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Branchenmeldungen 03.12.2018

Projekt «Altgold für Augenlicht»: Tagelang wandern, um zu sehen

Projekt «Altgold für Augenlicht»: Tagelang wandern, um zu sehen

Viele SSO-Mitglieder sammeln in ihren Praxen Zahngold zugunsten des Projektes «Altgold für Augenlicht» des Schweizerischen Roten Kreuzes. Sie geben damit Menschen wie der 70-jährigen Moti Gharti das Augenlicht zurück.

Auch über ein Jahr nach der Eröffnung sieht das Augenspital Surkhet im Westen Nepals noch wie frisch gebaut aus. Das türkis gestrichene Gebäude leuchtet in der Sonne, auf der Wiese spielen Kinder, und daneben sitzen alte Männer auf Plastikstühlen und würfeln, während sie auf ihre Behandlung warten. Gebaut und finanziert hat das Spital das Schweizerische Rote Kreuz. Für die idyllische Szene interessieren sich hier aber die wenigsten. Eine davon ist Moti Gharti. Sie ist hier, um ihr rechtes Auge operieren zu lassen. Grauer Star.

Wie viele nepalesische Frauen der älteren Generation hat Moti Ghartis ein Nasenpiercing. Der goldene Schmuck reicht ihr bis zur Oberlippe. Um ihre Schultern hat sie ein langes rotes Tuch gewickelt.

«Ich freue mich auf die Operation», sagt die 70-Jährige. Freuen? Ja. Denn sie weiss, was kommt, ist es doch bereits das zweite Mal, dass ihr der graue Star operiert wird. «Ich freue mich darauf, bald wieder richtig sehen zu können und habe Vertrauen in die Ärzte hier.» Fünf Jahre ist es her, dass der medizinische Eingriff ihr die Sehkraft im linken Auge zurückgegeben hat. Das Augenspital gab es damals noch nicht, ein Verwandter brachte sie stattdessen in eine mobile Klinik in den Bergen.

Vor dem Bau des Augenspitals waren die sporadisch organisierten mobilen Kliniken oft die einzige Behandlungsmöglichkeit in der Region. Der damalige Eingriff war ein Erfolg, sagt Moti Gharti, doch seit einiger Zeit hat sich nun die Sicht im rechten Auge zu trüben begonnen.

Moti Gharti lebt im Nachbardistrikt Jajarkot, zirka 80 Kilometer Luftlinie vom Augenspital Surkhet entfernt. Was in der Schweiz eine vielleicht stündige Autofahrt bedeuten würde, ist in Nepal eine beachtliche Distanz. Die bergige, unzugängliche Landschaft macht es unmöglich, in direkter Linie von einem Ort zum anderen zu reisen. Dazu kommt, dass die Strassen, wenn es denn welche gibt, bestenfalls Schotterstrassen sind. «Es ist fast ein ganzer Tag Busfahrt, und zwei weitere Tage zu Fuss», sagt Moti Gharti. Ihre Tochter, mit deren Familie sie lebt, hat sie begleitet. Auch für die Rückkehr werden Verwandte einspringen. Während der Erholungszeit nach der Operation kommt sie bei ihrer Nichte Lila Rana unter, die in der Nähe des Spitals lebt.

Es ist soweit: Moti Gharti wird für die Operation vorbereitet. Damit ihr Nasenpiercing keine Keime verbreitet, wird es in weisse Gaze verpackt. Wer keine medizinische Ausbildung hat, braucht starke Nerven, um zuzuschauen, wie der Pfleger die Spritze mit der Anästhesie direkt in Moti Ghartis Auge sticht. Es dauert nicht lange, bis sie wirkt und die Nerven betäubt sind. Der Pfleger stützt die alte Dame auf dem Weg in den Operationssaal, wo die Ärztin Dr. Namrata Gupta bereits wartet. Die nächste Viertelstunde herrscht absolute Stille, nur von Dr. Guptas leisen Aufforderungen an ihren Assistenten unterbrochen, ihr das eine oder andere Instrument zu reichen. In konzentrierter Arbeit schneidet sie von Hand Motis trübe Linse aus dem Auge, um sie mit einer Kunstlinse zu ersetzen.

