Anzeige
Branchenmeldungen 12.11.2018

Kieferorthopädie interdisziplinär: Medizin & Zahnmedizin

Cornelia Pasold
E-Mail:
Kieferorthopädie interdisziplinär: Medizin & Zahnmedizin

Wahrscheinlich lag es am ungewohnt warmen, sonnigen Oktoberwetter, dass ein Großteil der rund 2.200 registrierten Teilnehmer der diesjährigen DGKFO-Jahrestagung offensichtlich lieber in die Bremer Innenstadt als in den Vortragssaal des Congress Centrums strömte. Oder der interdisziplinäre Schwerpunkt, der sich teils hochinteressant, jedoch auch sehr umfangreich durch beide Hauptthemen zog, war nicht jedermanns Sache. Fakt ist, die Reihen wollten sich einfach nicht recht füllen. Und was nicht da ist, wirkt sich natürlich auch auf die Industrieausstellung aus. Egal, wo man hinkam, hatten sich die Firmen ein paar mehr Besucher erhofft.

Wissenschaftliche Vorträge

Unter dem Motto „Kieferorthopädie interdisziplinär: Medizin & Zahnmedizin“ wurden von Tagungspräsidentin Prof. Dr. Franka Stahl (Poliklinik für KFO, Universität Rostock) und dem DGKFO-Vorstand in diesem Jahr mehr interdisziplinäre Aspekte der Kieferorthopädie in den Vordergrund gerückt. Freie Themen standen darüber hinaus am letzten Tag auf dem Programm. Parallel gab es wieder das Symposium für den wissenschaftlichen Nachwuchs, Seminare für das Praxisteam sowie einen Demo-Workshop zu digitalen Kiefermodellen.

Prof. Dr. Christian Poets (Uniklinik für Kinder- und Jugendmedizin Tübingen) eröffnete das Programm, indem er die Rolle des Kieferorthopäden bei der Therapie schlafbezogener Atmungsstörungen (SBA) aus Sicht des Pädiators verdeutlichte. Dabei erläuterte er den Einsatz der Tübinger Atmungsplatte, stellte deren Funktionsweise sowie Ergebnisse diverser Studien zur Effektivität der TüAP vor. Unter anderem wurden hierbei das UK-Wachstum untersucht und erste Hinweise darauf gefunden, dass die TüAP Aufholwachstum induziert (sofern früh im Säuglingsalter angefangen). Des Weiteren präsentierte Poets eine Studie zu SBA, die bei 1.144 Drittklässlern die Prävalenz sowie Auswirkungen auf die schulischen Leistungen darlegte. Demnach weisen Kinder, die häufig schnarchen, z.B. ein dreifach höheres Risiko für schlechtere Schulnoten auf. Zudem zeigen Untersuchungen, dass Schnarchen bzw. Mundatmung zu Nervenschäden führen kann (Diskrimination auf Zunge nimmt ab). Auf die Frage „Was können wir tun?“ empfahl Poets z. B. ein gutes Follow-up nach erfolgten OPs (ATE), um eine residuale SBA (u. a. bei adipösen jüngeren Kindern) zu erkennen; eine antiinflammatorische Therapie (leichte bis moderate OSA); eine RME zur Vergrößerung der Atemwege (dadurch flachere Zungenposition, mehr Platz, weniger Schnarchen) oder oropharyngeale Übungen (geringer Effekt). Was die CPAP-Therapie betrifft, sieht er diese im Kindesalter eher kritisch (zu große Beeinflussung), bei Erwachsenen jedoch schon.

