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Branchenmeldungen 19.01.2016

Dental Arctic Tour 2016: Sonne und Erde geben dem Norden Licht

Dental Arctic Tour 2016: Sonne und Erde geben dem Norden Licht

Je weiter man Richtung Nordkap gelangt, umso kürzer werden die Tage. Sonnenaufgang erst nach 10 Uhr und dann noch lange Dämmerlicht. Mittags ist die Sonne gerade mal kurz über dem Horizont zu sehen, gegen 13.30 Uhr ist es schon wieder stockdunkel. Man kann in der endlosen Weite unter diesen Bedingungen die Orientierung in Zeit und Raum verlieren. Welcher Tag ist heute eigentlich? Wo waren wir denn gestern? Oder war das schon vorgestern?

Nach einem langen Tag on the road, dem Abendessen mit landestypischen Spezialitäten und den täglichen Weiterbildungsvorträgen habe ich mit meinem Sohn Maximilian kurz vor Mitternacht nochmals den Ort verlassen. Hier ist es durch die Beleuchtung für Himmelsbeobachtungen einfach zu hell. Die Chance, in der Stille der Nacht das legendäre Nordlicht zu sehen, vertreibt die Müdigkeit. Irgendwo nördlich von Honningsvag, etwa 30 km südlich vom Nordkap, halten wir am Rande einer Bucht.

Wir parken am Ufer und sehen erste Lichtschleier am sternenklaren Himmel. Schnell bauen wir das Fotostativ auf. Oh, ist das kalt! Wir machen Belichtungsproben. Schnell kriecht die eisige Kälte von etwa minus 40 Grad durch die Hosenbeine und Schuhe. Die Finger lassen sich ohne die schützenden Handschuhe kaum bewegen und schmerzen schon. Dann schieben sich wie von Geisterhand die Wolken auseinander und das magische Spiel am Polarhimmel beginnt.

Wir scheinen den Sternen ganz nahe. Sie funkeln viel intensiver als zu Hause. Millionen von Diamanten auf schwarzem Samt, durchzogen von feinen grünen Schleiern, wie Tücher aus feinster chinesischer Seide. Ein unendlich funkelndes Farbenspiel, das alles übertrifft, was man sich erträumen kann. Das Spiel der Farben wird intensiver – wir sind gerührt, umarmen uns vor Freude und sind dankbar, dass wir das erleben dürfen. Wir fühlen uns wie Glückspilze, die Kälte und Strapazen der letzten Tage sind vergessen. Tiefe Zufriedenheit macht sich breit. Wir merken gar nicht, dass wir schon eineinhalb Stunden draußen sind. Es ist so still, dass man plötzlich die körpereigenen Geräusche wie Atmung, Puls oder Tinnitus wahrnimmt.

Was hat es mit dem Polarlicht auf sich?

Im 18. Jahrhundert war man der Auffassung, dass es sich dabei um Lichtreflexe handle, und lehnte die verbreiteten Theorien, über Schwefeldämpfe von der Erde oder feuerspuckende Berge im hohen Norden, ab. Im Volksglauben sah man im Polarlicht ein theologisches Phänomen. Der norwegische Polarforscher Friedjof Nansen (1841–1930) hat seine Eindrücke und Erfahrungen zu Papier gebracht. Die wissenschaftlichen Fakten, die die Physiker nach und nach darlegen konnten, übertreffen noch die fantasievollsten Mythen der Vergangenheit.

Die unglaubliche Realität soll ihren Ursprung vor etwa 10 Milliarden Jahren haben, als sich eine gigantische Gas- und Staubwolke weit draußen im Weltraum verdichtete. Die auf diese Wolke einwirkenden Schwerkräfte führten dazu, dass sie sich zu einem immer kompakteren und energiegeladenen Himmelskörper zusammenzog. In deren Kern stieg die Temperatur immer weiter an, bis ein kernphysikalischer Prozess einsetzte. Die dabei entstehenden enormen Energiemengen erhitzen die Oberfläche derart, dass sie zu leuchten begann. Ein neuer Stern, unsere Sonne, war geboren.

Ein Großteil der Energie wird bis heute in Form von Licht und Wärme in den Weltraum abgegeben. Unsere Sonne schleudert aber auch große Mengen an Gasen aus, die zu elektrisch geladenen Atomen, den Ionen, umgewandelt werden. Diese Teilchen werden von heftigen Sonnenwinden in den Weltraum geschleudert, einige davon in Richtung unserer Erde. Das um die Erde befindliche Magnetfeld fängt die gefährliche Weltraumstrahlung ab und lenkt sie in die Polarregionen, wo das Magnetfeld Ovale um den magnetischen Nord- und Südpol bildet.

Mein Sohn und ich sind uns einig: „Gewiss ist kein Anblick zwischen Himmel und Erde gewaltiger und überwältigender in seiner Schönheit als der, den wir hier oben in voller Entfaltung sehen durften.“ Dieses Erlebnis hat unsere Vater-Sohn-Bindung emotional unübertrefflich verstärkt.

