Anzeige
Branchenmeldungen 17.06.2019

AAO 2019 bot facettenreichen und aktuellen Überblick

AAO 2019 bot facettenreichen und aktuellen Überblick

Jedes Frühjahr nehmen Kieferorthopäden aus aller Welt teils lange Anreisen in Kauf, um sich im Rahmen der Annual Session der American Association of Orthodontists über die Neuheiten der Branche zu informieren. So auch in diesem Jahr. Tausende Vertreter des Fachbereichs reisten Anfang Mai in die kalifornische Metropole Los Angeles, um sich von ihren internationalen Kollegen aus Klinik und Forschung den Status quo der Kieferorthopädie vermitteln zu lassen.

Ins Zentrum der amerikanischen Film- und Fernsehbranche lud die American Association of Orthodontists (AAO) zu ihrer 2019er-Jahrestagung. Trotz Postkartenwetter und der verlockenden Aussicht auf sonnige Stunden am nahegelegenen Strand strömten rund 16.000 Kieferorthopäden, Assistenten und Praxisteams ins Los Angeles Convention Center, das direkt neben dem berühmten Staples Center (u. a. Heimstätte der LA Lakers und LA Kings) gelegen ist. Vorträge, Workshops, Seminare und eine umfangreiche Industrieausstellung gaben dabei in nur fünf Tagen einen umfassenden Überblick über den aktuellen Stand der Kieferorthopädie.

Wissenschaftliches Vortragsprogramm

Wenn die Großen der Branche sich die Ehre geben, um einen kleinen Einblick in ihre beeindruckende Arbeit zu gewähren, fällt es natürlich schwer, eine Auswahl zu treffen. Hinzu kommt das enge Korsett dieses Kongressnachberichts, das lediglich die Erwähnung einer Handvoll Vorträge zulässt.

Der Belgier Dr. Hugo De Clerck präsentierte z. B. mit der diesjährigen Jacob A. Salzmann Award Lecture einen tollen Übersichtsvortrag zur skelettalen Verankerung mit Miniplatten. Von den Anfängen, über die Indikationen bis hin zur Biomechanik oder der Bewertung möglicher Behandlungsergebnisse – Miniplatten erweisen sich in vielen Klasse II-Orthodontie-, Klasse III-Orthopädie- sowie komplizierten kombiniert kieferorthopädisch-kieferchirurgischen Fällen als ein geeignetes Behandlungsmittel. Das stellte De Clerck eindrucksvoll anhand klinischer Fallbeispiele sowie aktueller Studien heraus.

Welche Schlüsselfaktoren bei der Korrektur von Klasse II-Malokklusionen zu beachten sind, vermittelte Prof. Dr. Jae Hyun Park. Dabei ging er zunächst auf übliche Therapiemethoden (Pendulum, Herbst – vergleichbare Ergebnisse) ein und verglich anschließend die Behandlungseffekte der Total Arch Distalisation bei Einsatz bukkal inserierter Minischrauben versus modifizierter C-Palatal Plate (MCPP). Während mithilfe bukkaler Pins Distalisationen von 2 bis 2,5 mm realisierbar sind (bei mehr als 2,5 mm müssen die Minischrauben neu positioniert werden), können mittels modifizierter C-Palatal Plate mehr als 3 mm Distalisation (moderate bis schwere Engstand-Fälle) umgesetzt werden. Zudem ist mit der modifizierten Gaumenplatte eine (besser kontrollierbare) körperliche Bewegung und Intrusion realisierbar, ohne unerwünschte Nebeneffekte wie Kippung und Extrusion. Darüber hinaus stellte Park die Ergebnisse einer aktuellen Studie vor, die die Lageveränderung nicht eruptierter dritter Molaren bei Distalisation des kompletten oberen Zahnbogens bei Jugendlichen untersuchte. Diese ließ die dritten Molaren nach hinten (um 1,2 mm) und oben (um 0,5 mm) bewegen, während sie sich in der Kontrollgruppe nach vorn und unten bewegten. Die Distalisation kann daher ohne Germektomie erfolgen.

