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Finanzen 12.09.2017

Berufsunfähigkeitsversicherung: Sinnvoll oder nicht?!

Berufsunfähigkeitsversicherung: Sinnvoll oder nicht?!

Die Berufsunfähigkeitsversicherung zählt für die meisten Experten zu den wichtigen Policen. Sie ist ein finanzielles Sicherungsnetz, wenn man aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten kann. Aber sie ist oft teuer. Und im Prinzip geht es auch ohne.

Im Schnitt trifft es Arbeitnehmer mit 47 Jahren. Das ist zumindest das Durchschnittsalter, in dem Beschäftigte aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage sind zu arbeiten, hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ermittelt. Die Ergebnisse basieren auf einer Teilerhebung unter GDV-Mitgliedsunternehmen für das Jahr 2015.

Die Gründe, warum Beschäftigte nicht mehr arbeiten können, sind vielfältig. Bei Frauen sind laut GDV psychische Erkrankungen mit einem Anteil von 30 Prozent die häufigste Ursache. Bei den Männern führen psychische Erkrankungen (22 Prozent) etwa genauso häufig zur Berufsunfähigkeit wie Beeinträchtigungen des Bewegungsapparats (21 Prozent). Auch Krebserkrankungen sind ein häufiger Grund (16 Prozent Männer, 22 Prozent Frauen).

Keine Frage: Berufsunfähigkeit ist ein gravierendes Problem. Wer mitten im Berufsleben steht und dauerhaft nicht mehr arbeiten kann, verdient auch kein Geld mehr. «Der Staat sorgt an dieser Stelle nicht mehr ausreichend für die Betroffenen», erklärt Bianca Boss vom Bund der Versicherten in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg. Denn die Erwerbsminderungsrente, die den Berufsunfähigen dann zusteht, deckt nur einen Teil des Einkommens ab. «Insofern geht es hier um die existenzielle Absicherung», sagt Boss.

So ist es auch kaum verwunderlich, dass viele Verbraucher tatsächlich eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) abgeschlossen haben. Laut Statistischem Bundesamt gibt es in gut 30 Prozent der Erwerbstätigenhaushalte eine entsprechende Police. Die GDV-Statistik weist für das Jahr 2016 4,3 Millionen Hauptversicherungen sowie 12,6 Millionen Zusatzversicherungen aus.

Der Haken der BU: Eine Police ist nicht preiswert. «Je risikoreicher der Beruf, desto teurer ist die Absicherung», erklären die Experten der Stiftung Warentest in der Zeitschrift «Finanztest» (Heft 7/2017). Ein Industriemechaniker zum Beispiel müsste bei einem Eintrittsalter von 25 Jahren 894 Euro pro Jahr zahlen, um einen sehr guten Vertrag zu bekommen, der ihm im Ernstfall eine monatliche Rente von 1500 Euro zusichert. Pro Monat ergibt das einen Beitrag von 74,50 Euro. Für manche Berufe lehnen die Versicherer einen Schutz sogar explizit ab.

Aus Sicht von Dirk Ulbricht ist die Absicherung des Risikos Berufunfähigkeit damit zu teuer erkauft. «Bei der BU geht es um eine reine Statusabsicherung», sagt der Direktor des Instituts für Finanzdienstleistungen (iff) in Hamburg. Denn die Versicherung solle verhindern, dass die Betroffenen im Ernstfall Abstriche an ihrem Lebensstandard machen müssen. «Ob ich die Versicherung wirklich in Anspruch nehmen muss, weiß ich ja gar nicht.»

Selbst wenn der Fall der Berufsunfähigkeit eintritt, seien Betroffene durch das Krankengeld zunächst eine Zeit lang finanziell abgesichert. «Oft sind die Betroffenen ja nicht ihr Leben lang nicht mehr in der Lage zu arbeiten, sondern nur zeitweise», gibt der Volkswirt zu bedenken. Viel wichtiger aus seiner Sicht ist der Aufbau eines ausreichenden finanziellen Polsters für die Altersvorsorge. «Die Rente erwischt mich ganz sicher.»

Die Rechnung, die Ulbricht hier aufmacht, ist einfach: Legen Verbraucher in guten Zeiten genügend Geld zur Seite, können sie Zeiten der Berufsunfähigkeit mit diesen Mitteln überbrücken. «Wenn Sie 48 000 Euro angespart haben, könnten Sie sich zwei Jahre lang jeden Monat 2000 Euro auszahlen», rechnet der iff-Direktor vor.

Ein weiterer Vorteil dieser Lösung: An ihre eigenen Rücklagen kommen Betroffene im Prinzip jederzeit heran, während die Versicherung erst prüft, ob die Leistung auch wirklich ausgezahlt wird. Laut GDV entscheiden die Versicherer darüber zwar im Schnitt innerhalb von 13 Tagen, wenn alle Unterlagen vorliegen. Doch die Zusammenstellung der Unterlagen kann durchaus länger dauern: Für die komplette Leistungsprüfung vom Eingang des Leistungsantrags bis zur Entscheidung vergehen im Durchschnitt 101 Tage.

Bianca Boss sieht das anders: «Vorzusorgen, indem Sie selbstständig sparen, ist schwierig», findet die Versicherungsexpertin. Denn oft legten Verbraucher nicht genug Geld beiseite, um auch längere Zeiten der Berufsunfähigkeit zu überbrücken. «Außerdem wissen Sie nicht, wie viel Zeit Sie zum Sparen haben», sagt Boss. «Berufsunfähigkeit kann Sie theoretisch jederzeit treffen.»

Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen möchte, sollte das am besten tun, wenn er noch jung ist. Dann ist der Schutz laut den Experten der Stiftung Warentest meist deutlich günstiger, und Kunden sind in der Regel noch gesund. «Das ist wichtig, denn Versicherer können kranke Kunden ablehnen», erklären die Warentester. Für manche Beschwerden verlangen die Versicherungen Beitragszuschläge oder schließen diese Beschwerden vom Schutz aus.

Ehrlichkeit ist aus Sicht von Bianca Boss bei der Antragsstellung unerlässlich. «Die Gesundheitsfragen müssen wahrheitsgemäß beantwortet werden», sagt die Expertin. Haben Versicherte Vorerkrankungen verschwiegen, kann der Versicherungsschutz im Zweifel verloren gehen. «Und dann stehen Sie am Ende mit leeren Händen da.»

Quelle: dpa

Foto: BRN-Pixel – stock.adobe.com
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