Branchenmeldungen 26.02.2021
Die Digitalisierung der Dentalbranche schreitet voran
Die Digitalisierung hat die Dentalbranche bereits nachhaltig verändert. Denn obwohl bei vielen Ärzten nach wie vor große Skepsis und Vorbehalte bestehen, gelten zahlreiche Neuerungen, die die Digitalisierung in doch noch relativ junger Vergangenheit mit sich brachte, schon heute als unverzichtbarer Standard. Und auch in den kommenden Jahren wird sich so einiges ändern (und bessern).
Was ist Digitalisierung und wozu dient sie?
Im engsten und ursprünglichen Sinne bedeutet Digitalisierung die Umwandlung von analogen Inhalten und Prozessen in ihre digitalen Äquivalente – so wie es etwa beim Scannen eines Dokuments der Fall ist. Meist ist mit dem Begriff der Digitalisierung jedoch die digitale Transformation unserer Gesellschaft gemeint, die sowohl unsere private als auch professionelle Lebenswelt betrifft.
Treiber und Grundlage der sogenannten digitalen Transformation sind neue Informations- und Kommunikationstechnologien in Form von vernetzter Hardware und Software, die es uns ermöglichen, Daten über örtliche und zeitliche Distanzen hinweg möglichst effizient zu übertragen und zu verarbeiten. Beispiele dafür sind etwa mobile Apps, Tablets, kabellose Übertragungs- und Kommunikationsnetze, aber auch digitale medizinische Geräte. Durch all dies werden Tätigkeitsabläufe vereinfacht und beschleunigt. Ressourcen wie Zeit, Personal und Geld werden eingespart – Ressourcen, die in der Dentalbranche etwa zur Verbesserung des Kundenservices und zur Qualitätssicherung der Gesundheitsversorgung genutzt werden können.
Für Patienten bringen digitale eHealth-Angebote zahlreiche Vorteile
Der Patient gewinnt durch eHealth-Angebote wie beispielsweise die elektronische Gesundheitskarte (eGK) eine stärkere Stellung, mehr Rechte sowie zusätzliche Möglichkeiten, selbst an der persönlichen Gesundheitsversorgung mitzuwirken. Bislang enthielt die eGK lediglich personenbezogene Informationen wie Name, Geburtsort, Adresse und Versicherungsdaten. Die Funktionen der elektronischen Gesundheitskarte sollen jedoch mit Beginn 2021 schrittweise erweitert werden.
Patienten wird etwa die Möglichkeit geben, auf freiwilliger Basis eine elektronische Patientenakte (ePA) samt eMedikationsplan und Notfalldaten anzulegen. Die ePA wird eine Sammlung von Daten über Befunde, Diagnosen, Impfungen, Therapien und Behandlungsberichte darstellen. Der eMedikationsplan wird zudem Informationen über ehemals und aktuell verabreichte Medikamente, Dosierungen und Unverträglichkeiten enthalten. Und ab 2022 soll übrigens auch das Zahn-Bonusheft Teil der elektronischen Patientenakte werden.
Die Vernetzung verschiedener Gesundheitseinrichtung (wie eben durch die eGK und die ePA) ist ein wichtiger Schritt zu einer allgemein besseren Gesundheitsversorgung. Schließlich gewinnen Ärzte, Psychotherapeuten, Apotheken und Co durch einen effizienten Informationsaustausch zu richtigen Zeitpunkten jene Erkenntnisse, die Fehldiagnosen und Fehlbehandlungen etc. vorbeugen können.
Ein weiterer Vorteil für die Patienten liegt in der Transparenz. Während die persönlichen Patientenakten früher nur in den Arztpraxen eingesehen werden konnten, wird dies nun auch via Smartphone und Tablet möglich sein – auf diese Weise behalten Patienten einen soliden Überblick über ihre gesundheitliche bzw. medizinische Vorgeschichte.
Der Trend zum Einsatz von Apps zeigt sich überall: Beispielsweise sollen auch elektronische Rezepte künftig in einer speziell dafür vorgesehenen App hinterlegt und per Smartphone in der Apotheke vorgezeigt werden können. Auch die Versicherungsbranche setzt auf mobile Anwendungen. Versicherte einiger Anbieter können bereits jetzt etwa die abgedeckten Leistungen und den Status ihrer Zahnzusatzversicherung via App überprüfen. Und selbst elektrische Zahnbürsten werden mittlerweile mit zugehöriger App ausgeliefert, die den Anwendern bei der Zahn- und Mundhygiene Optimierungspotential aufzeigen soll.
Den Sprung in die digitale Sphäre hat die Versicherungsbranche ohnehin längst geschafft – so informieren spezialisierte Portale wie Clark über verschiedene Angebote und Möglichkeiten zur individuellen Absicherung. Aufgrund unzähliger verschiedener Policen und Kombinationsmöglichkeiten kann das schnell schwer zu überblicken sein und eine Überversicherung kann die Folge sein. Mit ausführlichen Informationen zum jeweiligen Thema wie etwa kieferorthopädischen Versicherungen kann man das vermeiden. Dank digitaler Informationsquellen wird man schnell fündig und kann die richtige Entscheidung treffen Hier erleichtert die Digitalisierung den Alltag für Verbraucher enorm und führt sogar zu direkten Ersparnissen. Die Fülle und Ausführlichkeit der im Web verfügbaren Informationen führt dazu, dass Privatpersonen sowohl als Patienten als auch als Verbraucher wesentlich besser informiert sind, als das zuvor möglich war.