Dass zahllose Schnittstellen zwischen der KFO und inneren Medizin existieren, teils mit erheblicher Bedeutung für die klinische Praxis, verdeutlichte Prof. Dr. Dr. Peter Proff (Lehrstuhl KFO, Uniklinikum Regensburg). Er stellte klar, dass der Knochenmetabolismus von verschiedensten Faktoren beeinflusst wird, wovon er sich einige herausgriff (KFO und Knochenmetabolismus, Inflammation [Rheumatologie, Allergologie], Stoffwechselerkrankungen und Ernährung, endokrines System sowie Pharmaka und Noxen). Dabei ging er u. a. auf die juvenile idiopathische Arthritis (JIA) ein, bei der bei mehr als 50 Prozent der Erkrankten auch die Kiefergelenke betroffen sein können. Ist dabei ein KG stärker oder über längere Zeit betroffen, sei das Wachstum in der Folge einseitig verringert, was zu einer Gesichtsasymmetrie führt. Um eine Arthritis der KG adäquat nachzuweisen, scheint die klinische Untersuchung allein nicht ausreichend empfindlich zu sein. Durch DVT und PSA seien lediglich strukturelle KG-Veränderungen darstellbar, die als Folge einer lang einwirkenden Entzündung der KG entstanden sind. Ein MRT mit Gadolinium-Kontrastmittel kann hingegen die korrekte Diagnose unterstützen, so Proff. Auch könnte eine hochauflösende Sonografie für die JIA-Diagnostik geeignet sein (Erkennung kondylärer Beteiligung bei Kindern). Was die Kieferlagebeziehung angeht, scheint diese bei JIA-Patienten in Richtung einer skelettalen Klasse II sowie hyperdivergenten Kieferrelation (offener Biss) verändert zu sein. Hinsichtlich einer optimalen Behandlungsstrategie gäbe es nur eine geringe Evidenz. Eine funktionskieferorthopädische Therapie könne jedoch die mandibuläre Retrognathie verbessern und Schmerzen bei jugendlichen JIA-Patienten reduzieren. Inwieweit dies jedoch im späteren Leben viel komplexere und teurere therapeutische Ansätze verhindern kann, bleibe unklar.

Der Schnittstelle Psychologie und Kieferorthopädie widmete sich Dipl.-Psychologe Prof. Dr. Peter Kropp (Universität Rostock), wobei dieser insbesondere auf Erwartungshaltungen einging. Diese, so haben Studien gezeigt, werden vom Patienten aufgebaut. Das heißt, es kommt eine Erwartungshaltung zustande, wobei frühere (positive) Lerneffekte die aktuelle Wirkung (z.B. eines Medikaments) beeinflussen bzw. frühere negative Lerneffekte die Wirkung reduzieren. Auf die KFO-Praxis gemünzt heißt dies, dass es empfehlenswert sei, dass Behandler bei ihren Patienten möglichst positive Erwartungen aufbauen („Sie werden das schaffen.“ – „Das benötigt Zeit.“ – „Dies wird zunächst noch etwas unangenehm sein.“). Zudem empfiehlt Kropp, dass Kieferorthopäden „sicher“ in ihren Prozeduren sind. Denn eine Unsicherheit des Behandlers wirke hier wie ein Schmerz. Daher sollten klare, eindeutige Informationen gegeben werden („Dies wird Ihnen helfen.“). Hilfreich sei zudem, die Anpassungsleistung zu fördern. Das heißt, Patienten benötigen Zeit, sich anzupassen bzw. an die neue Behandlungsapparatur zu gewöhnen. Daher sollten Behandler ihnen diese Zeit für den Anpassungsprozess gewähren (abwarten sei hier besser als handeln). Zudem wies Kropp auf die individuellen Unterschiede in der Anpassungsleistung von Patienten hin. Darauf müsse der Behandler Rücksicht nehmen. Wichtig sei zudem, die Kommunikation zwischen Patient und Behandler zu verbessern. „Akzeptieren Sie wertfrei schwierige Patienten. Bringen Sie diesen Empathie bzw. einfühlendes Verstehen entgegen oder schaffen Sie einen entspannungsfördernden Rahmen.“

Einen sehr persönlichen Vortrag hielt Prof. Dr. James McNamara, der bei dieser Tagung zudem den Vorkongress absolvierte. Der Gast aus den USA reflektierte seine Zusammenarbeit und enge Freundschaft zu Prof. Dr. Rolf Fränkel, dem Erfinder des Funktionsreglers. Tom Graber habe ihn einst auf die Fränkel-Apparatur hingewiesen, woraufhin er – fasziniert vom therapeutischen Effekt dieses Geräts – Kontakt mit Professor Fränkel aufnahm. Als McNamara im Dezember 1972 schließlich einen Brief von Fränkel aus der damaligen DDR erhielt, war dies der Beginn einer rund drei Jahrzehnte währenden Freundschaft. Mehrmals traf man sich im Rahmen kieferorthopädischer Fachkongresse oder besuchte sich im jeweiligen Heimatland. Darüber hinaus lud man Fränkel in die USA ein, damit dieser den amerikanischen Kollegen die Anwendung seiner Apparatur erklärte. Mit zahlreichen persönlichen Fotos gespickt, erzählte McNamara von seinen zahlreichen Erinnerungen, von abenteuerlichen Reisen nach Berlin und Zwickau oder von glücklichen privaten Momenten. Fränkel habe beruflich für ihn den größten Einfluss in seiner ganzen Karriere gehabt, so McNamara. Er fühle sich bis heute sehr geehrt, ein Teil des Lebens dieses großartigen Menschen gewesen zu sein.

