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Branchenmeldungen 10.08.2020

Stigma Corona: Zahnärztin verwehrt Kind die Behandlung

Stigma Corona: Zahnärztin verwehrt Kind die Behandlung

Die Spuren, die die Corona-Pandemie hinterlässt, reichen weit über die wirtschaftliche Ebene hinaus. Anfeindungen und Ausgrenzung von Menschen, die mit dem Virus in Berührung kommen bzw. kommen könnten, gehören auch dazu. Das musste nun auch eine Familie in einer Hennigsdorfer Zahnarztpraxis erfahren.

Eine Mutter suchte mit ihrem vierjährigen Sohn besagte Zahnarztpraxis auf, weil der Junge über starke Zahnschmerzen klagte. Hilfe schien zum Greifen nahe, doch dann kam das Thema Corona zur Sprache. Die Mutter sollte schriftlich versichern, dass ihre Familie weder Symptome des Virus noch Kontakt zu Menschen mit COVID-19 hatte. Letztgenanntes konnte sie allerdings nicht. Die Frau ist seit vielen Jahren als Krankenschwester auf der Intensivstation der Oberhavel Kliniken tätig und hat berufsbedingt täglich mit positiv getesteten Personen Kontakt. Für die Zahnarztpraxis Grund genug, die Behandlung des Jungen zu verweigern und die beiden wegzuschicken.

Die Zahnärztin bestreitet nicht, die Behandlung abgelehnt zu haben, schildert den Fall allerdings anders. Der Junge habe lediglich ein „Ziehen“ verspürt. Es habe sich, ihres Erachtens nach, um keinen Notfall gehandelt, der sofortigen Handlungsbedarf verlangte. Die Zahnärztin beruft sich auf die Fürsorgepflicht ihren Patienten und Mitarbeitern gegenüber. Zudem sei sie der Mutter mit Hilfestellungen und Praxisempfehlungen entgegengekommen, wie MOZ.de berichtete.

Für Jürgen Herbert, Präsident der Landeszahnärztekammer Brandenburg, ist das Verhalten der Zahnärztin dennoch inakzeptabel. Er rät der Mutter, ein Disziplinarverfahren anzustreben.

Foto Teaserbild: BKHRB – stock.adobe.com

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