Ein weltweites digitales Netzwerk aus Klinikern und Behandlungsdaten (www.orthoscience.com), welches Kieferorthopäden als Plattform zum Austausch von Erfahrungen nutzen können, stellte Dr. Sean K. Carlson vor. Dieses (Polaris-)basiert auf der dreidimensionalen Bildgebung (DVT) und soll Behandler anhand verfügbarer Fallbeispiele ihrer international agierenden Kollegen u. a. bei der Erstellung von Therapieplänen unterstützen und dabei helfen, voneinander zu lernen. Auf sogenannten CaseCards sind beispielsweise gesammelte, detaillierte 3D-Behandlungsdaten zu Fällen hinterlegt, die mit verschiedensten Apparaturen und Techniken behandelt wurden. Es gibt Suchfunktionen, die den Kieferorthopäden in der Datenbank nach vergleichbaren Fällen recherchieren lassen können, man kann an Gruppendiskussionen teilnehmen usw. Sicherlich ein interessantes Modell, was trotz Einsatz von Passwörtern etc. jedoch sogleich die Frage nach dem Schutz der Patientendaten aufkommen lässt. Zudem wäre interessant, zu erfahren, wie genau die Kostenmodelle für den Zugriff auf diese Plattform für den Nutzer aussehen.

Alles, was Kieferorthopäden heutzutage über den 3D-Druck wissen müssen, vermittelte Dr. Christian Groth in einem überaus informativen Vortrag. Der Inhaber von vier KFO-Praxen sowie einem auf 3D-Druck spezialisierten Labor präsentierte zunächst die Grundlagen und stellte die verschiedenen Druckverfahren mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen vor – vom Fused Deposition Modelling (FDM) über Stereolithografie (SLA), SLA-Varianten, Digital Light Processing (DLP), modifizierten DLP-Geräten bis hin zum Polyjet Printing. Dann ging er auf Faktoren ein, die die Druckgeschwindigkeit beeinflussen (z. B. Modellhöhe, Platzierung auf Druckplattform) und verglich neun verschiedene Geräte unterschiedlicher Drucktechnologie (EnvisionOne, DentalForm, SprintRay Pro, Juell, Vida, Eden, MoonRay, Photon, Form2) hinsichtlich Druckzeit bei zehn gleichen Modellen. Während die vier erstgenannten vergleichbar schnell arbeiteten (39 bis 48 Minuten), benötigte das Modell Vida 1 Std., 29 Min. Eden, MoonRay und Photon lagen nahezu gleich auf (2 Std., 21 Min. bis 2 Std., 40 Min.). Am längsten brauchte der Form2-Drucker mit 3 Std., 43 Min. Was die Einsatzbereiche von 3D-Druckern angeht, verwendet Groth diese zur Erstellung von Modellen, Klebetrays oder Splints. Dabei kommen verschiedene Resins (Open Source Resins, Mashine Specific Resins) mit teils stark variierenden Kosten zur Anwendung. So kann der Druck eines einzelnen Modells (14 ml Resin) laut Groth zwischen 0,78 US-Dollar (AnyCubic) und 5,15 US-Dollar (EnvisionTec) liegen. Die Anschaffungskosten (z. B. Form 23.499,– US-Dollar; EnvisionOne 15.850,– US-Dollar; Structo DentaForm 29.999,– US-Dollar) eines Druckers hängen von verschiedenen Faktoren (z. B. technischer Support) ab und sollten beim Kauf Berücksichtigung finden. Zudem müssen die räumlichen Voraussetzungen (extra Raum, staubfrei, mit Belüftung, isoliert von Bewegungen und Vibrationen etc.) sowie die Notwendigkeit der Nachbearbeitung von 3D-Drucken (inkl. entsprechender Materialien) bedacht werden.