Abschließend und beispielhaft für viele weitere interessante Vorträge sei an dieser Stelle noch auf den Beitrag von Prof. Dr. Katrin Bekes (Leiterin der Kinderzahnheilkunde der Unizahnklinik Wien) verwiesen. Diese konzentrierte sich auf die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (auch Kreidezähne genannt), deren Auftreten in bestimmten Altersgruppen bei Kindern und Jugendlichen bereits höher liegt als das von Karies (bei 12-Jährigen mehr als 30 Prozent betroffen). MIH bedeute einen qualitativ bedingten Defekt des Zahnschmelzes, der an einem oder mehreren bleibenden Sechs-Jahr-Molaren mit oder ohne Beteiligung der bleibenden Inzisiven auftreten kann. Die Ursachen seien bis dato nicht geklärt, jedoch sind hinsichtlich Ätiologie verschiedene mögliche Faktoren auszumachen. Dazu zählen pränatal gesundheitliche Probleme während der Schwangerschaft; perinatal z.B. Kaiserschnitt, Sauerstoffmangel sowie Komplikationen und postnatal u. a. Erkrankungen in den ersten drei Lebensjahren, Masern und Windpocken vor dem vierten Lebensjahr, Pneumonien oder wiederkehrendes hohes Fieber. Drei MIH-Schweregrade sind laut Wetzel/Reckel (1991) festzuhalten: Grad 1 mit einzelnen weiß/cremig bis gelb/braunen Verfärbungen/Opazitäten im Bereich der Kauflächen und/oder Höcker des oberen Kronendrittels bzw. an den vestibulären Flächen von Schneidezähnen. Grad 2 mit einem überwiegend fehlmineralisierten gelb-bräunlichen Zahnschmelz, der alle Höcker mehr oder weniger erfasst, aber nur geringfügige Hypoplasien erkennen lässt. Und Grad 3 mit großflächigen Mineralisationsstörungen mit ausgeprägten gelblich-bräunlichen Verfärbungen und Defekten in der Kronenmorphologie aufgrund ausgeprägter Schmelzverluste. Bekes ging zudem auf das Würzburger MIH-Konzept ein. Dieses umfasst einen neuen Index zur Befunderhebung und Therapieplanung bei Patienten mit MIH. Dabei verwies sie auf einen Therapie-Stufenplan von Prophylaxemaßnahmen (Fluoridgabe für Mineralisation, CPP-ACP (z.  B. Tooth Mousse oder MI Paste Plus, beides Fa. GC), PRO-ARGIN-Gabe, Fissurenversiegelung) über Sealing, Restauration (provisorisch mittels Glasionomerzement oder Stahlkrone; langfristig mittels Komposit) bis hin zur Extraktion (MIH-Schweregrad 3, bei raschem Voranschreiten des Zahnhartsubstanzverlustes, bei stark eingeschränkter Mundhygiene oder bei nicht kontrollierbarer endodontischer oder parodontaler Problematik). Eine Extraktionstherapie sei zudem abhängig von der vorliegenden Angle-Klasse, den Platzverhältnissen oder Nichtanlagen/Zahnverlusten. Als optimalen Zeitpunkt für eine Extraktion gab Beker ein Patientenalter von 8 bis 11,5 Jahren an.

