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Abrechnung 16.06.2014

Wirtschaftlichkeit bei der Behandlung von Kindern

Wirtschaftlichkeit bei der Behandlung von Kindern

Kleine Kinder sind keine Erwachsenen und müssen deshalb auch anders behandelt werden. Neben der zahnmedizinischen steht die psychologische Betreuung der jungen Patienten im Vordergrund, damit Zahnarztbesuche zum positiven Erlebnis werden und erst gar keine Ängste entstehen. Aus diesem Grund werden Kinderzahnärzte immer häufiger aufgesucht. Es besteht ein eigenes Fachgebiet – die Kinderzahnheilkunde, auch wenn es bisher noch keinen weiterführenden Studiengang gibt, der eine Spezialisierung zulässt. 

Auf diese Herausforderung im Praxisalltag angemessen einzugehen ist oft schwierig. Bereits beim Warten in der Praxis sollten für die Kinder genügend Spiel- und Ablenkungsmöglichkeiten vorhanden sein. Da das Verhalten der kleinen Patienten sehr unterschiedlich ist, muss für die Behandlung ausreichend Zeit eingeplant werden. Um das Vertrauen des Patienten zu gewinnen, sollte man auch bei Kindern ehrlich sein und den zu behandelnden Patienten immer direkt ansprechen.

Erfolgt im Anschluss an die Untersuchung oder Beratung eine notwendige weitere Beratung und Unterweisung eines Elternteils oder eines Erziehungsberechtigten, ist dies eine weitere selbstständige Leistung, die nach der GOÄ-Ziffer 4 zusätzlich berechnet werden kann. Der Zuschlag K1 bei Kindern bis zum vollendeten 4. Lebensjahr kann zusätzlich zu den Untersuchungen nach den GOÄ-Ziffern 5, 6, 7 oder 8 erhoben werden. Zu beachten ist, dass die Ziffern GOÄ 7 und 8 nicht vom Zahnarzt berechnet werden können. Es empfiehlt sich bei Kindern eine angenehme Oberflächenanästhesie vor der Lokalanästhesie anzuwenden. Hierfür werden die GOZ 0080 und dann GOZ 0090 und/oder GOZ 0100 angesetzt.

Auch die Lachgassedierung bei sehr kleinen Patienten oder mangelnder Compliance ist sinnvoll. Dies ist eine schonende Möglichkeit, auf risikoreichere und tiefere Sedierungsformen bzw. Vollnarkosen zu verzichten. Die Lachgassedierung wird gemäß §6 Abs. 1 GOZ analog berechnet. Allein der Zahnarzt entscheidet, welche nach Art, Kosten- und Zeitaufwand gleichwertige Leistung aus der GOZ oder dem nach §6 Abs. 2 GOZ geöffneten Bereich der GOÄ er heranzieht.

Auch bei Kindern sollte vor Extraktionen oder Diagnostik nicht auf Röntgenbilder verzichtet werden. Damit die Strahlenbelastung möglichst gering gehalten wird, sollten nur Einzelaufnahmen bzw. Bissflügelaufnahmen angefertigt werden. OPGs sind nur zur Kontrolle der Gebissanlage etc. nötig. Häufig werden die kleinen Patienten an den Kinderzahnarzt überwiesen, da zuvor keine Röntgenaufnahme ge-macht und dadurch tiefreichende Läsionen verkannt wurden. Die Abrechnung der Röntgenaufnahmen erfolgt nach den Ziffern GOÄ 5000 ff. Bei Milchzähnen ist es durchaus sinnvoll, endodontische Maßnahmen einzuleiten. Es ist wichtig, dass der Erhalt der Molaren bis zur Einstellung der bleibenden Zähne gefördert wird. Auch die Frontzähne sind möglichst lange zu erhalten, da hier Argumente wie Optik und Aussprache des Kindes ausschlaggebend sind. Alle endodontischen Leistungen werden nach denselben Ziffern berechnet, wie die entsprechende Behandlung beim bleibenden Gebiss.

Das Legen eines Kofferdams ist auch bei der Behandlung der kleinen Patienten zu empfehlen, da diese oft die Zunge und die Wangen nicht über einen längeren Zeitraum ruhig halten. Die Arbeit wird vereinfacht und Verletzungen vermieden. Die GOZ 2040 wird für das Anlegen von Kofferdam einmal je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich berechnet, hier spielt die Zahl der behandelten Zähne keine Rolle. Wird der Kofferdam während einer Behandlung abgenommen und wieder neu angelegt, kann dies mit entsprechender Dokumentation auch zweimal berechnet werden. Die Anwendung von flüssigem Kofferdam wird analog gemäß §6 Abs. 1 GOZ berechnet.

Für die lokale Anwendung von Medikamenten zur Kariesvorbeugung oder initialen Kariesbehandlung mittels einer individuell gefertigten Schiene als Medikamententräger steht die GOZ 1030 zur Verfügung. Bei hohem Kariesrisiko ist es durchaus ratsam, auch die Milchzähne zu versiegeln, hierfür steht die GOZ 2000 zur Verfügung. Die Ziffer wird je Zahn und nicht je Fissur berechnet. Die Leistung nach der GOZ 2250 beinhaltet die Versorgung von Milch- und bleibenden Zähnen mit einer konfektionierten Krone bei Kindern und Jugendlichen. Wird die konfektionierte Krone wiedereingegliedert oder erneuert, kann die GOZ 2250 erneut angesetzt werden. Im Falle einer adhäsiven Befestigung fällt zusätzlich die GOZ 2197 an. Selbstverständlich können auch die Materialkosten für die konfektionierte Krone dem Patienten in Rechnung gestellt werden.

Fazit: Viele Kinder scheuen sich vor dem Zahnarztbesuch. Wird jedoch frühzeitig mit der Kontrolle begonnen und die Behandlung kindgerecht durchgeführt, kann der Zahnarzt gute Behandlungserfolge erzielen. Man sollte sich für die kleinen Patienten genügend Zeit nehmen, das bindet kleine Patienten an die Praxis. Erhöhter zeitlicher Aufwand kann über die Steigerung der Berechnungsfaktoren abgegolten werden. Beginnen Sie also frühzeitig die Kundenbindung und bieten Sie den Kindern einen möglichst angenehmen Aufenthalt in Ihrer Zahnarztpraxis. Wir haben für Sie eine Check-Liste mit Tipps und Verhaltensregeln zum richtigen Umgang mit den kleinen Patienten zusammengestellt. Diese Liste finden Sie unter www.buedingen-dent.de/praxis/formulare zum Download.

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Foto: © Aamon - Fotolia.com
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