Dem Thema „Digital Smile and Face Design“ widmete sich Dr. Dan Grauer. Anhand diverser Fallbeispiele erläuterte dieser die dreidimensionale Gesichtsdiagnostik und erstellte dabei eine Art Koordinatensystem zur routinierten Umsetzung eines die Gesichtsästhetik sowie die Ästhetik des Lächelns berücksichtigenden Set-ups. Dabei ging Grauer u. a. auf die vertikale Positionierung oberer Schneidezähne im Zusammenhang mit dem Smile Design ein, analysierte verschiedene Gesichtskomponenten und deren Einfluss auf die Ästhetik und widmete sich der Ausrichtung der Okklusionsebene. Was es für die entsprechende Umsetzung in der Praxis braucht, listet Grauer wie folgt auf: digitaler Scanner, 3D-Imaging-Software (DVT Access), PowerPoint / Adobe Photoshop, indirektes Bonding-Set-up, Luftspritze, Lupen, Licht, Klebezubehör, gut ausgebildetes Personal. In jedem Fall sollten Kollegen mit einem einfachen Fall beginnen. Dies kann z. B. ein Klasse I-Fall (junger Erwachsener) mit Engstand sein.

Industrieausstellung

Multibandbehandlung

Mit INBRACE (Swift Health Systems Inc.) ist ein neues linguales Behandlungssystem verfügbar, welches grundsätzlich von der traditionellen Edgewise-Apparatur abweicht, auf der andere Lingualsysteme basieren. INBRACE definiert sich stattdessen über ein neues, absolut einfaches Bracketdesign sowie digital vollständig individualisierte, vorprogrammierte Bögen. Das System kommt ohne Gleitmechaniken aus und nutzt stattdessen friktionsfreie Mechaniken, um Zahnbewegungen mit leichten, kontinuierlichen Kräften zu realisieren. Die digitale Apparatur nutzt zwei Bracketdesigns (Standard und SL) mit null Prescription. Alle erforderlichen Werte sind in den vorprogrammierten, mit locking und interdental Loops versehenen Smartwire-Bögen (.14'' und .016'' NiTi) enthalten. Nach Übermittlung der Scan-STL-Daten wird ein Set-up erstellt, nach dessen Prüfung und Freigabe erhält man die Brackets, den IB-Tray und die programmierten Bögen. Aktuell ist INBRACE nur im US-Markt erhältlich, ein weltweites Vertriebsnetz wird gerade aufgebaut.

Als „Paradigmenwechsel in der KFO-Behandlung“ kündigte die Firma Mechanodontics™ ihre gleichnamige neue linguale Behandlungstechnik an. Diese besteht aus flexiblen NiTi-Armen, die jeden einzelnen Zahn mit einem starren Bogen verbinden, der die Apparatur stabilisiert. Die Dicke sowie das Design jedes einzelnen dieser NiTi-Arme wird dabei individualisiert umgesetzt, um die jeweils optimalen Kräfte und Momente für den jeweiligen Zahn zu realisieren. Zudem können TADs oder eine Nance-Apparatur integriert werden. Die klinischen Schritte sehen hierbei wie folgt aus: Upload der STL-Dateien des Intraoralscans auf die Unternehmenswebsite (alternativ können auch PVS-Abdrücke zur Digitalisierung eingesandt werden). Anschließend wird durch den Anbieter ein Set-up erstellt, welches zur Freigabe an den Behandler geht. Ist diese erfolgt, wird die individualisierte Behandlungsapparatur (IDB-Tray mit Brackets und Mechanodontics™-Bogen mit NiTi-Armen) an die Praxis verschickt. Aktuell kommen hierbei konventionell ligierbare Speed Lingualbrackets mit dem System zum Einsatz. Aus klinischer Sicht werden die Vorteile insofern herausgestellt, dass jeder Zahn sich unabhängig von anderen Zähnen bewegt. Die Kräfte können spezifiziert und Torque für jeden Zahn in jeglicher Richtung appliziert werden. Zudem arbeitet das System komplett reibungslos.

