Marketing 11.03.2021

Interview: Hören Sie noch oder podcasten Sie schon?

Interview: Hören Sie noch oder podcasten Sie schon?

Foto: Sensay – stock.adobe.com

Podcasts gehören schon länger zum Trendgeschehen im Bereich Audio-Edutainment. Denn sie reichen mit ihrem leicht zugänglichen Format weit über eine kurzlebige Unterhaltung hinaus. Sie können gebündeltes Expertenwissen locker und leicht aufbereiten, gezielt – bis in die kleinste Nische – informieren und so Diskurse, Ideen und Innovationen voranbringen. Klar, dass auch die Dentalwelt podcastet – auf Zuhörer- wie Produzentenseite. 2021 bestätigt das Audio-Phänomen: Podcasts sind absolut in und fester Bestandteil des modernen Kommunikationsmixes, mit wachsender Fangemeinde!

Doch was genau macht das Format so user-friendly? Wir sprachen mit dem Berliner Journalisten und Podcast-Experten Martin Kaluza über den ungebrochenen Hörtrend.

Herr Kaluza, was macht Podcasts so populär?

Podcasts sind so beliebt, weil sie beiden Seiten viel zu bieten haben: Hörer können sich Podcasts zu den Themen aussuchen, die sie interessieren. Und die Absender können sich, wenn sie geschickt vorgehen, ein Stammpublikum aufbauen, das genau nach ihren Inhalten sucht. Deshalb gibt es auch eine solche Vielzahl von Anbietern: Radiosender bieten in ihren Mediatheken vergangene Sendungen an. Nerds und Bürgerinitiativen können für wenig Geld und mit geringem Aufwand Beiträge zu Themen produzieren, die ihnen am Herzen liegen. Unternehmen und Verbände nutzen Podcasts als PR-Kanäle. Es ist für jeden etwas dabei.

Gibt es Inhalte, die sich besonders gut für das Format eignen?

Das Schöne an Podcasts ist, dass man darin fast alles und auch sehr spezielle Inhalte unterbringen kann. Bei Radio und Fernsehen mag die Reichweite groß sein, doch das heißt auch, dass die Programmplaner Kompromisse eingehen müssen. Podcasts hingegen finden ihr Publikum auch dann, wenn die Zielgruppe klein und in aller Welt zerstreut ist. Sie interessieren sich für Gemüsegärten? Sie finden einen Podcast dazu. Sie möchten auf dem neuesten Stand der Astrophysik sein? Kein Problem. Und noch ein Vorteil von Podcasts: Sie können kurze Themen kurz abhandeln und sich für aufwendige Themen Zeit lassen. Und Sie brauchen, um gehört zu werden, kaum Equipment. All das macht Podcasts zum idealen Wegbegleiter unserer Zeit!

Podcasts in der Dentalwelt informieren rund um die Zahnmedizin und ermöglichen Austausch und Netzwerken. Die Titel aktueller Angebote machen Lust auf mehr: von „Dental Punk“ und „Saure Zähne“ über „IntraDental“ bis „Implatalk“ und „Aufgebohrt“. Seit Dezember 2020 bietet auch die 26-jährige Regensburger Zahnmedizinstudentin Eva-Maria Prey ihren eigens produzierten Podcast an und zeigt damit, wie dynamisch und abwechslungsreich Zahnmedizin heute studiert, gelebt und praktiziert wird.

Eva-Maria, Sie stehen am Ende Ihres Zahnmedizinstudiums in Regensburg – Was hat Sie dazu bewogen, gerade jetzt einen Podcast zu starten?

Während meines bereits abgeschlossenen Bachelorstudiums Medien und Kommunikation hospitierte ich in der Hörfunkredaktion von „Eins zu Eins. Der Talk“ (Bayern 2) und hielt die Casting-Gespräche ab. Seitdem hatte ich den Traum, selbst ein Format über Menschen und deren Geschichten zu starten. Da sich jetzt mit dem Ende des Zahnmedizinstudiums für mich die Frage stellt, wie es weitergeht, schien das der beste Zeitpunkt, mit anderen ins Gespräch zu kommen. Eine Schwellenzeit wie der Berufsstart ist ja oftmals mit Zukunftsangst verbunden. Deshalb lag es mir am Herzen, eine authentische und informative Plattform für alle „Dentalstarter“ zu kreieren, die zeigt, was alles möglich ist und wie bunt und vielfältig die Dentalwelt sein kann.

Welche Themen beleuchtet der Podcast?

Grundsätzlich spreche ich mit meinen Gästen über persönliche Erfahrungen jeder Art, wie zum Beispiel zur Praxisgründung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und zu speziellen Behandlungsmethoden und -trends. Auch auf klassische Spezialisierungs- und Fortbildungsmöglichkeiten, diverse Curricula und Kurse gehen wir ein. Mitunter werden fachfremde Experten zu Gast sein, zum Beispiel zum Thema Stressmanagement und Patientenkommunikation. Darüber hinaus kommen auch Zahntechniker*innen oder Zahnmedizinische Fachangestellte zu Wort, da der zahnärztliche Betrieb ohne sie unmöglich wäre und eine funktionierende Zusammenarbeit essenziell ist. Vereinzelt werden auch studentische Gespräche stattfinden, da mich so manche Studiumsthemen ja selbst noch beschäftigen.

Ein Podcast lässt sich wunderbar in unseren Alltag integrieren – einfach anklicken und loshören, wo immer man gerade ist. Doch was so leicht daherkommt, braucht ein Händchen für Technik, Texte und Gespräche. Wie haben Sie sich das angeeignet und wie läuft die Produktion ab? Machen Sie das eher spontan oder bereiten Sie sich sehr genau vor?

Ich glaube, das kreative Händchen für Texte hatte ich schon immer, und das war auch ausschlaggebend für meine Entscheidung zum Bachelorstudium Medien und Kommunikation. Während dieser Zeit durfte ich in diversen Praktika bei Zeitungen und Rundfunkeinrichtungen ein Gespür für Menschen und deren Geschichten entwickeln. Jedoch zog es mich danach noch in den medizinischen Fachbereich – man hat ja nur das eine Leben! Dementsprechend freue ich mich, dass ich aktuell beide Richtungen verbinde. Da ich den Podcast zwar lange Zeit im Kopf hatte, mich der kreative „Startschussmoment“ aber akut eines Abends in meiner Studenten-WG überkam, musste ich technisch improvisieren. Da Headset und Aufnahme-Apps eine erstaunlich gute Audioqualität erzielten, habe ich das bisher so beibehalten. Generell halte ich mit meinen Gästen ein Vorgespräch ab und bereite daraufhin einen Leitfaden mit groben Anhaltspunkten vor. Nach dem eigentlichen Podcast-Talk kreiere ich alle Texte und erstelle ein Schnittprotokoll. Im Bachelorstudium hat mir der Audioschnitt zwar immer Spaß gemacht – da sich Zahnmedizinstudium und Doktorarbeit aber nicht von selbst machen, bin ich sehr dankbar, dass mir mein Freund, der beruflich in der Medienbranche tätig ist, seinen technischen Schnitt-Support angeboten hat. Der Anbieter Anchor.fm dient als Hosting-Plattform. Ein Großteil der Zeit fließt noch ins Social-Media-Marketing, da man eben heutzutage auf diesem Wege die Menschen erreicht. 

Der Beitrag ist im ZWP spezial erschienen.

Mehr News aus Marketing

ePaper