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Patienten 16.08.2017

Gegen die Schockstarre: Sofortmaßnahmen bei Anaphylaxie

Gegen die Schockstarre: Sofortmaßnahmen bei Anaphylaxie

Der moderne Mensch ist fortlaufend neuen Arzneien, in Zahnarztpraxen insbesondere Medikamenten und Lokalanästhetika, ausgesetzt. Die schwerste und womöglich tödliche Folge einer allergischen Reaktion darauf ist der anaphylaktische Schock. Oftmals ist die Allergie den Betroffenen vorher nicht bekannt und entsprechend nicht im Auf­klärungsbogen vermerkt. Für das gesamte Praxisteam ist es daher äußerst wichtig, Anzeichen einer Anaphylaxie recht­zeitig zu erkennen und sofort geeignete Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Unter der Anaphylaxie versteht man eine akute systemische Unverträglichkeitsreaktion, die den ganzen Orga­nismus erfassen kann und potenziell lebensbedrohlich ist. Die Anaphylaxie ist eine allergische Reaktion von IgE-vermittelten Soforttyp. Kommt es zum erstmaligen Allergenkontakt im Körper, bilden sich in der „Phase der Sensibilisierung“ vermehrt spezifische IgE-Antikörper gegen das Antigen. IgE-Anti­körper haben die Form eines Y, das an seinen offenen Enden zwei Anti­genbindungsstellen besitzt, an denen nur das auslösende Allergen gebunden werden kann (Schlüssel-Schloss-Prinzip). Mit dem geschlossenen Schlüssel des Y bildet der IgE Antikörper an Oberflächenrezeptoren – vor allem an Mast­zellen, aber auch an basophilen Granulozyten. Kommt es zu erneutem Allergenkontakt und das Antigen bindet an zwei IgE Antikörper (Crosslinking), führt das zur Degranulation der Mastzellen und zur massiven Freisetzung von sehr vasoaktiven Mediatoren wie Histamin, Bradykinin und Leukotrien.

Symptomatik und ihre Folgen

Diese Mediatoren führen zur klassischen klinischen Erscheinung der anaphylaktischen Reaktion an Haut, Atemwegen, Gastrointestinaltrakt und kar­diovaskulärem System. So bewirkt Histamin eine Vasodilata­-tion und Steigerung der Gefäßperme­abi­lität mit Bildung lokaler Ödeme oder eine generalisierte Vasodilatation mit Schocksymptomatik (anaphylaktischer Schock).

Eine Schleimhautschwellung der Atemwege und ein Bronchospasmus hat Dyspnoe und ggf. eine Totalverlegung der Atemwege zur Folge, und die da­mit verbundene Hypoxie kann für sich oder gemeinsam mit der maximalen Vor- und Nachlastsenkung zum Herz- Kreislauf-Stillstand und damit zum Tode führen.

Die Stadieneinteilung erfolgt anhand der Schweregradausprägung der Symptome – siehe Tabelle 1 (Quelle: Allergo J. Int. 2014; 23: 96; Leitlinie zu Akuttherapie und Management der Anaphylaxie; AWMF-Register-Nr. 065–025).

Die Relevanz dieser Dinge für eine Zahnarztpraxis erklärt sich durch die exogenen Faktoren, die eine anaphylaktische Reaktion auslösen können – siehe Tabelle 2 (Quelle: Allergo. J. Int. 2014; 23: 96; Leitlinie zu Akut­therapie und Management der Anaphylaxie; AWMF-Register-Nr. 065–025).

Auslöser in der Zahnarztpraxis 20 Prozent der anaphylaktischen Re­aktionen bei Erwachsenen werden durch Arzneimittel, insbesondere durch Analgetika und Lokalanästhetika, ausgelöst. Zeigt der Patient oben ge­nannte Symptome oder kommt es im Sinne von Prodromalsymptomen zu initial leichteren Beschwerden wie Juckreiz beziehungsweise Brennen an den Handinnen­flächen und Fußsohlen, einem metal­lischen Geschmack, Angstgefühlen, Kopfschmerzen oder Des­orientierung, sollten sofort Notfallmaßnahmen er­griffen werden.

Was tun im Notfall?

  • Keine Reaktion und keine normale Atmung
  • Notruf 112
  • 30 Thoraxkompres­sionen
  • 2 Beatmungen
  • Herzdruckmassage und Beatmung im Verhältnis 30 : 2
  • Sobald ein Automatisierter Externer Defibrillator eintrifft – einschalten und Anweisungen folgen

Wissen was zählt: Notfallmaßnahmen für die Praxis

Als erste und wichtigste Maßnahme sollte die Allergenzufuhr gestoppt und der Rettungsdienst über die 112 verständigt werden. Nach Absetzen des Notrufs sollten ansprechbare Pa­tienten, soweit von der respiratorischen Situation tolerierbar, in Schocklage gelagert und an das in der Praxis vorhandene Monitoring zur Überwachung der Kreislaufsituation (Blutdruck, Sauerstoffsät­tigung, Pulsfrequenz) angeschlossen werden. Da aufgrund des Schleimhautödems und des Bronchospasmus eine Ateminsuffizienz droht, empfiehlt sich eine Sauerstoffgabe von 8–10 l/min über eine Gesichtsmaske.

Verfügt die Zahnarztpraxis über einen Notfalladrenalinpen oder wird dieser bei bekannten Allergikern mitgeführt, sollte die Applikation, ab Stadium 2, schnellstmöglich intramuskulär (Mus­culus vastus lateralis) erfolgen. Kommt es zur raschen Verschlechterung der klinischen Symptome des Patienten und im schlimmsten Fall zum Herz-Kreislauf-Stillstand, muss umgehend mit der kardiopulmonalen Reanimation begonnen werden. Ist der Patient im wei­teren Verlauf nicht mehr ansprechbar, sollte durch das Setzen eines Schmerzreizes der Bewusstseinszustand überprüft werden. Reagiert der Patient nicht, erfolgt durch Sehen, Hören und Fühlen die Kontrolle der Atmung. Fehlt diese oder ist pathologisch, sollte sofort mit der kardiopulmonalen Reanimation begonnen werden. Durch die unverzüg­-lich und korrekt durchgeführte Herzdruckmassage (HDM) wird ein mini­maler, aber lebenswichtiger Blutfluss zum Gehirn und den wichtigsten Organen aufgebaut und aufrechterhalten. Verfügt die Praxis über einen Automatisierten Externer Defibrillator (AED), sollte dieser so schnell wie möglich angeschlossen werden. Der AED führt eine automatisierte EKG-Analyse durch, unterstützt den Ersthelfer durch Sprach­anweisungen und gibt nur eine Defi­brillation frei, wenn diese tatsächlich notwendig ist. Damit ist ein AED eine ideale Ergänzung der Notfallausstattung in jeder Praxis.

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Foto: ashatuvango – stock.adobe.com
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