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Wissenschaft und Forschung 22.08.2017

Auch Neandertaler praktizierten schon Zahnmedizin

Auch Neandertaler praktizierten schon Zahnmedizin

Eine primitive Form der Zahnmedizin konnten Forscher jetzt an 130.000 Jahre alten Zähnen eines Neandertalers nachweisen. Vermutliche Zahnschmerzen an einem verdrehten Prämolar führten zu Manipulationsspuren am Zahn.

Bereits vor 100 Jahren wurden die Zähne des Neandertalers in einer kroatischen Höhle gefunden, doch erst kürzlich untersuchte ein Forscherteam aus den USA die prähistorischen Zähne genauer. Bisher galten Neandertaler als primitive Barbaren, die im Gegensatz zum erfinderischen Homo sapiens kaum zu handwerklichem Geschick fähig waren. Die Ergebnisse der amerikanischen Studie zeigen aber erneut, dass auch Neandertaler in der Lage waren, Werkzeug zu benutzen. Neu ist, dass sie diese auch bewusst einsetzten, um Zahnschmerzen zu behandeln.

Die vier gefundenen Zähne des Neandertalers aus verschiedenen Blickwinkeln, rechts der verdrehte Prämolar. © David Frayer/University of Kansas

Unter einem Lichtmikroskop betrachteten die Forscher die gefundenen vier Zähne genauer. Dabei wurden Spuren entdeckt, die von einer Art Zahnstocher zeugen könnten. Vermutet werden spitze Knochen oder harte Äste, mit denen am Zahn manipuliert wurde. Die Ursache für die prähistorische Zahnbehandlung waren wohl Zahnschmerzen, die durch die Fehlstellung des Prämolaren entstanden sind.

Der Prämolar des Neandertalers aus vier verschiedenen Blickwinkeln inklusive der sichtbaren Spuren, die durch einen Zahnstocher-ähnlichen Gegenstand verursacht wurden. © David Frayer/University of Kansas

Aufgrund der Art der Manipulation an den Zähnen gehen die Forscher außerdem davon aus, dass der Neandertaler zur Zeit der „Zahnbehandlung“ noch am Leben war, sie an sich selbst vorgenommen hat und die Rillen nicht erst nach seinem Tod hinzugefügt wurden.

Quelle: University of Kansas

Foto: David Frayer/University of Kansas
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