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Finanzen 09.05.2018

Die etwas andere Geldanlage – Wo es in der Niedrigzinsphase noch Rendite gibt

Die etwas andere Geldanlage – Wo es in der Niedrigzinsphase noch Rendite gibt

Wer in Zeiten niedriger Zinsen noch etwas aus seinem Geld machen möchte, muss erfinderisch sein. Das Internet bietet viele Möglichkeiten, Rendite zu erwirtschaften außerdem ist nachhaltiges investieren gefragter denn je. Kapilendo-Geschäftsführer Christopher Grätz und Finanzberater Dieter Homburg stellen moderne Investments vor.

Geld vermehren im World Wide Web

Investieren in die deutsche Wirtschaft war bisher nur Großinvestoren oder Banken vorbehalten. Inzwischen können auch Privatanleger Unternehmern Geld leihen. Bereits ab 100 Euro ist ein Investment möglich. Zu durchschnittlich fünf Prozent festen Zinsen – so versprechen es Finanzdienstleister, die sich auf Schwarmfinanzierungen spezialisiert haben. Beispielsweise hat die Zahnärztegruppe Dr. Hansen auf dem Online-Kreditmarktplatz Kapilendo 765.100 Euro von privaten Investoren eingesammelt. „Mit dem Geld konnten wir weiter expandieren und Praxen in Berlin und München eröffnen“, sagt Gründer und Geschäftsführer Dr. Robert Hansen. Über Plattformen wie Kapilendo, Unternehmerich oder Funding Circle können private Anleger kleinen und mittelständischen Unternehmen Geld leihen. Dabei muss die gesamte Summe nicht ein Einzelner aufbringen, der Betrag kommt über viele Investoren zusammen – die Crowd. Ist ein Projekt finanziert, zahlen die Geldnehmer den Kredit innerhalb eines vorab definierten Zeitraums zurück, inklusive Zinsen. Warum immer mehr Firmeninhaber diese neue Form der Finanzierung nutzen, statt einen Bankkredit aufzunehmen, erklärt Kapilendo-Geschäftsführer Christopher Grätz: „Die Unternehmer wollen schnell und unbürokratisch an Geld kommen. Bei klassischen Banken dauern Anträge im Schnitt vier bis sechs Monate. Wir bearbeiten Anträge innerhalb weniger Tage.“ Das Wagnis für Investoren bewerten die Online-Plattformen anhand von Risikoklassen. Ein geringerer Zins geht mit einer geringeren Ausfallgefahr einher und umgekehrt.

Finanzberater Dieter Homburg und Kapilendo-Geschäftsführer Christopher Grätz.

Immer im Doppelpack: Risiko und Rendite

„An der Börse gilt: Je mehr Sie verdienen möchten, umso größere Risiken müssen Sie eingehen“, sagt Finanzberater Dieter Homburg. Der Autor des Buchs „Altersvorsorge für Dummies“ rät als Gegenpol zu risikoreichen Anlagen und als Ergänzung des eigenen Portfolios zu Edelmetallen. Gold, Palladium, Platin und Silber sind seit Jahrtausenden als Zahlungsmittel angesehen und haben jede Finanzkrise sowie Währungsreform überlebt. Bis zu einem Fünftel des Anlagenvolumens kann durch die Rohstoffe abgesichert werden. „Diese ganz eigene Anlageklasse kann in Hinblick auf die Sicherheit, aber auch auf Spekulationssicht interessant sein“, so der Berater mit dem Abschluss Masterconsultant in Finance.

Wer sein Vermögen in Gold oder Silber anlegt, profitiert nicht nur von Stabilität und steigenden Werten. Gewinne aus Edelmetall-Anlagen sind außerdem nach einem Jahr von der Abgeltungssteuer befreit. Das gilt auch für die Rohstoffe, die als Wertpapier gehandelt werden, sofern sie über einen Auslieferungsanspruch an physisch hinterlegtes Gold verfügen.

Auf der anderen Seite steigen die edlen Metalle zwar im Wert, weil die Nachfrage nach ihnen steigt und kaum mehr gefördert werden kann, aber es gibt keine Gewinnausschüttung in Form von Zinsen.

Rendite mit Karma

Wer mit seinem Geld nicht nur Rendite erzielen, sondern gleichzeitig etwas Gutes tun möchte, setzt auf „Impact Investing“. Auf Deutsch: wirkungsorientiertes Investieren. Das sind Geldanlagen, die auf nachhaltige Projekte setzen. Bildung, Gesundheit oder Umwelt stehen im Fokus. Bezahlbare Wohnungen in europäischen Ballungszentren und Job-Initiativen in verlassenen Kohlestädten der USA gehören genauso dazu, wie die neunmonatige Ausbildung blinder Frauen zur „Brustkrebs-Früherkennerin“ bei Discovering Hands. Dieses Projekt ist für Angela Lawaldt ein vorbildliches Sozialunternehmen. „Es ist faszinierend was Menschen leisten können“, ist die 42-Jährige erstaunt. Die Psychologin arbeitet bei BonVenture, einem Social Venture Fonds mit Sitz in München und betreut dort Gesundheits- und Bildungs-Projekte. In den USA boomt diese Investmentform bereits seit Jahren. Laut Global Impact Investing Network (GIIN), liegt die Summe des weltweit so investierten Gelds bei mehr als 144 Milliarden Dollar. Im Vergleich zu üblichen Finanzinvestitionen sind das Krümel. Deren Gesamtbetrag ist nach Schätzungen 500 Mal so groß (rund 75 Billionen Dollar). Jedoch liege die Steigerungsrate bei 47 Prozent per anno. Seit 2013 sogar bei plus 1300 Prozent.

Immobilien ja oder nein?

Wer im eigenen Haus oder Wohnung lebt, spart meistens nichts. Das Eigenheim taugt auch nicht als Altersvorsorge, denn die Werterhaltung der Immobilie kostet den Besitzer so viel, dass er sie auch gleich mieten könnte. Merten Larisch von der Verbraucherzentrale Bayern zieht zu diesem Thema eine Statistik aus dem Ärmel. Nach dieser haben Immobilienbesitzer in Deutschland in den letzten 40 Jahren gegenüber Mietern im Durchschnitt weder etwas gespart noch etwas draufgezahlt. „Beide Wohnformen sind finanziell etwa gleichauf“, fasst der Projektleiter Altersvorsorge- und Geldanlageberatung der VZ zusammen. Experten sind sich darin einig, dass sich Wohneigentum rein finanziell gesehen nur dann lohnt, wenn der Besitzer nicht selbst darin wohnt. „Eine gut vermietete kleinere Wohnung in einem Ballungsgebiet kann dem Besitzer hingegen mehr als vier Prozent Rendite bringen.“ So könnte die Drei-Zimmer-Wohnung in Schwabing zur Goldgrube werden, wenn man sie einmal zu einem vernünftigen Preis gekauft habe. Zusätzlich können Kosten, die im Zusammenhang mit dem vermieteten Objekt entstehen, steuerlich geltend gemacht werden.

Als eine gewinnbringende Möglichkeit, vom boomenden Immobilienmarkt zu profitieren, sieht Larisch Immobilienfonds. „Hier wird das Risiko auf mehrere hunderttausend Objekte verteilt. Wenn also in einer einzelnen Wohnung etwas passiert oder es einmal keinen Mieter gibt, dann fällt der Ertragsausfall kaum ins Gewicht.“ Außerdem können Anleger hier mit kleineren Beträgen ab 1000 Euro Anteile zeichnen und müssten nicht gleich mit 100.000 ins Risiko gehen.

Foto: psdesign1 – stock.adobe.com
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