Praxismanagement 04.03.2025
Gründungsförderung: Wenn Stadt und Gründerin matchen
Dieser Beitrag ist unter dem Originaltitel „Wenn Stadt und Gründerin matchen“ im ZWP Spezial erschienen.
Wo es früher Schuhe in der Lohner Innenstadt gab, gibt es seit Anfang 2023 zahnärztliche Rundumversorgungen: Denn seit fast zwei Jahren begrüßt die junge Zahnärztin Ann-Kristin Fangmann-Niehues Patienten in ihrer Familienpraxis in der Bahnhofstraße 7 der niedersächsischen Kleinstadt im Oldenburger Münsterland. Was sie unter anderem zum Gründen motivierte? Der Support durch ein regionales Gründungsprogramm.
Die Eröffnung meiner Zahnarztpraxis im März 2023 in Lohne war ein Herzensprojekt für mich. Obwohl ich im Nachbarort von Lohne aufgewachsen bin, habe ich in Lohne das Gymnasium besucht und wohne heute auch mit meiner Familie hier. Daher war die Entscheidung, genau hier zu gründen, ein bewusster Schritt, der berufliche wie private Aspekte einband. Vor der Gründung war ich in einer Zahnarztpraxis angestellt, die ich eigentlich zu einem späteren Zeitpunkt hätte übernehmen wollen, doch leider ließ sich dieser Plan nicht umsetzen. Da ich dennoch meine Vorstellung einer modernen, patientenorientierten Zahnarztpraxis verwirklichen wollte, suchte ich nach einer neuen Möglichkeit und fand auch eine passende Immobilie in guter Lage in Lohne.
Finanzieller Zuschuss und offizieller Zuspruch
Als die Stadt von meinem Gründungsansinnen erfuhr, trat sie direkt an mich heran und schlug meine Teilnahme am Gründerprogramm „Neue Läden, Neues Leben“ der lokalen Wirtschaftsförderung vor. Das Programm unterstützt gezielt neue Geschäftsideen in Lohne und bietet Gründern finanzielle Unterstützung. Die Förderung in Höhe von 10.000 Euro stellte eine wertvolle Starthilfe dar, die mir Rückendeckung gab. Zudem ermöglichte das Programm die Teilnahme an verschiedenen Gründer-Workshops und bot kostenfreie Pressearbeit. Dabei fand ich vor allem die Wertschätzung, die meiner Geschäftsidee entgegengebracht wurde, ermutigend. Die finanzielle Unterstützung von 10.000 Euro ist im Vergleich zu den Gesamtkosten einer Praxisneugründung sicherlich nicht ausschlaggebend, aber sie gibt ein zusätzliches Gefühl der Sicherheit. Gegründet hätte ich auch ohne das Programm, doch die Entscheidungsfindung wurde dadurch wesentlich erleichtert. Neben dem Support von Freunden und Familie war es ein bestärkendes Gefühl, auch die „offizielle“ Unterstützung der Stadt zu erhalten.
Beitrag zur Sicherung der gesundheitlichen Versorgung in der Region
Mit der Eröffnung meiner Praxis im Stadtzentrum gewinnt die Stadt Lohne ebenfalls in mehrfacher Hinsicht. Eine ehemalige Einzelhandelsfläche wurde in eine hochwertige Nutzung mit langfristiger Perspektive umgewandelt, wodurch Leerstand vermieden wird. Die Ansiedlung einer Zahnarztpraxis im Erdgeschoss der Innenstadt ist insbesondere für Senioren von Vorteil, da die Zugänglichkeit erleichtert wird. Mein Praxiskonzept als „Familienpraxis“ richtet sich gezielt an die ganze Familie und bietet ein Behandlungsangebot, das auf die Bedürfnisse von Kindern, Eltern und Großeltern eingeht. Dies passt besonders gut zur Region, die bei Familien mit Kindern sehr beliebt ist. Darüber hinaus sichert die Ansiedlung einer jungen Zahnärztin die zahnärztliche Versorgungsstruktur vor Ort. Dies ist besonders relevant, da in den kommenden Jahren mehrere Zahnärzte in Lohne in den Ruhestand gehen werden. Mit meiner Praxis leiste ich somit einen Beitrag zur langfristigen Sicherung der gesundheitlichen Versorgung in der Region. Seit der Eröffnung läuft die Praxis ausgesprochen gut. Bereits vor der Eröffnung haben wir eine Online-Terminvergabe angeboten, sodass ab dem ersten Tag ein Großteil der Termine bereits vergeben war. Dadurch gab es von Anfang an nur sehr wenig Leerlauf. Die Zahl der Patienten steigt weiterhin stetig, was ein positives Signal für die Nachfrage und die Akzeptanz der Praxis darstellt.
Ann-Kristin Fangmann-Niehues:
„In Lohne gibt es derzeit noch sieben weitere Zahnarztpraxen. Das Verhältnis der Zahnärzte untereinander ist sehr kollegial. Diese positive Zusammenarbeit im Kollegenkreis trägt dazu bei, die zahnärztliche Versorgung in der Region gemeinsam sicherzustellen.“
Multitasking in der Gründungsphase
Die Gründung der eigenen Praxis war in vielerlei Hinsicht herausfordernd, insbesondere was den Zeitaufwand betraf. Da wir ein ehemaliges Schuhgeschäft komplett entkernt und neu aufgebaut haben, war ich in alle Bereiche eingebunden: vom Praxiskonzept und der Finanzierung über die Raumplanung (Grundrisse optimieren, Materialien aussuchen, Dentaltechnik auswählen) bis hin zur Baudurchführung (Angebote einholen, Kommunikation mit Handwerkern) und der Suche sowie Einstellung von Mitarbeitern. Diese Aufgaben mussten parallel zu meiner Arbeit als angestellter Zahnärztin und der Betreuung meiner beiden Kinder im Alter von vier und sechs Jahren bewältigt werden. Kein kleiner Kraftakt!