Digitale Verwaltungssysteme reduzieren den administrativen Aufwand im Praxisalltag
Schon der erste Kontakt zwischen Patienten und Praxen ist heutzutage in vielen Fällen digital. Patienten können über das Internet jederzeit die Leistungen und Bewertungen von Zahnarztpraxen vergleichen. Freie Terminslots werden online gebucht. Die digitalen Verwaltungssysteme speichern die Termine in einer Datenbank und verschicken automatisch Erinnerungsnachrichten – Ordinationszeiten spielen dabei keine Rolle mehr.
Auch der Patientenempfang in der Praxis gestaltet sich dank digitaler Systeme effizienter. Der Patient steckt seine elektronische Gesundheitskarte in das Kartenlesegerät – die eGK enthält alle notwendigen Versicherungsdaten, die vor Behandlungsbeginn erhoben werden müssen.
Anschließende Anamnesen können mittlerweile per Tablet und App durchgeführt werden. Die Daten werden automatisch weitergeleitet und können, ohne abgetippt werden zu müssen, direkt mit den bestehenden Patienteninformationen abgeglichen und verwaltet werden.
Darüber hinaus unterstützten digitale Strukturen das Verwaltungssystem bei zahlreichen weiteren Abläufen, wie etwa der Buchhaltung, der Online-Abrechnung mit der Kassenärztlichen Vereinigung sowie auch der Kommunikation mit Kollegen innerhalb der eigenen Praxis.
Die Digitalisierung erleichtert die Planung und Durchführung von zahnärztlichen Kontrollen und Behandlungen
Mit der fortschreitenden Digitalisierung entwickeln sich auch die Technologien und Methoden ständig fort, die wir zur Planung und Durchführung von Behandlungsmaßnahmen einsetzen. Dies bedeutet für die Patienten eine kontinuierliche Verbesserung der zahnärztlichen Gesundheitsversorgung.
Intraorale 3-D-Scanner liefern etwa deutlich präzisere Abbilder von Kiefern und Zähnen als es plastische Abdrücke je konnten. Das Resultat: exakt passende Zahnimplantate, Kronen und Brücken. Auch gewährleisten dreidimensionale Bilder und entsprechende Bearbeitungssoftware eine bessere Planbarkeit für operative Eingriffe.
Ein weiteres Beispiel ist das digitale Röntgen, durch welches die Strahlenbelastung für die Patienten enorm reduziert werden konnte, bei gleichzeitig schärferen Bildern und einer geringeren Wahrscheinlichkeit, dass der Röntgen-Vorgang wiederholt werden muss.
Die Digitalisierung ist allerdings auch eine Herausforderung
Trotz aller (und meist bekannter) Vorteile zeigen Umfragen, dass rund 40% aller Ärzte negativ gegenüber der Digitalisierung im Gesundheitsbereich eingestellt ist. Dies liegt unter anderem daran, dass die die Digitalisierung in der Praxis oft einen langwierigen wie auch kostspieligen Prozess darstellt.
Denn die Anschaffung von neuen Geräten und Softwares ist im Digitalisierungsprozess nur der erste Schritt. Ärzte und Personal müssen etwa im Umgang mit den digitalen Systemen geschult werden, bevor diese zu einer Optimierung ihres Workflows beitragen können – und dies bedingt oft viel Zeit und Geduld.
Zudem befürchten einige Praxisinhaber, dass geschlossene Praxisverwaltungssysteme mit modularem Aufbau zu einer Art Abhängigkeit vom jeweiligen Anbieter führen, sodass kostenpflichtige Updates und Erweiterungsmodule unumgänglich werden könnten.
Und herausfordernd sind nicht zuletzt auch all die Sicherheitsvorkehrungen, die getroffen werden müssen, um sensible, personenbezogene Daten, wie beispielsweise Patientenakten es sind, vor dem Zugriff unberechtigter Dritter zu schützen.
Fazit – mehr Notwendigkeit als Übel
Die Digitalisierung ist zweifelsohne eine gravierende Veränderung. Ihr zu entfliehen ist aber dennoch keine Option. Wer sich mit den gebotenen Möglichkeiten und Chancen der Digitalisierung ausreichend befasst und eine solide Strategie für den eigenen Digitalisierungsprozess erstellt, wird trotz aller Herausforderungen schlussendlich davon profitieren. Denn die abzusehenden Vorteile und Verbesserungen überwiegen die Unannehmlichkeiten des Digitalisierungsprozess doch gewaltig – und schließlich geht es bei der digitalen Transformation der Dentalbranche nicht nur um Wirtschaftlichkeit, sondern sehr wohl auch um die Gesundheit und das Wohlergehen der Patienten.