Industrieausstellung

Multiband

Bei der Firma 3M konnten die Besucher erstmals deren neues vollkeramisches Klappenbracket 3M™ Clarity™ Ultra SL-Bracket kennenlernen. Dieses weist keine sichtbaren Metallteile auf, wodurch es sehr ästhetisch erscheint. Auffällig ist auch das sehr flache, stark abgerundete Design, das dem Tragekomfort zugutekommt. Die mit einem Klicken hörbar öffnende und schließende Klappe deckt die komplette Slotbreite ab, wodurch laut Hersteller insbesondere beim Finishing eine optimale Rotationskontrolle (auch ohne größere/slotfüllende Bogendimensionen) erreicht werden soll. Für den optionalen Einsatz von Ligaturen (Metall-, Gummi- oder sogar Doppelligaturen) wurde das Bracket mit großzügigen ovalen Unterschnitten ausgestattet. Um nach Behandlungsende ein einfaches, splitterfreies Entfernen (mittels Debonding-Instrument) zu ermöglichen, weist die Basis Sollbruchstellen auf. 3M™ Clarity™ Ultra SL ist seit November im MBT-System mit .022''0er Slot erhältlich. Empfohlen wird die Nutzung der APC Flash Free Adhäsivvorbeschichtung, da hiermit keine Überschüsse entstehen (optional auch ohne APC Flash Free Adhäsivvorbeschichtung).

InterActive SL lautet der Name eines neuen selbstligierenden Metallbrackets der Firma Leone (Vertrieb DE über dentalline). Das im MIM-Verfahren aus biomedizinischem Stahl gefertigte Bracket verfügt über einen aus einer hochelastischen Legierung hergestellten Federclip, der an seiner gingivalen Seite mittels Laserschweißung fest mit dem Korpus verbunden ist (kein Herauslösen). Der Clip deckt die komplette Slotbreite ab und ist an den Ecken verrundet. Somit wird ein problemloses Gleiten des Bogens (selbst bei starken Fehlstellungen) ermöglicht und Binding und Notching vermieden. Das im Roth-System (.022''er Slot) erhältliche Bracket ist mit einer Gitternetzbasis sowie mit großzügig unterschnittenen Tie Wings für den zusätzlichen Einsatz von Ligaturen ausgestattet.

Ormco stellte die mittlerweile achte Generation seines Damon™ Brackets vor. Damon™ Q2 kombiniert laut Herstellerangaben die bewährten Damon™ Bracketeigenschaften mit dem Vorteil eines großen Unterflügelbereichs und einer verbesserten Rotationskontrolle, wodurch eine besondere Flexibilität bei der Behandlung erreicht werden kann. Neben den vergrößerten Unterschnitten (optimierte Rotationskontrolle) wurden die Torquewerte verändert. Das Bracket ist sowohl mit Dropin Hooks als auch mit festen Haken erhältlich. Die Bracketbasis mit 80er-Netz ist unverändert geblieben. Damon™ Q2 ist ab sofort in allen Torquevarianten verfügbar.

Zudem konnte am Ormco-Stand das erstmals beim AAO in Washington vorgestellte neue ästhetische Standardbracket symetri™ CLEAR kennengelernt werden. Dieses ist aus einer speziellen Keramikmischung gefertigt und mit abgerundeten mesialen/distalen Sloteingängen versehen, die Notching reduzieren und Gleitmechaniken unterstützen sollen. Der sichtbare Achsenindikator erleichtert die Bracketplatzierung. Die Basis des stark abgerundeten, flachprofiligen Brackets ist anatomisch geformt und mit einer lasergeätzten Gitterstruktur versehen. Das Debonding wird mithilfe einer speziellen patentierten Zange realisiert, die das Bracket mit wenig Kraftaufwand in einem Stück splitterfrei vom Zahn entfernt.

Für das seit April in Deutschland erhältliche ALIAS™ Lingualbracket plant Ormco Kurse, um Kieferorthopäden ein noch versierteres Handling des von den Dres. Scuzzo/Takemoto entwickelten passiven SL-Brackets zu ermöglichen.

Unter dem Namen GUMMETAL® konnte bei der Firma OrthoCaps eine neue Bogenserie kennengelernt werden. Die Bögen zeichnen sich durch eine neue Beta-Titanlegierung auf Ti-Nb-Basis aus, die zugleich einen niedrigen E-Modul und eine hohe Festigkeit besitzt. Die Eigenschaften werden laut Herstellerangaben wie folgt beschrieben: hohe Energiespeicherung, gute Formbarkeit, geringe Steifigkeit, geringe Oberflächenreibung (Reibung zwischen Bogen und Metallbrackets nur halb so groß wie bei anderen Titandrähten), hohe Rückfederung ohne Hysterese, biologische Verträglichkeit (nickelfrei) sowie Umweltbeständigkeit. Die neuen Bögen sind ab sofort in Rund oder Vierkant beziehbar. Zudem werden Vierkantdrähte speziell für die Lingualbehandlung angeboten.

