prophylaxemaßnahmen werden mindestens alle vier Monate von Dentalhygienikerinnen in der zahnärztlichen Praxis durchgeführt. Alle Patienten erhalten für die häusliche Mundpflege die gleichen Instruktionen und Produkte. Der Gesundheitszustand des periimplantären Gewebes wird in den teilnehmenden Zahnarztpraxen über verschiedene klinische und mikrobiologische Untersuchungen diagnostiziert. Erste Zwischenergebnisse werden voraussichtlich im September 2014 präsentiert.

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