Wissenschaft und Forschung 14.02.2011

Neues hightech Diagnose-Gerät revolutioniert HNO-Medizin

Neues hightech Diagnose-Gerät revolutioniert HNO-Medizin

Foto: © NMP

Erstmals Säuregase im Hals und in den oberen Atemwegen messbar

Fast jeder Dritte von uns kennt es: Säure-Rückfluss (Reflux) vom Magen in die Speiseröhre mit unangenehmem Sodbrennen und mitunter unklaren Schmerzen hinter dem Brustbein. Dass die Refluxkrankheit darüber hinaus auch zu extremen Problemen am Kehlkopf, im gesamten Hals- und Rachenraum sowie in den oberen Atemwegen führen kann, ist bisher kaum bekannt und nicht eindeutig diagnostizierbar. Patienten leiden unter eher untypischen Beschwerden wie chronischem Husten, Schluckbeschwerden, Heiserkeit oder Kloßgefühl im Hals. Ein neues Diagnose-Gerät macht es jetzt erstmalig und einfach möglich, die oftmals dafür verantwortlichen Säuregase oberhalb der Speiseröhre zu messen (neue ph-Metrie). Die Auswertung der Messergebnisse gibt Aufschluss über die Intensität der Säuregase und wann sie im Tages- und Nachtverlauf auftreten. Exakt auf die Diagnose abgestimmt, kann der Facharzt jetzt eine individuelle, wirksame Therapie für den Patienten zusammenstellen.

Beim Säure-Reflux unterscheidet die Fachwelt zwei Varianten: Den Säure-Rückfluss vom Magen in die Speiseröhre (Ösophagus) mit typischen Begleiterscheinungen wie „Sodbrennen“ und den gefährlichen, da „stillen“ Reflux, bei dem Säure-Gase bis in die oberen Atemwege aufsteigen und kein Sodbrennen verursachen.

GERD und LPR auf der Spur

Säure-Reflux in die Speiseröhre wird als gastro-ösophagealer Reflux oder GERD (gastroe-sophageal reflux disease) in der Fachwelt bezeichnet. Gängiges, für den Patienten eher unangenehmes Messverfahren: Eine Sonde in der Speiseröhre erfasst den Säuregrad in der Aufzeichnungsphase. Im Gegensatz zu GERD tritt der „stille“ Reflux im Rachen und in den oberen Atemwegen „unmerklich“, ohne spürbares Brennen auf und wird daher oft nicht so leicht erkannt. Das ist besonders gefährlich, da im Gegensatz zur Speiseröhre die Schleimhäute in dem Bereich sehr empfindlich und damit besonders anfällig für Säuregase sind. Hierbei sprechen Experten vom laryngo-pharyngealen Reflux (LPR). Die eher untypischen Beschwerden wie chronischer Husten, Kloßgefühl im Hals, Räusperzwang, Heiserkeit und Schluckbeschwerden wurden bisher selten in unmittelbarem Zusammenhang mit LPR gesehen, da dieser auch nicht nachweislich diagnostiziert werden konnte. Selbst Asthma mit entsprechender Kurzatmigkeit oder Nasennebenhöhlenentzündungen (Sinusitis) können durch stillen Reflux verstärkt werden. Betroffene haben oft eine jahrelange Odyssee mit typischen Fehldiagnosen wie „Allergie“ hinter sich. Ohne klar diagnostizierten Befund wurden Patienten bisher oftmals quasi „prophylaktisch“ über einen längeren Zeitraum mit Säureblockern therapiert – Nebenwirkungen und Folgeerkrankungen mitunter inklusive – oder sogar zur weiteren Abklärung und Behandlung in die Psychiatrie überwiesen, denn diese Symptomatik könnte andernfalls auch psychisch bedingt sein.

Neu aus den USA: Sichere Säuremessung für „stillen“ Reflux

In den USA bereits seit einigen Jahren an vielen Millionen Patienten erfolgreich angewendet, hält ein revolutionäres Messverfahren jetzt Einzug in deutsche Praxen. „Mit dem Dx-ph Measurement System des amerikanischen Herstellers Restech kann jetzt die verdunstete Magensäure im Rachen über 24 Stunden gemessen werden, absolut ohne Würgereiz und ohne dass es den Patienten in seiner Befindlichkeit stört“, weiß der HNO-Spezialist Privat-Dozent Dr. Detlef Brehmer aus Göttingen als einer der ersten Anwender des neuen Messverfahrens aus seinem Praxisalltag.
Dabei wird eine kleine Sonde durch die Nase in den Rachen hinter das Zäpfchen eingeführt, sicher platziert und am Gesicht mit einem durchsichtigen Pflaster befestigt. Der Katheter ist so weich, dass er sogar bereits bei Säuglingen schonend und erfolgreich zur Messung eingesetzt wird. In der Sondenspitze befindet sich ein empfindlicher Sensor, der nicht nur flüssige sondern insbesondere auch gasförmige Säure im Rachen und in den oberen Atemwegen messen kann. Solange die Sonde getragen wird, zeichnet ein kleiner Apparat drahtlos die Daten in Echtzeit auf. In der Auswertung erhält der behandelnde Arzt verlässliche Aussagen über den Ausprägungsgrad der Reflux-Ereignisse wie beispielsweise nach bestimmten Gerichten, zu großen Mahlzeiten oder nachts. Je nach Schwere des Refluxes wird der Spezialist die geeignete Therapie individuell festlegen. Diese revolutionäre ph-Metrie erlaubt somit erstmalig eine aussagekräftige Bestimmung der Säuregase im Hals-Rachen-Raum sowie in den oberen Atemwegen, so dass Betroffene jetzt exakt die Therapie bekommen können, die sie benötigen.

Wissenschaftlich geprüft, zertifiziert und zugelassen

Aus für bisherige, nicht ganz ungefährliche probatorische Säureblocker als Blindtherapie oder gar die Überweisung zum Psychiater? Aktuell gibt es bundesweit bereits rund 10 Spezialisten-Zentren, die mit dieser neuen, auch in Europa zertifizierten und zugelassenen ph-Metrie Diagnostik arbeiten. In den USA wurde die Technik bereits 2006 von der FDA/Food and drugs administration zugelassen, diverse Studien und wissenschaftliche Untersuchungen belegen die hohe Zuverlässigkeit dieser neuen Messmethode. Die Kosten für den Patienten ab 350 € werden in der Regel bisher noch nicht von den Krankenkassen übernommen. Es empfiehlt sich aber ein Kostenübernahmeantrag, weil durch die genaue Diagnose die oftmals wesentlich höheren Kosten einer monatelangen Behandlung, mitunter verbunden mit längeren Ausfallzeiten, vermieden werden können.

Quelle: NMP Neuwirth Medical Products

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