Einen neuen hitzeaktivierten NiTi-Bogen mit drei Kraftzonen stellte Adenta mit MULTIDENT™ 3-Forces vor. Der Behandlungsbogen generiert in der Front leichte Kräfte, während im Seitenzahngebiet ein mittleres und ein höheres Kraftniveau aktiv ist. Dadurch wird eine deutlich frühere, in allen Zahnbereichen parallel realisierbare Torqueübertragung ermöglicht. Der MULTIDENT™ 3-Forces kann für OK/UK als Vierkantbogen (.016'' x .016'', .016'' x .022'' sowie .018'' x .025'') und Rundbogen (.016'') bezogen werden.

Zudem sind die DISCREET™ Ästhetikbrackets von Adenta ab sofort wahlweise mit horizontaler Platzierungshilfe erhältlich. Diese Referenzlinie erleichtert dem Anwender während des Bondings das Ausrichten des Brackets auf dem Zahn und ist nach erfolgtem Kleben leicht wieder entfernbar (z.B. mittels Pinzette). Eine dritte Neuheit wurde mit den Premium Tubes vorgestellt, welche ab sofort die bisher angebotenen Top Fit Low Profile Trumpeted Molarenröhrchen ersetzen. Die neuen Premium Tubes mit niedrigem Profil sind in den Techniken MBT und Roth (.018'' und .022'') in drei Varianten bestellbar: einfach nicht konvertierbar, einfach mini nicht konvertierbar sowie zweifach konvertierbar.

Nach der Premiere beim diesjährigen AAO-Kongress präsentierte American Orthodontics nun dem deutschen Fachpublikum sein neues ICONIX™ Standardbracket. Dieses überzeugt insbesondere durch seine ästhetische Beschichtung. Das aus Edelstahl gefertigte Bracket bietet ein patentiertes Torquedesign, das sogenannte Diagonal Torque, bei dem die Slotmitte oberhalb der Basismitte liegt, wodurch laut Hersteller eine bessere Torqueübertragung sowie ein extrem niedriges Profil gewährleistet werden kann. Die Basis (Gitternetzstruktur) ist insofern besonders, dass fotochemisch geätzte Taschen die Padoberfläche vergrößern, wodurch eine verbesserte mechanische Haftung erreicht werden kann. ICONIX™ Brackets werden in den Techniken McLaughlin/Bennett/Trevisi, Roth (kompatibles System) und Alexander LTS angeboten und können für eine optimale Ästhetik z.B. mit zahnfarben beschichteten Bögen kombiniert werden.

Ebenfalls über American Orthodontics kann ein neues Adhäsiv für das Kleben von Metall- und Keramikbrackets bezogen werden. BracePaste™ ist lichthärtend, von mittlerer Viskosität und wird in Spritze oder Karpule angeboten. Dank seiner fluoreszierenden Eigenschaft lassen sich Kleberückstände unter UV-Licht sichtbar machen, was eine effiziente und einfache Reinigung garantiert.

Auch erstmals zum AAO gezeigt und nun in Bremen den Kieferorthopäden hierzulande vorgestellt wurde das neue Carriere® SLX 3D™ Bracket (Metall und Keramik) von Henry Schein Orthodontics (Vertrieb DE über ODS oder World Class Orthodontics). Beide Bracketvarianten sind bis auf die Basis baugleich und werden in drei verschiedenen Größen angeboten – breit (1er und 3er), mittel (4er, 5er) und schmal (2er). Der Haken (Standard am 3er und optional an 4er/5er) der im MIM- bzw. CIM-Verfahren gefertigten Brackets ist integriert (nicht nachträglich angefügt) und der Slot mesial/distal komplett vom Clip verdeckt bzw. geschlossen, wodurch laut Hersteller eine bessere Rotationskontrolle gewährleistet werden kann. Der Clip selbst wird mittels Carriere SLX 3D EZ Twist (Tweezer) wie ein Schloss „aufgeschlossen“, indem das Öffnungsinstrument in eine entsprechende Kerbe oberhalb des Clips eingesteckt und gedreht wird. Geschlossen (Clip hochgeschoben) wird mit Fingerdruck. Während das Metallbracket eine Basis mit mikrogeätzten Pylonen gerader Kontur aufweist, sind diese beim Keramikbracket pilzförmig gestaltet. Das Bracketdesign ist auffällig verrundet und glatt, was dem Patientenkomfort entgegenkommt. Sowohl die Metall- als auch die Keramikversion ist derzeit in der Roth-Technik mit .022''er Slot beziehbar.

