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Branchenmeldungen 21.02.2011

Ein Pionier der Implantologie wird 85

Ein Pionier der Implantologie wird 85

Heute feiert der Begründer und Nestor der zahnärztlichen Implantologie in Deutschland, Professor Hans L. Grafelmann aus Bremen seinen 85. Geburtstag. Ein bewegtes und erfülltes Leben liegt hinter dem Mann, der 1968 in seiner Praxis die Pionierleistung vollbrachte, das erste Implantat in Deutschland einzusetzen. Es handelte sich dabei um ein Blatt- bzw. Extensionsimplantat. Die betreffende Patientin trägt noch heute ihre noch voll funktionstüchtige Brücke. Der Jubilar sagt von sich selbst: „Ich habe noch viel vor – und mir bleibt eigentlich viel zu wenig Zeit dafür.“


Tatsächlich gleicht der Lebenslauf von Professor Grafelmann, Zahnarzt, Erfinder, Patentinhaber sowie Fachautor und Herausgeber der ersten implantologischen Fachzeitschrift „Orale Implantologie“ – während seines Vorsitzes gemeinsam mit Dr. Dr. Hans-H. Brandt, einem Strudel aus Plänen und Aktivitäten.

Der spätere Weltreisende in Sachen orale Implantologie beendete sein Studium der Zahnmedizin an der Universität Hamburg-Eppendorf und erhielt 1955 die Approbation. In seiner Assistentenzeit wurde er in der maxillofazialen Chirurgie in der kieferchirurgischen Klinik von Prof. Dr. Goetz in Hamburg ausgebildet. Er spezialisierte sich zugleich auf das Gebiet der festen und abnehmbaren Präzisionsprothetik, für das er Grundkenntnisse vor dem Studium gesammelt hatte, und ließ sich anschließend mit eigener Praxis in seiner Heimatstadt Bremen nieder.

Als enthusiastischer Zahnarzt wollte er sich jedoch mit den Grenzen der herkömmlichen Prothetik nicht abfinde. So bildete er sich in der seinerzeit absolut neuen zahnmedizinischen Disziplin der oralen Implantologie fort und nahm diese schon 1963, nach zahlreichen Forschungsaufenthalten an Universitäten und Kliniken in Frankreich, Italien und den USA in seine Behandlungstätigkeit auf.
Die intensive Schaffensphase der 60er Jahre gipfelte für Grafelmann im November 1969 vorerst in der Präsentation der Blattimplantate, die er 1967 gemeinsam mit Linkow in New York anlässlich des ersten Internationalen Seminars für Orale Implantologie in Bremen weiterentwickelt hatte. An diesem Kongress nahmen 85 aufgeschlossene Kollegen aus Praxis und Universität teil, u.a. Prof. Dr. Hahn/Universität Kiel und Prof. Dr. Beck, Leiter der Kieferchirurgischen Klinik Bremen.

Schon im Januar 1970 gründete Grafelmann mit sechs Kollegen die Deutsche Gesellschaft für zahnärztliche Implantologie (DGZI) in Bremen, die erste Fortbildungs¬vereinigung auf diesem Spezialgebiet. 17 Jahre fungierte er als Präsident dieser renommierten Vereinigung und wurde 1986 zum Ehrenpräsident ernannt. In der DGZI führte er gemeinsam mit dem Vizepräsidenten und Chefredakteur der DGZI Dr. Dr. Hans-H. Brandt die erste Statistik mit 3.341 inserierten damals allein verwendeten Blattimplantaten von 1970-75 durch. Die Erfolgsrate wurde schon damals – inklusive der Anfangseinführung - mit 92,9% ausgewiesen.

Das große Ziel: Implantologie in Perfektion – für alle

Nachdem er die Initialzündung für die enossale Implantologie in Deutschland gesetzt hatte, entwickelte Grafelmann im Zuge neuer Erkenntnisse das revolutionäre Multiimplantatsystem, in dem er drei unterschiedliche Grundsysteme aus blattförmigen Extensionsimplantaten, rotationssymmetrischen Implantaten mit Spezialgewinde und schließlich reinen selbstschneidenden Schraubimplantaten integrierte. Sein stetes Anliegen war und ist es, Implantate nach biomechanischen und stressanalytischen Gesichtspunkten zu entwickeln, ihre Anwendung zu rationalisieren und in der Verfahrensweise zu vereinfachen. Seine Forderung implizierten, möglichst jede anatomische Indikation mit einem der drei Implantate therapieren zu können und den geringstmöglichen noch vorhandenen Knochen strategisch zu nutzen. Denn: Grafelmanns Vision ist es, die Implantate national und international einem breiten Anwender- und Patientenkreis zugänglich zu machen.

