Wissenschaft und Forschung 10.02.2026

Neue S3-Leitlinie zu Vitamin D in der Implantologie

Eine erste S3-Leitlinie von DGI und DGZMK im deutschsprachigen Raum bewertet die Relevanz von Vitamin D für den Erfolg von Implantat-behandlungen und Augmentationen.

Neue S3-Leitlinie zu Vitamin D in der Implantologie

Foto: mi_viri – stock.adobe.com

Ein Vitamin-D-Mangel kann den Erfolg implantologischer und augmentativer Eingriffe negativ beeinflussen, rechtfertigt jedoch nach aktueller Studienlage keine routinemäßige, ungezielte Bestimmung oder Supplementierung bei Patientinnen und Patienten, die sich einer solchen Therapie unterziehen. Zu diesem Ergebnis kommen die Fachleute von 23 wissenschaftlichen Fachgesell-schaften, Organisationen und Patienten-Gruppen, die unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI e.V.) und der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde e.V. (DGZMK) eine erste deutschsprachige S3-Leitlinie zum Thema Vitamin-D-Bestimmung und Supplementierung in der dentalen Implantologie entwickelt haben.

Der Vitamin-D-Mangel in der Gesellschaft ist hoch: Etwa 30 Prozent der Erwachsenen sind betroffen. Je nach Jahreszeit können sogar bis zu 50 Prozent der Patientinnen und Patienten einen zu niedrigen Vitamin-D-Spiegel haben. Dies ist vor allem bei älteren Menschen der Fall: In dieser Altersgruppe sind bis zu 80 Prozent betroffen. Den Löwenanteil des Vitamins produziert der Körper selbst. Bis zu 90 Prozent werden in der Haut durch die Einwirkung von Sonnenlicht (UVB-Strahlung) gebildet. Das Vitamin ist für Knochenstoffwechsel wichtig. Ein Mangel kann zu Rachitis, Osteomalazie oder Osteoporose führen.

Die systematische Auswertung aktueller wissenschaftlicher Studien bei der Leitlinienarbeit der Fachleute lieferte darum auch Hinweise, dass ein Vitamin D-Mangel den Erfolg implantologischer und augmentativer Eingriffe negativ beeinflussen könnte. Niedrige Vitamin-D-Spiegel können mit einem verzögerten Knochenaufbau, einer verminderten Implantatstabilität sowie einer erhöhten Anfälligkeit für periimplantäre Infektionen assoziiert sein. Gleichzeitig betonen die Autorinnen und Autoren jedoch, dass die Evidenz insgesamt heterogen und vielfach methodisch limitiert ist. Das Fazit formuliert der Koordinator der Leitlinie Prof. Dr. Dr. med. Knut A. Grötz (Wiesbaden): „ein generelles Screening oder eine pauschale Supplementierung kann derzeit nicht empfohlen werden.“

Empfehlung: individualisiertes Vorgehen. Stattdessen raten die Fachleute zu einem individualisierten Vorgehen: Können Zahnmediziner:Innen einen Vitamin-D-Mangel aufgrund der Anamnese vermuten oder ist er bereits bekannt, kann eine gezielte Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels sinnvoll sein. Auch bei unklaren Implantat-Frühverlusten oder wiederkehrenden periimplantären Infektionen kann die Diagnostik des Vitamin-D-Status einen zusätzlichen Erkenntnisgewinn liefern. Dafür kann entweder ein Schnelltest (in-office-Finger-prick-Test) oder ein Labortest eingesetzt werden.

Bestätigt sich der Verdacht einer Mangelversorgung, könnte, so die Expertinnen und Experten, eine gezielte präoperative Supplementierung dazu beitragen, postoperative Entzündungen und Schwellungen zu reduzieren. In der Fachliteratur gibt es darüber hinaus Hinweise auf einen niedrigeren periimplantären Knochenabbau und eine höhere Implantatstabilität, wenn im Falle eines Vitamin-D-Mangels der Spiegel in den Normbereich steigt. Ebenso kann in solchen Fällen eine Supplementierung zum Erhalt von Struktur und Dichte des Kieferknochens erwogen werden. Auch im Zuge einer Periimplantitistherapie kann dann bei Patienten eine Bestimmung und Supplementierung in den Normbereich erwogen werden.

Mehr Forschung ist nötig. Die Autorinnen und Autoren der Leitlinie betonen jedoch zugleich den Bedarf an weiteren hochwertigen Studien. Künftige Forschung sollte insbesondere den Einfluss der Dauer eines bestehenden Vitamin-D-Mangels, die Bedeutung starker Schwankungen des Vitamin-D-Spiegels sowie mögliche Effekte einer Überdosierung auf den Kieferknochenstoffwechsel untersuchen.

Nutzen und Risiko individuell abwägen. Bis dahin empfehlen die Fachleute Zahnärztinnen und Zahnärzten, die nun vorliegenden Erkenntnisse im Rahmen einer jeweils individuellen Risiko-Nutzen-Abwägung bei der Beratung ihrer Patientinnen und Patienten zu berücksichtigen. Ein solches Vorgehen kann die langfristige Stabilität und Gesundheit dentaler Implantate und augmentativer Maßnahmen bestmöglich unterstützen.

Quelle: DGI

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