Dranbleiben, trotz Herausforderungen
Während der Gründungsphase gab es auch Rückschläge, darunter zwei Wasserschäden, die Geduld und starke Nerven erforderten. Mein wichtigster Rat an angehende Gründer ist daher: Unterschätzt nicht Zeitaufwand, Kosten sowie nervliche Belastung und glaubt immer, trotz aller Herausforderungen, an eure Idee und euer persönliches Können. Es ist wichtig, mit erfahrenen Partnern zu arbeiten – sei es das Dentallabor, der Architekt, die Bank oder die Handwerker. Man sollte auch auf die Kompetenzen des Teams vertrauen und muss nicht alles allein machen. Eine erfahrene Praxismanagerin oder engagierte Mitarbeiter, auf die man sich in stressigen Phasen voll verlassen kann, sind von unschätzbarem Wert.
Weitere Infos zur Praxis gibt´s hier: dentista-lohne.de.
Autorin: Ann-Kristin Fangmann-Niehues
3 Fragen der Redaktion
an Christian Tombrägel, Pressesprecher der Stadt Lohne
Herr Tombrägel, welches Anliegen steckt hinter dem Lohner Gründerprogramm „Neue Läden. Neues Leben.“ Und wer hat das Programm ins Leben gerufen?
Das Lohner Gründerprogramm hat das Ziel, die Innenstadt durch ein vielfältiges Angebot zu beleben, Leerstände zu reduzieren und neue Kunden zu gewinnen. Seit 2021 unterstützt das Programm gezielt Gründer dabei, sich in der Innenstadt anzusiedeln. Das Konzept wurde von der Stadtverwaltung erarbeitet und basiert auf Anregungen aus der Politik, die die Bedeutung der Innenstadt als lebendiger und attraktiver Standort fördern wollen.
Welche Bewerberklientel spricht das Programm an und welche Fördermittel stehen zur Verfügung?
Das Programm richtet sich an Händler, Gastronomen, Dienstleister und kleine, emissionsarme Handwerksbetriebe, die ihre Geschäftsidee in einer Erdgeschosslage in der Innenstadt umsetzen möchten. Dabei müssen die Bewerber keine klassischen Gründer sein – auch erfahrene Unternehmer, die eine Neueröffnung planen, einen bestehenden Betrieb übernehmen oder mit ihrem Geschäft ins Stadtzentrum umziehen möchten, können sich bewerben.
Für die Förderung stehen jedes Jahr insgesamt 100.000 Euro zur Verfügung, wobei pro Vorhaben maximal 10.000 Euro gewährt werden. Zusätzlich bietet das Programm praktische Unterstützung: Es vermittelt Kontakte zu Immobilienbesitzern, der Kaufmannschaft und anderen Förderstellen. Darüber hinaus organisiert die Stadt kostenlose Workshops mit Gründungsexperten, um die Teilnehmer optimal zu unterstützen.
Was hat Sie bewogen, die Gründung von Zahnärztin Ann-Kristin Fangmann-Niehues im Programm zu fördern?
Die Entscheidung dafür beruht darauf, dass Arztpraxen ein wichtiger Anziehungspunkt für die Innenstadt sind. Frau Fangmann-
Niehues hat eine Immobilie in zentraler Lage, nahe der Fußgängerzone, angemietet. Dort befand sich zuvor mehrere Jahre ein Leerstand und das Objekt war für den Handel wenig geeignet. Mit ihrer Praxis bringt sie nicht nur neues Leben in das Gebäude, sondern schafft auch zusätzliche Kundenfrequenz, von der umliegende Geschäfte, Gastronomie und Dienstleister profitieren.
Arztpraxen sind heute ein wichtiger Baustein, um die Attraktivität einer Stadt zu stärken. Dabei müssen sie nicht zwingend in Erdgeschosslagen untergebracht sein. Für Ärzte und Patienten können Obergeschosse oft sogar besser geeignet sein – insbesondere in zentralen, belebten Stadtlagen. Aus diesem Grund hat die Stadt 2023 ein ergänzendes Förderprogramm entwickelt, das gezielt die Ansiedlung von Ärztinnen, Ärzten und anderen medizinischen Berufen unterstützt.
Dieses Programm unterstützt die Neuansiedlung sowie die Übernahme bestehender Praxen und die Einrichtung von Zweigpraxen ausgewählter medizinischer Berufe im gesamten Stadtgebiet. Ziel ist es, das medizinische Angebot in Lohne langfristig zu sichern und auszubauen, sei es durch mehr Vielfalt oder eine Erhöhung der Patientenkapazitäten. Neben Ärzten fördert das Programm auch Apotheker, Psychologische Psychotherapeuten sowie Hebammen und Entbindungspfleger.
Weiteren Infos zum Gründerprogramm auf: www.gruenderprogramm-lohne.de
Autor: Redaktion