«Ich führe nicht alle Katarakteingriffe von Hand aus», sagt Dr. Gupta, nachdem Moti Gharti in den Ruheraum geführt wurde, wo sie sich erholen kann. Das Spital verfügt auch über eine Maschine, mit deren Hilfe die Operation sicherer und schneller durchgeführt werden kann. Doch mit der Maschine kostet die Operation umgerechnet etwa 100 Franken, weshalb sich viele Patienten und Patientinnen für einen manuellen Eingriff entscheiden, der zirka 50 Franken kostet.

Dr. Gupta und ihr Kollege Dr. Shakti Prasad Subedi führen rund 150 Grauer-Star-Operationen pro Monat durch, bis zu zehn pro Tag. Natürlich behandeln sie auch andere Augenleiden, doch der graue Star, oder Katarakt, wie es in der Fachsprache heisst, ist mit Abstand die häufigste Krankheit.

Betroffen seien meist ältere Menschen, sagt Dr. Gupta. Viele Nepali kochen im Innern ihrer Häuser, ohne Rauchabzug. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, am grauen Star zu erkranken. Frauen, die traditionellerweise einen grossen Teil der Hausarbeit übernehmen, erleiden die Augentrübung häufiger. «Dazu kommt, dass gerade ältere Menschen praktisch nie Sonnenbrillen tragen», sagt Namrata Gupta. Ihre Augen seien oft ein Leben lang schutzlos dem UV-Licht der Sonne ausgesetzt.

Am Tag nach ihrer Operation wirkt Moti Gharti müde. «Seit die Betäubung nicht mehr wirkt, habe ich Schmerzen im Auge», klagt sie. Die schlechte Laune hält auch an, nachdem ihr Dr. Gupta den Verband vom Auge abnimmt, denn sie sieht nicht mehr als vor der Operation.

«Alle erwarten, dass die Sicht gleich wieder perfekt ist», sagt Dr. Gupta gelassen, «dabei kann das durchaus etwas dauern.» Tatsächlich, als Moti Gharti etwa eine Stunde später zum Sehtest antritt, hat sich das Auge schon deutlich gebessert. Die alte Dame strahlt. «Ich freue mich darauf, meine Gross- und Urgrosskinder zu sehen – jetzt werde wieder ich alles sehen und sie zur Rede stellen, wenn sie Blödsinn machen!»

Blinde Menschen rund um den Globus

  • Weltweit sind rund 36 Millionen Menschen blind. 217 Millionen sind mittel bis stark sehbehindert.
  • Rund 80 Prozent der weltweit 253 Millionen sehbehinderten Menschen sind 50 Jahre oder älter.
  • Etwa 90 Prozent der sehbehinderten Menschen leben in den ärmsten Ländern der Welt, in Asien und Afrika. Für 75 Prozent von ihnen gibt es theoretisch einen Ausweg. Denn ihr Augenleiden ist heilbar. Doch es fehlen Medikamente, ausgebildete Gesundheitsfachleute und die Infrastruktur. Zudem leben viele Menschen in abgelegenen Gegenden und haben keinen Zugang zu medizinischer Versorgung.
  • 50 Franken kostet die Operation des Grauen Stars, der häufigsten Ursache für Blindheit, an einem Auge. Fast 4000 Operationen führten die Augenärzte in Mali, Togo, Nepal, Ghana und Kirgistan mit unserer Unterstützung 2017 durch.

Wie sich Zahngold in Augenlicht verwandelt

  • Sie entfernen Ihren Patientinnen und Patienten einen Zahnersatz aus Gold
  • Sie weisen die Patientin oder den Patienten auf die Spendemöglichkeit hin
  • Ist die Patientin oder der Patient einverstanden, so kann das Extrakt in das Zahngold-Kuvert gelegt und dem SRK portofrei zugesandt werden. Bestellen können Sie Zahngold-Kuverts jederzeit unter www.redcross.ch/altgold.
  • Das Schweizerische Rote Kreuz schmelzt das Zahngold ein, verkauft das gewonnene Metall und setzt den Erlös zugunsten blinder und sehbehinderter Menschen in Entwicklungsländern ein

Zwei Goldkronen genügen, um die Operation eines Auges zu finanzieren.

Herzlichen Dank für Ihren Beitrag!

Schweizerisches Rotes Kreuz
Augenlicht schenken
Postfach
3001 Bern

Quelle: Schweizerisches Rotes Kreuz

Foto: SRK, Remo Nägeli
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