Einen neuen, mittels Lasertechnologie gefertigten Copper-NiTi-Bogen präsentierte Ormco. SMARTARCH™ verfügt über sieben verschiedene Kraftzonen, die so programmiert wurden, dass jeder einzelne Zahn das optimale Maß an Kraft erhält. Bereits mit dem ersten Bogen soll somit ein effizientes Alignment von Molaren möglich sein. Bei der Fertigung des ab Juni in Europa verfügbaren Bogens kommt ein patentierter, pulsierender Laser zum Einsatz, wodurch die Oberfläche so bearbeitet wird, dass eine Reduzierung der Friktion zwischen Bogen und Bracket erreicht wird. SMARTARCH™ verfügt zudem über eine höhere Steifigkeit im Seitenzahnbereich, sodass dem Herausgleiten des Bogens aus Bukkalröhrchen effektiv entgegengewirkt wird.

Henry Schein stellte eine neue Bogenserie für passive Metall- und Keramikbracketsysteme vor (z. B. Carriere® SLX 3D™). Die M-Series™ Bogenserie (Vertrieb DE u.a. über ODS oder World Class of Orthodontics) umfasst drei Sequenzen bei Einsatz von Metallbrackets: .015'' Cu™ Nitanium (M1), .020'' x .020'' Cu™ Nitanium 35° (M2) und .019'' x .025'' Beta Titanium (M3 BETA) sowie eine zusätzliche Bogendimension (.019'' x .025'' Cu Nitanium 35°, M2.5) für Keramikbrackets, welche vor Einsatz des M3 BETA empfohlen wird. Durch die Reduzierung der eingesetzten Bögen auf ein Minimum erforderlicher Sequenzen soll ein vereinfachtes Bogenverlaufsprotokoll realisiert werden. Darüber hinaus sind zwei weitere, optionale Bögen verfügbar, die z. B. bei ausgeprägten Rotationen (.018'' Cu Nitanium 27°, M1.5) oder zur Stabilisation im Vorfeld chirurgischer Eingriffe (.019'' x .025'' Edelstahl, M3 Stahl) eingesetzt werden können.

Unter der Marke „TITANAL™ XR“ ist bei Lancer Orthodontics ab sofort eine neue NiTi-Bogenserie erhältlich, die laut Anbieter über einen verbesserten Arbeitsbereich verfügt. Dieser resultiert in einer größeren Stabilität des Bogens sowie in einem über einen längeren Zeitraum konstanteren Kraftniveau. Insbesondere Biegungen 1. und 2. Ordnung lassen sich mit der Bogenneuheit gut realisieren, zudem kann der TITANAL™ XR als Utilitybogen eingesetzt werden. Lancer bietet den NiTi-Bogen in rund (.012'', 0.14'', .016'', .018'') und vierkant (.016'' x .016'', .016'' x .022'', .017'' x .022'', .0175'' x .0175'', .019'' x .025'', .0205'' x .0205'', .021'' x .025'') an, in Full Form und Modern Form sowie als Vierkantbogen Looped (.017'' x .025'', .019'' x .025'').

Gleiche Firma stellte zudem ein Orthodontic Treatment Kit entsprechend der Straight Forward Behandlungsphilosophie vor, welches sämtliche Materialien für einen Patientenfall enthält und somit den Lagerbestand in den Praxen reduzieren hilft. Das Kit besteht aus Optyc™ Keramikbrackets (3-3 OK) sowie Praxis™ Mini-Twin Metallbrackets mit gefrästem Slot, Behandlungsbögen (je 2 x NiTi, Thermal NiTi, Beta-Titanium sowie Edelstahl) sowie Ligaturen. Wer komplett mit Metallbrackets behandeln möchte, findet hierfür auch die entsprechenden 3-3 OK-Brackets in Metall.