Parallel zu seiner eigenen Entwicklungsarbeit und Tätigkeit in der Praxis initiierte er die Gründung zahlreicher nationaler Implantologen-Vereinigungen in der Schweiz, Italien, Norwegen, Österrreich, den Niederlanden und den USA. 1975 wurde er zum Weltpräsidenten des International Congress of Oral Implanologists, New York, gewählt. Unter seiner Präsidentschaft fanden die ICOI-Weltkongresse in Kyoto 1975 und in Kairo 1977 statt.

1986 erhielt Grafelmann einen Lehrauftrag als Associate Professor am Department of Oral and Maxillofacial Implant Surgery der Universität Lille unter der Leitung von Klinikdirektor Prof. Dr. Donazzan. Sehr fruchtbar war zudem auch sein Engagement in der Türkei. So gründete er – nach seinem ersten Besuch 1985 als Gastreferent und OP-Kursleiter – in Zusammenarbeit mit dem Dekan Prof. Dr. Peker Sandalli 1988 die chirurgische und prothetische Abteilung für Orale Implantologie an der Zahnärztlichen Fakultät der Universität Istanbul, die ihm zu Ehren seinen Namen trägt. 1989 wurde Grafelmann dort die Ehrendoktorwürde verliehen. Zusätzlich ernannte die Turkish Society of Oral Implantology Grafelmann 1989 zu ihrem First Honorary Member und 1993 zum Ehrenpräsidenten. Ein weiterer Meilenstein seiner internationalen Forschungs- und Lehrtätigkeit war 1993 die Ernennung zum Associate Clinical Professor am Department of Implant Dentistry an der New York University.

Auch auf dem indischen Subkontinent zeichnete sich der Implantologe durch intensiven Einsatz aus. Im Rahmen einer Gastprofessur am S.D.M. College of Dental Sciences der Universität Karnatak in Dharwad gründete er das Dr. Grafelmann Department of Oral Implantology. 2001 folgte die Gründung der entsprechenden Fachabteilung an der Universität Goa. Ebenfalls verdankt das Institute of Dental Sciences der Universität Coorg Grafelmann ihr Department of Oral Implantology, das er 2003 während einer Gastprofessur ins Leben rief.

Neben vielen anderen Auszeichnungen ist Grafelmann seit 1995 Credentialed Honored Fellow und Life Member der American Academy of Implant Dentistry, der er seit 1970 angehört. Er ist ferner Ehrenvorsitzender der G.O.I.A. Global Oral Implant Academy, die 2004 in Bremen gegründet wurde.

Unermüdlich gilt das Engagement des Bremers der weltweiten Verbreitung und Anerkennung der zahnärztlichen Implantologie und Implantatprothetik. Allein in Deutschland veranstaltete und leitete er daher 25 eigene Implantat-Fortbildungskongresse in den Jahren 1970 bis 1993. Es ist für ihn eine Grundüberzeugung, dass die Implantattherapie weltweit der Verbesserung der Lebensqualität dient. Seiner Erfahrung nach haben Implantate nachweisbar oft eine höhere Funktionsdauer als natürliche Zähne.

Grafelmann tritt nach wie vor für die Aufnahme der oralen Implantologie in den akademischen Ausbildungsgang ein. Er plädiert dabei aber auch konsequent für einen näheren Praxisbezug nach dem Leitsatz: „Der beste Lehr- und Lernort ist der Behandlungsstuhl, an dem operiert wird.“ Das habe er sein ganzes Berufsleben so gehalten. Diese Botschaft wird Hans L. Grafelmann stets zusammen mit seinem Wissen und seiner Erfahrung an die nationale und internationale Fachwelt weitergeben.

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