Mit Pitts 21™ wurde am Stand von Greiner Orthodontics ein selbstligierendes Bracket mit 3D-Kontrolle gezeigt. Das neue Bracket verspricht laut Herstellerangaben durch eine verringerte Slottiefe eine frühe Kontrolle bei Torque, Tip und Rotation und damit verkürzte Behandlungszeiten. Durch geringere Bogendimensionen wirken geringere Kräfte, die auch den Patientenkomfort erhöhen sollen.

Greiner Orthodontics präsentierte zudem die neue CS4®SL Feder zur Klasse II-/III-Korrektur, welche eine Weiterentwicklung der bisherigen CS3® darstellt. Mit der modifizierten Feder wird eine zweite Variante angeboten, die sich nun auf dem eingegliederten Bogen befestigen lässt. Mit dem eigens dafür entwickelten Instrument wird der SL-Pivot geöffnet, auf den Bogen gesetzt und mit dem Finger wieder verschlossen. Die nächsten Schritte sind wie gewohnt: Feder auflegen, mit Inbusschraube schließen und am Bogen festdrehen. Falls gewünscht, kann bei der CS4 Feder (nicht CS4-SL) die Hybrid-Inbusschraube gekürzt werden, damit der Pivot am Bogen gleitet.

Im Rahmen seines INDIVIDUA® FA Bond Systems bietet CA DIGITAL jetzt Komplettpakete nach Herstellern an. Dieser Full Service macht das bisherige Einschicken von Brackets durch die Praxis obsolet. Momentan werden drei Bracketsysteme angeboten: Damon® Q (Ormco), EXPERIENCE™ Metal (GC Orthodontics) und Special-Line (smile dental).

Ein neuer lichthärtender Retainerkleber namens GC Ortho Connect™ Flow ist bei GC Orthodontics erhältlich. Dieser eignet sich zum Fixieren von Lingualretainern, Stopps sowie Alignerattachments. Der Kleber beeinhaltet bereits den Primer, sodass in einem Schritt geklebt werden kann. GC Ortho Connect™ Flow verfügt laut Herstellerangaben über eine verbesserte Flexibilität, die aufgrund der Verwendung eines neuen Monomers erreicht wird. Zudem ist das Adhäsiv sehr robust und weist aufgrund des enthaltenen MDP-Primers eine starke Haftkraft auch am Retainerdraht auf.

Aligner

Voraussichtlich ab Januar 2019 wird CA® PROFESSIONAL (Fa. CA DIGITAL) erhältlich sein, ein neues Ein-Schienen-System für komplexe Behandlungen. Dieses nutzt laut Herstellerangaben bewährte Bewegungsprinzipien der Kieferorthopädie für die Alignertherapie. Ein Multiphasensystem reduziert hierbei überflüssige Mischbewegungen, sorgt für eine optimale Verankerung und ermöglicht so effizientere Ergebnisse. Dadurch ließen sich sogar komplizierte Malokklusionen des kompletten Zahnbogens von 7-7 effektiv behandeln.

Ebenfalls neu bei CA DIGITAL ist die SMART FLOW® App, welche die digitale Prozesskette von SCHEU-DENTAL & CA DIGITAL anschaulich auf einem Touchscreen demonstriert. Ab dem Scanprozess kann hierbei mittels entsprechender Module jederzeit in den digitalen Workflow eingestiegen werden (Planen, 3D-Druck, Tiefziehen, Behandeln). Ganz nach Praxisbedarf und inklusive eines hilfreichen Wirtschaftlichkeitsrechners können Anwender auf eine auf sie zugeschnittene Produktpalette zugreifen sowie den entsprechenden Service aus einer Hand erhalten.

World Class Orthodontics® (WCO) hat vor zwei Jahren den Vertrieb und seit einigen Wochen nun auch eigenständig die Produktion von suissealign übernommen und bietet dieses nun mit dem Ziel der weiteren Expansion an. Großer Vorteil des Systems ist, dass Kieferorthopäden sich hierfür nicht zertifizieren lassen müssen. Einfach handhabbar, ermöglicht es leichtere ästhetische Korrekturen oder in Kombination mit festsitzenden Apparaturen auch die Realisierung komplexerer Fälle.