Die YOAT Corporation mit Sitz in Lynnwood (USA) stellte eine Biegemaschine für fixe Retainer vor. Mit BENDER I können KFO-Praxen diese inhouse binnen weniger Minuten selber fertigen, ohne Kosten für Abdruck bzw. Gipsmodell, ohne zusätzlichen Patiententermin sowie mit geringerem Relapse-Risiko. Hierfür ist zunächst ein Intraoralscan erforderlich. Die STL-Daten werden in eine entsprechende Planungssoftware (FixR) übertragen, mit deren Hilfe durch wenige Klicks der Retainer digital designed wird. Der Designprozess soll für geübte Anwender weniger als eine Minute in Anspruch nehmen. Ist dieser abgeschlossen, wird der Biegeprozess ausgelöst. Vier Minuten pro Kiefer gibt YOAT hierbei als Fertigungszeit eines Retainers an. Die Kosten der in sieben verschiedenen Farben erhältlichen Biegemaschine wurden mit 35.000 US-Dollar zzgl. Tax (ohne Software) angegeben. In Europa soll diese Innovation in etwa drei Monaten verfügbar sein. Wie das Unternehmen angibt, wird die Software ständig aktualisiert, sodass künftig auch andere Bogenarten unterschiedlicher Dimensionen ergänzt werden. In Planung ist bereits die nächste Generation der Biegemaschine, welche dann in der Lage sein wird, kieferorthopädische Behandlungsbögen zu biegen.

Ormco hat den Vertrieb des MEMOTAIN® (CA DIGITAL) in den USA und Europa übernommen. Der digital im CAD/CAM-Verfahren gefertigte Retainer aus Nitinol® ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz nach wie vor direkt über CA DIGITAL erhältlich.

Eine Micro CNC-Bogen-Biegemaschine, welche in der Lage ist, zwei- und dreidimensionale Bogenformen in einem Bereich von 0,1 bis 1,5 mm zu realisieren, konnte am Stand von Advanced Orthodontic Solutions (AOS™) kennengelernt werden. Für das einfache Design von Bögen kommt die JawDraw®-Software zum Einsatz. Mithilfe der SmartEditor®-Software können hingegen verschiedenste (anspruchsvollere) Formen durch Eingabe der Bogenlänge und erforderlichen Winkel programmiert werden. Die Maschine kann im Augenblick Stahlbögen (rund oder vierkant) verarbeiten, die Verarbeitung von NiTi-Bögen wird dann künftig möglich sein. Der Preis für das Gerät beträgt ca. 100.000 US-Dollar, für die Software ist eine jährliche Gebühr zu zahlen.

Alignerbehandlung

Mit 3M™ Clarity™ Aligners stellte die Firma 3M ihr neues webbasiertes Schienensystem vor. Dieses basiert auf dem offenen 3M™ Oral Care Portal, einer Software-Plattform, die es dem Behandler ermöglicht, seine Alignerbehandlung zu jeder Zeit und von jedem Ort aus zu planen. Die Software umfasst verschiedenste Tools, die ihm bei der Planung und Patientenberatung unterstützen. So kann der Kieferorthopäde z. B. zwischendurch Scans (Progress Scans) hochladen, die mit der geplanten Behandlung überlagern und somit konkrete Aussagen hinsichtlich Behandlungsfortschritt sowie Patientenmitarbeit treffen. Das aktuell nur im amerikanischen Markt verfügbare Alignersystem wurde so konzipiert, dass Praxen zu jeder Zeit die Kontrolle über die Planung und Bestellung der Apparatur sowie den Verlauf der Behandlung haben. Zudem muss kein bestimmter Intraoralscanner zur Anwendung kommen.

Den Workflow des SureSmile® Ortho Systems konnten Messebesucher am Stand von Dentsply Sirona erleben. Hierbei handelt es sich um ein Tool zur digitalen Behandlungsplanung. Die cloud-basierte Softwarelösung bietet vielfältige Optionen in nur einer Plattform: aufgrund modernster diagnostischer CAD-Tools kann sie zur Beurteilung komplizierter Fälle jeder Art (Advanced Orthodontics) eingesetzt werden und auch zusammen mit der Designsoftware für Aligner (SureSmile® Aligners oder Do-it-yourself-Aligner) oder zur Realisierung indirekter Klebetrays. Dabei gestattet die Software jederzeit einen vollständigen Blick auf den Patienten. 2D- und 3D-Daten können miteinander gematcht werden, was ein hilfreiches Tool für die Patientenberatung darstellt. Je nach Praxisausstattung und Patientenfall entscheidet der Behandler, welchen Anteil der digitalen Prozesskette er übernimmt (z. B. 3D-Druck der Modelle, Tiefziehen der Aligner) bzw. über Dentsply Sirona realisieren lässt. Darüber hinaus wurde der neue Intraoralscanner Primescan gezeigt, welcher bis zu einer Million 3D-Bildpunkte pro Sekunde erfassen kann. Mit dem Gerät ist es möglich, auch tiefere Bereiche (bis zu 20 mm) zu scannen. Beeindruckend ist zudem dessen Schnelligkeit und Genauigkeit.

