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Branchenmeldungen 03.11.2017

Zahnschmerzen waren für Aborigine-Kinder normal

Zahnschmerzen waren für Aborigine-Kinder normal

Im Norden von New South Wales, Australien, einer landwirtschaftlich geprägten Gegend circa 400 Kilometer südwestlich von Brisbane und 600 Kilometer nördlich von Sydney, können einige Einwohner wieder lachen.

Das Wort „strukturschwach“ hat dort eine andere Qualität, als es seine Verwendung in Deutschland impliziert. Zahnmedizinische Versorgung war lange Zeit für viele nicht erschwinglich oder auch gar nicht vorhanden. Dass in diesem Gebiet Menschen – viele von ihnen Aborigines – ihr Lächeln zurückgewannen, hängt mit einigen positiven Entwicklungen im zahnmedizinischen Bereich in den letzten Jahren zusammen.

„Fast alle Kinder hielten Zahnschmerzen für normal“, erzählte Kylie Gwynne dem Online-Portal ABC News. Gwynne ist Direktorin des Poche-Zentrums für indigene Gesundheit an der Universität Sydney. Die Kinder, die interviewt wurden, stammten aus der indigenen Community der Aborigines, die einen deutlich höheren Prozentsatz der Landbevölkerung ausmachen als es in den Städten der Fall ist.

Größtenteils ökonomische Gründe seien laut Gwynne ausschlaggebend für die mangelhafte Mundhygiene. Weil viele der Kinder nicht einmal eine Zahnbürste besaßen, verteilte das Poche-Zentrum in den letzten vier Jahren 10.000 Stück an Schulen.

Schwer zu tragen hatte bis vor Kurzem die ärmere Bevölkerung auch daran, dass es im dentalen Bereich fast nur Privatpraxen gab und kaum fest angesiedelte Zahnärzte, die Leistungen über das öffentliche Gesundheitssystem abrechneten. So kam es vor, dass Menschen bis zu 500 Kilometer für eine dringend notwendige Zahnbehandlung reisen mussten.

Das Lächeln zurückgewinnen

Abhilfe konnten zwei Maßnahmen schaffen: Im „Denture Van“, einem zum Zahntechniklabor umgebauten Lieferwagen, ist seit einiger Zeit ein Zahntechniker in New South Wales unterwegs und versorgt die Bevölkerung mit Prothesen. Bis zu zwölf Stück – vom Röntgen über den Abdruck bis zur Fertigstellung – kann er gemeinsam mit einem Assistenten in der Zeit von montags bis donnerstags an einem Ort anfertigen. In der darauffolgenden Woche ist er schon in einer anderen Stadt aktiv und gibt dort den Menschen ihr Lachen zurück.

In Inverell, einem Verwaltungssitz in New South Wales mit circa 10.000 Einwohnern, wurde vor Kurzem durch den Armajun Aboriginal Health Service erstmals eine Praxis mit zwei Behandlungseinheiten eingerichtet. Inzwischen werden dort Menschen – vor allem Aborigines – behandelt, die aus ganz New England anreisen und so ein Stück Lebensqualität und ihr Lächeln zurückerhalten.

Foto: singkham – stock.adobe.com
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