Ab sofort und deutschlandweit exklusiv über die ODS GmbH beziehbar, ist das neue Aligner-Reinigungssystem Steraligner™. Die sauerstoffbasierte, von Kieferorthopäde Dr. Sam Daher entwickelte Lösung neutralisiert durch Plaqueanlagerungen an der Aligneroberfläche entstandene Verfärbungen sowie Gerüche. Dabei entfernt sie Bakterien, Hefe- oder Schimmelpilze, wie sie typischerweise im Mund eines Menschen vorzufinden sind, nahezu vollständig. Das Ganze wird als Set, bestehend aus einer Flasche (95 oder 473 ml) Reinigungslösung sowie einer Dose, angeboten. Aligner in die Dose legen, Lösung bis zur Markierung eingießen und mit Wasser auffüllen. Nach drei Minuten sollen nahezu alle vorhandenen Bakterien eliminiert sein.

Skelettale Verankerung

Promedia stellte für sein bekanntes OrthoLox-Kopplungssystem eine neue Snap-in-Hülsenpatrize mit Fixierkegel vor, die auf der bekannten „Snap-in“-Verbindungsmechanik basiert. Diese eignet sich insbesondere für den Einsatz rein knochengetragener GNE-Apparaturen, da sie eine stabile und starre Verbindung zum Verankerungspin eingeht. Darüber hinaus erlaubt die neue Hülsenpatrize bei der Umsetzung einer Mesialisation/Distalisation die Verwendung von 1,1 mm starken Bogendrähten, wodurch sie ebenfalls mit der Aktivierungseinheit Smartjet® kompatibel ist.

Digital

Bei Dentsply Sirona konnten die Messebesucher mit der Software-Plattform SureSmile Ortho (ehemals elemetrix) ein neues Tool zur digitalen Behandlungsplanung kennenlernen. Damit komplettiert das Unternehmen seinen digitalen KFO-Workflow. Die Cloud-basierte Lösung (jederzeit von jedem Ort aus zugreifbar) kann aufgrund modernster diagnostischer CAD-Tools allein zur Beurteilung komplizierter Fälle jeder Art oder auch zusammen mit der Designsoftware für die Aligner oder indirektes Kleben eingesetzt werden. Dabei gestattet die Software jederzeit einen vollständigen Blick auf den Patienten (FRS, OPG, Scan, intra-/extraorale Aufnahmen sowie das therapeutische Modell werden in einer Übersicht zusammengebracht und angezeigt). Je nach Praxisausstattung entscheidet der Behandler, welchen Anteil der digitalen Prozesskette er letztlich selbst übernimmt (z.B. 3D-Druck, Tiefziehen der Aligner) bzw. über Dentsply Sirona realisieren lässt. Erwähnenswert ist zudem das IDB-System von SureSmile Ortho, mit dem Brackets digital auf einem CAD-Modell positioniert und anschließend hochpräzise auf die Zähne übertragen werden können. Dabei plant der Behandler bereits in der Software die optimale Bracketpositionierung und legt hier die Anzahl der gewünschten Tray-Segmente fest.

3Shape präsentierte seinen neuen TRIOS® MOVE, der zum einen ein bewegungsfreies Intraoralscannen (TRIOS® mit Kabel oder kabellos verfügbar) und zum anderen die direkte Einbindung des Patienten in die Behandlung ermöglicht. Realisiert wird dies über den ebenfalls neuen TRIOS® Treatment Simulator, mit dessen Hilfe anhand farbiger Simulationen schon im Vorfeld das mögliche Behandlungsergebnis demonstriert werden kann. Durch Veranschaulichung digitaler Scans und Behandlungsinformationen wird der Dialog mit dem Patienten verbessert und die Akzeptanz der vorgeschlagenen Therapie erhöht. Auch im weiteren Therapieverlauf ist es möglich, den Patienten aktiv mit einzubinden, indem ihm der erreichte Behandlungsfortschritt visualisiert wird.

