Branchenmeldungen 02.12.2025
Die Gipfel-Stürmerin – Zwischen Tradition, Digitalisierung und eigener Handschrift
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Friederike, was sind deine ersten Erinnerungen an die Zahntechnik?
Da fällt mir sofort der Geruch dieser gelben Dentalknete mit Zitronenduft ein. Mein Bruder und ich haben damit stundenlang im Labor gespielt und verrückte Skulpturen modelliert – mit einem Wachsmesser, das eigentlich für ganz andere Zwecke gedacht war. Und ich erinnere mich an die Eistruhe in der Kantine. Da gab es immer ein Eis, wenn wir unsere Eltern besucht haben. Diese kleinen Dinge sind geblieben: der Geruch, die Geräusche, die Faszination.
Wann dachtest du: „Das will ich auch machen“?
Es war ein Prozess. Ich habe mich lange nicht festlegen können und war in der Schulzeit vor allem mit dem Abitur beschäftigt. Als es dann ernst wurde, habe ich mir einen Stichtag gesetzt, bis zu dem ich mich entscheiden wollte. An diesem Tag war plötzlich alles klar: Ich werde Zahntechnikerin. Und der Rest ist Geschichte.
Dein Nachname ist in der Dentalbranche bekannt. Was überwiegt für dich im Alltag: die Inspiration, die du daraus ziehst, oder der Druck, den Erwartungen gerecht zu werden?
Ganz klar die Inspiration. Ich habe das große Glück, dass von meiner Familie nie Druck ausgeübt wurde, in ihre Fußstapfen zu treten. Ich darf meinen eigenen Weg gehen und selbst entscheiden, wohin er führt – dafür bin ich sehr dankbar.
Du hast gerade erfolgreich die Meisterschule in Hamburg absolviert. Warum nicht direkt zu Hause in Berlin?
Ich habe 2018 meine Ausbildung in Berlin begonnen und war seitdem in unserem Labor. Nach sechs Jahren war es Zeit, das „sichere Nest“ zu verlassen und eine andere zahntechnische Welt kennenzulernen. Das Jahr in Hamburg war eine echte Bereicherung: Durch meine Meisterschulkollegen habe ich viele unterschiedliche Laborkonzepte und Werdegänge kennengelernt. Auch die Unterschiede zwischen den Handwerkskammern – in Ausbildung und Meisterprüfung – fand ich spannend. Und natürlich hat mich der hanseatische Charme von Stadt und Menschen total für sich gewonnen.
Die Zahntechnik wird immer digitaler. Wie siehst du diese Entwicklung und wie blickst du auf deine Zukunft im Dentallabor?
Ich sehe die Zukunft sehr vielfältig. Von nahezu vollautomatisierten Druckprozessen bis zur digitalen Zahnfarbbestimmung – die Grenzen verschieben sich ständig. Gleichzeitig entsteht dadurch Entlastung für uns Zahntechniker, weil wir uns mehr auf die kreativen Tätigkeiten konzentrieren können, die wirklich Freude machen. Ich glaube, dass die neue Generation ohnehin viel digitalaffiner ist. Wer als Handwerksbetrieb attraktiv bleiben möchte, kommt an der Digitalisierung nicht vorbei, aber sie eröffnet viele Chancen für bessere Arbeitsbedingungen und eine echte Work-Life-Balance.
Im Januar 2026 moderierst du erstmals den Dental-Gipfel in Warnemünde. Du warst schon als Kind und später auch als angehende Zahntechnikerin bei diesem Schnittstellen-Kongress dabei. Was macht den Erfolg der Veranstaltung für dich aus?
In der Pressemitteilung zum Dental-Gipfel steht, ich hätte meine Begeisterung zwischen Ostseeluft und Fachvorträgen entdeckt – und da ist sicherlich etwas Wahres dran. Solche Veranstaltungen haben mir gezeigt, dass Zahntechnik nicht nur ein Beruf, sondern eine Leidenschaft und eine Gemeinschaft ist. Der Dental-Gipfel war und ist für mich etwas ganz Besonderes – als familiärer Jahresauftakt und inzwischen auch als fester Bestandteil meines eigenen Jahres. Ich war 2015 das erste Mal dabei. Seitdem gehört der Kongress zur Jahresplanung meiner Familie und später auch zu meiner eigenen. Der familiäre Jahresauftakt schlägt die Brücke zwischen den Feiertagen und dem neuen Arbeitsjahr. Die Atmosphäre im wunderschönen Hotel Hohe Düne mit den Fenstern, durch die man die ein- und auslaufenden Fähren beobachten kann, durfte ich bereits als Schülerin genießen. Als Azubi und dann als Zahntechnikerin habe ich die hohe Qualität der Vorträge und den wertvollen Austausch zu schätzen gelernt. Ganz besonders mag ich die Begegnungen zwischen den Vorträgen und all die bekannten Gesichter, die man Jahr für Jahr wieder trifft. Viele sind längst zu Freunden geworden. Diese Mischung aus Wissen, Begegnung und familiärem Miteinander macht für mich den Dental-Gipfel aus.
Nun kehrst du als Moderatorin zurück und führst mit Dr. Konrad Weßlau als „Next Generation“-Duo durch den Kongress. Was ist euer Konzept?
Wir sind natürlich happy und unglaublich dankbar, in die Fußstapfen von Carsten Müller und Prof. Dr. Lange treten zu dürfen. Es ist und bleibt das Ziel, den Dialog in der Branche lebendig zu halten – über Disziplinen, Generationen und Hierarchien hinweg. Wir möchten dazu inspirieren, offen miteinander zu sprechen: Praxis und Labor, Junge und Erfahrene, Technik und Medizin – auf Augenhöhe, mit Neugier und Leidenschaft. Ich bin Helge Vollbrecht sehr dankbar für das Vertrauen und die Chance, diesen Gedanken weiterzutragen.
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