Am anderen Morgen:

Nach Tausenden Kilometern Fahrt ist für viele auf 71° 10' 21'' nördlicher Breite das Traumziel erreicht: Das Nordkap! Die letzten Kilometer sind wir als Konvoi von einem Schneepflug bis zu dem steil abfallenden und eindrucksvollen Felsmassiv auf 307 m NN geleitet worden. Zum Glück herrscht heute nicht, wie an den allermeisten Tagen im Jahr, dicker Nebel, sondern wir haben etwas Sonne und den uns mittlerweile bekannten eisigen Wind. So frösteln wir etwas, als wir die Autos verlassen und zum Aussichtspunkt gehen. Das Plateau ist von einer Eisschicht überzogen und man darf nicht gar zu hastig laufen. Wir positionieren uns gemeinsam, aber auch jeweils als Fahrerteam vor der Weltkugel. Irgendwie spürt man an diesem Ort die Größe unserer manchmal sonst so kleinen Welt.

Zufrieden wieder im warmen Auto sitzend, bewegen wir uns nun Richtung Finnland. Gegen 13 Uhr bei tiefstehender Sonne im Konvoi gestartet, ist es bereits um 13.30 Uhr wieder dunkle Polarnacht. Der Temperaturanzeiger in unseren Wagen fällt im Laufe der weiteren Fahrt immer mehr ab, bis wir –45 °C erreichen. Unser Auto klingt inzwischen wie ein ferngesteuertes Elektrospielzeug und die Lenkung wird immer schwerfälliger. Michael, der sich mit Autos auskennt, ist etwas beunruhigt: „Wir werden doch kein Öl verlieren oder eine defekte Servolenkung haben?“ Wahrscheinlich sind die Öle, die wir in Deutschland verwenden, für diesen hohen Norden doch nicht ganz so geeignet. Dennoch haben wir keine Angst und fahren weiter den nächsten vorgegebenen Koordinaten entgegen, nicht genau wissend, was uns erwartet. Aber genau das macht ja den Kick dieser Reise aus.

In Finnland erkunden wir die Natur per Hundeschlitten. Ein faszinierendes Erlebnis, dass der Veranstalter Bob Grutters organisiert hat. Nach einer expliziten Sicherheitseinweisung erhält jedes Team einen Schlitten. Der Anker im vereisten Boden unter unseren Füßen knarzt. Die Leine zwischen den sechs Hunden zu unserem Schlitten steht unter Hochspannung. Wie lange können die Stahlhaken dieser unbändigen Zugkraft wohl noch standhalten? Sechs Schlittenhunde reißen an dieser Konstruktion, sie heulen und bellen. Als der Musher mit seinem Leithundegespann losfährt, spüren die anderen instinktiv, dass es losgeht. Ein heftiger Ruck – und der Schlitten schießt über den vereisten Boden. Ich habe Angst, das breite Tor der Anlage nicht ganz zu treffen, aber die Hunde kennen ihren Weg. Sie beschleunigen die insgesamt 200 Kilo schwere Last (2 x 75 kg Körpergewicht + Schlitten) von 0 auf 40 km/h in nur wenigen Sekunden. Nun geht es, zunächst auf Waldwegen, weiter in die finnische Einsamkeit. Wir überqueren Flüsse und Seen. Für uns Ungeübte sind die Abfahrten am spannendsten. Hier bremsen die Hunde nicht ab, sondern beschleunigen sogar noch etwas. Aber alle haben durch die gute Einweisung und Tipps des erfahrenen Mushers die Aufgaben ohne Probleme geschafft und wir treffen uns an einer einsamen Hütte, in welcher am Lagerfeuer Kaffee und Rentiersteaks zubereitet werden. Nach dieser Stärkung geht es wieder zurück zu unserem Hotel, wo die nächste Weiterbildung auf uns wartet.

Diese Weiterbildung ist dem Thema der implantologischen Versorgung unter schwierigen Bedingungen, insbesondere bei schräg atrophiertem Kieferkamm ohne augmentative Maßnahmen, gewidmet. Bereits seit 2011 werden neuartige Implantatformen einer schwedischen Firma mit abgeschrägtem Querschnitt im Ellen Institute klinischen Tests und einer Beobachtungsstudie unterzogen. Dies gilt auch für deren prothetische Versorgung, die seit der Einführung von CAD/CAM-Verfahren immer sicherer für den Patienten wird. Neben der rein fachlichen, zahnmedizinisch-implantologischen Weiterbildung werden uns heute auch von Michael Clement einige Hinweise zur betriebswirtschaftlichen Planung und sinnvollen Vorgehensweise im Umgang mit unseren Patienten vermittelt. Schließlich geht es uns ja darum, das Vertrauen der Patienten zu erlangen und dann die in uns gesetzten Erwartungen bestmöglich zu erfüllen.

Durch die extremen äußeren Bedingungen, denen die Kursteilnehmer ausgesetzt sind, sind deren Sinne scheinbar mehr geschärft als zu Hause, und es kommt neben der großen Aufmerksamkeit für den Vortragenden zu regen Diskussionen der behandelten Themen und Problematiken. Solche Weiterbildungen bereichern jeden Einzelnen, denn jeder lässt seine eigenen Erfahrungen auf den unterschiedlichsten Gebieten einfließen, die neuen Input für die eigene Praxis oder Klinik geben.

Immer mehr wächst diese Gruppe zu einer wunderbaren Gemeinschaft zusammen.

mehr Informationen unter dentalarctic.de

Foto: © BoB/Frank Liebaug
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