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Branchenmeldungen 14.11.2018

ITI kontrovers 2018: Biotyp – gibt es ihn wirklich?

Dr. Georg Bach
E-Mail:
ITI kontrovers 2018: Biotyp – gibt es ihn wirklich?

Bereits zum dritten Mal fand am 21. Oktober 2018 das Online-Symposium – ITI kontrovers – statt. Standen im Premierejahr 2016 Fragen über (Un-)Ersetz­lichkeit des autologen Knochentransplantats und im Folge­jahr Zirkonoxid als Alternative zu Titan in der Implantologie im ­Fokus der Diskussionen, wandten sich dieses Jahr die Experten des Inter­nationalen Teams für Implantologie (ITI) dem Weich­gewebe zu und diskutierten die Bedeutung des Biotyps.

Gleich zu Beginn der Diskussion gab es eine bemerkenswerte Feststellung: „Wir Zahnärzte lieben Schubladen­denken! Und hier ist der Biotyp ein probates Mittel, Patienten zu klassifizieren!“, so der Münchener Kieferchirurg Prof. Dr. Dr. Andreas Schlegel, der zusammen mit dem ebenfalls in München beheimateten Oralchirurgen Priv.-Doz. Dr. Christian Schmitt die Fraktion der eher chirurgisch orientierten Implan­tologen vertrat.

Diese Aussage wollten die aus dem Fachgebiet der Parodontologie kommenden Professoren Prof. Dr. Stefan Fickl /Würzburg und Univ.-Prof. Dr. Anton Friedmann /Witten-Herdecke nicht so stehen lassen. „Nein, ich denke schon, dass es einen Biotypen gibt“, so Fickl, der jedoch einräumte, dass die daraus folgende Klassifizierung nicht allen Fragestellungen gerecht werde.

An dieser Stelle folgte der erste Videoeinspieler und bot dem ­amtierenden Chairman der ITI Sektion Deutschland, Prof. Dr. med. Johannes Kleinheinz /Münster, eine ideale Basis für weitere Diskussio­nen. Der Münste­raner Hochschullehrer und Kieferchirurg hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Literatur nach der Evidenz zu den Biotypen zu durchforsten. Überraschend war die Datenlage zu diesem Thema, denn sie fiel nicht so üppig aus, wie man es eigentlich erwartet hätte. Bezüglich der Langzeit­prognose beim sogenannten Biotype-­Changing gibt es ­erhebliche Defizite.

An dieser Stelle setzte der Autor des zweiten Videoeinspielers Dr. Arndt Happe /Münster einen Kontrapunkt, indem er in seinen hervorragend dokumentierten und faszinierenden Fallbeispielen aufzeigen konnte, dass mit heutigen ­Methoden durchaus langzeitstabile Ergebnisse erzielt werden können.

Dies bestätigte in der Diskussion auch Prof. Dr. Anton Friedmann, der darauf hinwies, wie technik- und materialintensiv diese heute angewandten Verfahrensmethoden sind. Und hier, eine Erkenntnis der eingehenden Diskussion, bahnt sich ein Paradigmenwechsel an: Biomaterialien gewinnen immer mehr Einfluss in der ästhetisch orientierten Implantologie. Dies wurde auch durch Prof. Dr. Dr. Adrian Kasaj /Mainz, im dritten Videoeinspieler des ITI kontrovers-Symposiums, vollumfänglich bestätigt. Kasaj legte den Fokus seiner Ausführungen auf den Patienten selbst, vor allem individuelle Gegebenheiten, und die hiermit verbundenen Therapieoptionen wurden durch den Mainzer Hochschullehrer dargestellt. Eine muntere, durchaus kontrovers geführte Diskussion belegte, dass es momentan keine einheitlichen Wertungen und Aussagen zu den Biotypen gibt.

Die Abschlussfrage des Moderators nach einer Take-Home-­Message am Ende des Symposiums, führte bei Prof. Dr. Fickl zu einer blitzschnellen Reaktion. Er stellte nun keine implantologische Aussage in den Vordergrund, nein, es war vielmehr der Zahn an sich. „Achten Sie darauf, ob es nicht Möglichkeiten gibt, den vorhandenen Zahnbestand zu erhalten. Die Zeiten, in denen jeder Zahn einem Implantat im Weg stand, sind vorbei!“, so Fickl. Wahrhaft ein salomo­nisches Fazit der gelungenen Veranstaltung.

Foto: ITI
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