Auch über den Digitalspezialisten DentaCore wird der neue TRIOS® MOVE inklusive Treatment Simulator und dem seit Jahren bekannten individuellen Service und Support angeboten. Der Pionier und Spezialist im Bereich digitaler Anwendungen wird sich künftig noch besser am Markt positionieren. Neben seinem Technologiebereich d.tec (Vertrieb moderner Scansysteme, Fertigungstechnologien, Softwarelösungen, Know-how-Vermittlung durch Schulungen und Weiterbildungen etc.) sowie dem Entwicklungsbereich d.dev (Entwicklung eigener Anwendungen und neuer Produktdesigns) wird vor allem der Fertigungsbereich d.lab weiter ausgebaut. Dieser stellt die Dienstleistungssparte dar, wo digitale Daten mit modernen Fertigungsanlagen in analoge Produkte umgesetzt werden. Von Modellen über Schienen bis hin zu Hilfs- und Spezialkonstruktionen – basierend auf den Vorgaben der Kunden – werden individuelle Produkte nach Industriestandard gefertigt. Ferner werden auf Wunsch ergänzende Services, wie therapeutische Planungsvorschläge und virtuelle Konstruktionen angeboten.

Dentaurum hat seinen Zahnspangenkonfigurator zur individuellen Gestaltung herausnehmbarer Zahnspangen überarbeitet und präsentiert die kostenlos für Smartphones und Tablets (iOS und Android) verfügbare App nun im komplett neuen Design. Mit Build-a-Brace stehen dem Nutzer alle Farben der Dentaurum KFO-Kunststoffe Orthocryl® und dem lichthärtenden Pendant Orthocryl® LC zur Verfügung. Zusätzlich kann zwischen sechs Glitzereffekten und aus über 30 Einlegemotiven gewählt werden. Patienten können sich ihre Zahnspange somit ganz nach ihren Wünschen designen. Der gespeicherte Entwurf kann dann direkt an den Behandler bzw. Zahntechniker zur entsprechenden Umsetzung im Labor weitergeleitet werden.

Mithilfe von DENTAreality 4.0 (Fa. FORESTADENT in Kooperation mit TEAMZIEREIS) kann die nach erfolgtem Scannen vorliegende Gebisssituation statt bislang zweidimensional jetzt dreidimensional visualisiert werden. Die Software ermöglicht die Umwandlung digitalisierter Scandaten, sodass diese mittels Virtual-Reality-Brillentechnik oder einfacher 3D-Brille dreidimensional betrachtet werden können. Dadurch wird Kieferorthopäden eine völlig neue Dimension der Fallbesprechung mit dem Patienten sowie der Behandlungsplanung eröffnet. Ergänzt wird DENTAreality 4.0 durch Produktlösungen von 3Shape für die Anwendung in der Kieferorthopädie (TRIOS® 3 oder TRIOS® 3 Wireless, TRIOS® MOVE), welche ab sofort deutschlandweit über FORESTADENT vertrieben werden. Der technische Support wird hierbei über TEAMZIEREIS realisiert.

Instrumente

Am Stand der Firma Lercher wurde ein neues, speziell für die Kieferorthopädie entwickeltes Lupenbrillenlicht gezeigt, welches per Magnet aufgesteckt wird. Dieses realisiert eine kreisrunde Abbildung des Lichts und eine deutlich schärfere Darstellung, was sich z.B. insbesondere beim Bracketkleben im hinteren Seitenzahnbereich positiv bemerkbar macht. Damit das Adhäsiv beim Bonding nicht hart wird, ist das problemlos bei allen Lercher-Brillen nachrüstbare neue Circle-Light mit einem klappbaren UV-Filter ausgestattet.

Noch bis zum 31. Dezember 2018 bietet World Class Orthodontics® aufgrund seines 30-jährigen Firmenjubiläums die zum aktuellen Sortiment gehörende LED-KFO-Polymerisationslampe in zehn verschiedenen Farben zum Sonderpreis von 333,– Euro (statt 495,–) zzgl. MwSt. an. Die Lampe bietet sehr kurze Aushärtezeiten (2.000 mW/cm2) bei drei einstellbaren Helligkeitsstufen, Edelstahlapplikationen sowie eine robuste Verarbeitung. Zudem ist sie mit Akkuladestandsanzeige ausgestattet und eignet sich für die Anwendung von Pro Seal®.

Ausblick

Die 92. Jahrestagung der DGKFO findet vom 4. bis 7. September 2019 in der Messe Nürnberg statt. Tagungspräsident ist Prof. Dr. Dr. Peter Proff aus Regensburg.

Foto: OEMUS MEDIA AG
Mehr
Mehr News aus Branchenmeldungen

ePaper

Anzeige