Skelettale Verankerung

Für das Einbringen kieferorthopädischer Minischrauben am Gaumen bietet FORESTADENT in Kürze eine Insertionsschablone an. Die Accuguide Insertionsschablone kann über ein entsprechendes Portal vom Behandler in Auftrag gegeben werden. Hierfür übermittelt der Kieferorthopäde die STL-Daten des Intraoralscans samt Röntgenbilder des Patienten, woraufhin die Erstellung eines Positionsvorschlags erfolgt. Nach Prüfung mittels 3D-Viewer (keine Software erforderlich) und erteilter Freigabe werden das Arbeitsmodell sowie die Insertionsschablone dreidimensional gedruckt und an die Praxis versandt. Sobald das Labor die geplante Apparatur gefertigt hat, kann der Kieferorthopäde mithilfe der Schablone die Pins (OrthoEasy®) präzise palatinal inserieren.

Dentaurum bietet demnächst eine Neuheit für die skelettal verankerten GNE-Apparaturen an. Zwei oder vier kleine Ösen (tomas®-RPE eyelet) werden an eine hyrax®-Schraube angeschweißt. Die Fixierung der Apparatur am Gaumen erfolgt mit zwei oder vier tomas®-pin EP direkt durch die Ösen. Dies ermöglicht mehr Freiheiten bei der palatinalen Positionierung der Miniimplantate, als dies bei GNE-Schrauben mit festen Ösen der Fall ist.

Weitere Neuheiten

Über Myofunctional Research Co. ist eine neue aktive intraorale myofunktionale Apparatur zur gleichzeitigen Stärkung der Zungen-, Lippen-, Kiefer- sowie Rachenmuskulatur beziehbar. Myotalea® (Tongue And Lip Exercise Appliance) wird über Nacht getragen (z. B. als Ergänzung einer Myobrace®-Therapie) und in zwei Gerätevarianten angeboten. Myotalea® TLJ (Tongue, Lip and Jaw) kann bei schlafbezogenen Atemstörungen, Kiefergelenk-Dysfunktionen sowie bei Patienten mit schwacher Muskelspannung in Zunge, Lippen, Kiefer, Rachen oder im Bereich der Atemwege eingesetzt werden. TLP (Tongue and Lip Press) hingegen stellt eine einfachere Alternative zur Myotalea® TLJ Apparatur dar, die (außer bei KG-Dysfunktionen!) bei genannten Indikationen angewandt werden kann.

Die Plaqueanlagerungen anfärbende Plaque HD™ Zahncreme (Fa. Plaque HD, DE-Vertrieb über ODS), welche insbesondere bei Bracketpatienten zu einer gründlichen Mundhygiene beiträgt, wurde um eine weitere Variante ergänzt. Die neue Plaque HD™ Extra Whitening nutzt ebenfalls die Zahnbeläge erkennende TARGETOL®-Technologie und bietet darüber hinaus einen zahnaufhellenden Effekt. Des Weiteren sind ab sofort feuchtigkeitsspendende Mundsprays (Plaque HD™ Refresh) erhältlich, die zur Stärkung und Remineralisierung des Zahnschmelzes beitragen. Sie sind in den Geschmacksrichtungen Fresh Mint, Pink Lemonade sowie Watermelon Key Lime beziehbar.

Der nächste AAO-Kongress findet vom 1. bis 4. Mai 2020 in Atlanta, Georgia/USA, statt.

Dieser Beitrag ist in KN Kieferorthopädie Nachrichten erschienen.

Fotos: OEMUS MEDIA AG

Mehr News aus Branchenmeldungen

ePaper

Anzeige