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Patienten 02.10.2017

Akuter Asthmaanfall in der Praxis: Schnell und richtig handeln

Akuter Asthmaanfall in der Praxis: Schnell und richtig handeln

Asthma bronchiale zählt in Deutsch­land mit zu den häufigsten chronischen Erkran­kungen, circa zehn Prozent der kind­lichen und fünf Prozent der er­wachsenen Bevölkerung sind hiervon betrof­fen. Im Kindesalter wird sie so­gar als häufigste chronische Erkran­kung beschrieben.

Ursachen

Einen Asthmaanfall können verschiedene Faktoren einzeln oder gemein­-­sam auslösen. Anhand der auslösen­-den Faktoren wird zwischen einem allergischen – Extrinsic – und einem nicht­ allergischen – Intrinsic – Asthma unterschieden. Es gibt aber auch Mischformen.

Allergisches Asthma

Bei einem allergischen Asthma stellt die IgE-Antikörper-Reaktion die allei­nige Ursache der Erkrankung dar. Durch die Allergenexposition reagieren die Mastzellen mit einer hohen Ausschüttung an Histamin. Als häufige Auslöser werden Allergenkontakte (Hausstaubmilben, Pilzsporen, Tierhaare, Pollen etc.), Nahrungsmittel, Eiweiße, Konservierungsmittel und Insektengifte beschrieben.

Nicht allergisches Asthma

Als nicht allergisches (Intrinsic) Asthma werden alle Formen genannt, die keine allergische Ursache zeigen. Dies wird häufig durch Virusinfektionen und unspezifische Reize wie körperliche Belastung getriggert. Atemwegsinfekte, körperliche Belastung, kalte Luft und Stress stellen hierbei die häufigsten Auslöser dar.

Bei einer Reizung bzw. Entzündung der Bronchien werden Stoffe freigesetzt, die die Reaktion verstärken. Durch die freigesetzten Mediatoren (z.B. Histamin) kommt es zu einer Bronchokonstriktion, Hypersekretion und bei länger anhal­tenden Anfällen kommt es zusätzlich zu einem Bronchialwandödem. Diese Trias verengt das Lumen der Atemwege weiter. Bei länger anhaltenden An­fällen kommt es zusätzlich zu einem Bronchialwand­ödem. Eine erschwerte und verlängerte Ausatemphase ist die Folge. Durch die Minderperfusion der Alveolen wird eine Hypoxie verursacht. Der erhöhte Sauerstoffbedarf, bedingt durch die gesteigerte Atemtätigkeit, verschlechtert die Situation weiter.

Die Trias beim Asthmaanfall stellt sich wie folgt dar:

  • Bronchialmuskulatur verkrampft (Bronchospasmus)
  • Anschwellen der Schleimhaut (Schleimhautödem)
  • Produktion von zähem Schleim (Dyskrinie)

Typische Symptome für einen Asthmaanfall sind:

  • Hustenattacken
  • Orthopnoe bis Dyspnoe
  • Tachypnoe
  • Periphere Zyanose
  • Verlängerte Expiration mit Pfeifgeräuschen (Giemen)
  • Angst und Unruhe
  • Aktivierung der Atemhilfsmuskulatur
  • Lippenbremse
  • Kaltschweißigkeit

Bei besonders schwerem Verlauf besteht die Gefahr der respiratorischen Erschöpfung. Diese ist gekennzeichnet durch eine unregelmäßige Atmung mit abnehmender Frequenz und deut­licher Erschöpfung, bis hin zur Be­wusstseinsstörung durch Hyperkapnie bzw. Sauerstoffmangel.

Was tun?

Das Wichtigste in dieser Notfallsituation ist das Erkennen der Situation anhand der Symptome, die der Patient zeigt oder beschreibt. Daher ist bereits der Verdacht grundsätzlich eine Indikation für den Rettungsdienst. Das Absetzen des Notrufs über die 112 sollte zeit­-gleich mit den ersten Maßnahmen er­folgen. Diese ersten Maßnahmen umfassen:

Konsequente Immobilisation und Beruhigung:
• Körperliche Aktivitäten und Unruhe des Patienten sollten vermieden werden
• Öffnen von beengender Kleidung

Lagerung:
• Ansprechbare Patienten sollten mit dem Oberkörper hoch gelagert werden. (Hierzu kann der Patient die Arme auf die Oberschenkel stützen, wodurch er gleichzeitig die Atem­hilfsmuskulatur einsetzen kann – Kutschersitz.)

Lippenbremse
• Der Patient soll aufgefordert werden, durch die locker aufeinander gelegten Lippen auszuatmen. (Hierdurch wird ein Atemluftrückstau erzeugt der dazu beiträgt, dass der Druck in den Bronchien erhöht bleibt und somit ein Kollaps der Bronchien vermieden wird.)

Kontrollierte Sauerstoffgabe
• Bei Bedarf circa 6 l/min per Inhala­tionsmaske. Dieser zusätzlicher Sauerstoff reduziert die Hypoxie.

Medikation
• Sollte der Patient eigene Medikamente (Pumpspray etc.) bei sich tragen, sollte er bei der Applikation unterstützt werden.

Weiterhin gilt es, für den Patienten eine ruhige Umgebung zu schaffen, indem er in ein Behandlungszimmer gebracht oder in anderer Form vor weiteren Einflüssen abgeschirmt wird. Atemerleichternde Maßnahmen wie der Kutschersitz und die Lippenbremse sind die ersten wichtigen, nichtinvasiven The­rapiemaßnahmen. Mit einer differen­zierten Sauerstofftherapie kann einer Hypoxie entgegengewirkt werden. Die Überprüfung der Vitalparameter wie Blutdruck, Sauerstoffsättigung, Puls­frequenz und Atemfrequenz sind obligat. Wichtig ist zudem, dass der Patient bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes nicht unbeaufsichtigt bleibt.

Fazit

Das Asthma bronchiale stellt sich als eine chronisch entzündliche Erkran­kung der Atemwege dar, einhergehend mit einer variablen Atemwegsobstruktion und einer bronchialen Hyperreagi­bilität. Anfallsweise Episoden schwerer Atemnot kennzeichnen diese Erkrankung, hierbei kommt es zu einer akuten Obstruktion der Atemwege.

Zeigt ein Asthmapatient die vorangestellten Symptome, muss sofort von­seiten des Praxis­personals der medizi­nische Notfall erkannt und umgehend richtig reagiert werden. Denn, wie in jeder anderen Notfallsituation auch, zählt bei akuten Asthmaanfällen jede Sekunde!

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Foto: Wavebreakmedia – Shutterstock.com
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