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Patienten 19.06.2020

Kinderzahnheilkunde im südafrikanischen Port Elizabeth

Kinderzahnheilkunde im südafrikanischen Port Elizabeth

Die beiden jungen Zahnmediziner Dr. Malin Janson und Dr. Christoph Schoppmeier von der Universitätsklinik Köln unternahmen im Februar 2020 ein lang gehegtes Vorhaben: Sie reisten nach Südafrika und versorgten – acht Tage lang und auf eigene Kosten – Kinder in einer Region, die sonst keinen freien Zugang zu einer adäquaten Zahnheilkunde ermöglicht.

Im Januar 2020 nahmen wir Kontakt mit der Leiterin des SOS-Kinderdorfs, Jackie Scheuble, in Port Elizabeth im Ostkap Südafrikas, auf. Da diese Region nicht direkt am Touristen-Hotspot Kapstadt liegt, kommt dort weniger externe Hilfe an, sodass wir die ersten Zahnärzte waren, die das SOS-Kinderdorf besuchten. Vor Ort erwarteten uns 86 anfangs schüchterne und zunehmend neugierige Kinder zwischen ein und 19 Jahren. Jeweils acht Kinder leben zusammen mit ihrer Gastmutter in einer familiären Struktur auf dem Gelände. Innerhalb eines dieser Wohnhäuser bauten wir kurzerhand einen zahnmedizinischen Untersuchungsraum auf. Die zahnmedizinische Versorgung der Kinder gliederten wir in zwei Abschnitte. Der erste Teil der Versorgung bestand aus einem allgemeinen Screening mit daran anschließender Gruppenprophylaxe (Mundhygieneinstruktion mit Zahnbürste und Zahnpasta), die wir jeweils pro Wohnhaus durchführten, wobei sich die Kinder gegenseitig zuschauten und motivierten.

Allgemeines Screening während des ersten Zahnarztbesuchs. © privat

Im zweiten Teil konnten wir an den folgenden Tagen anhand der erhobenen Befunde alle notwendigen zahnmedizinischen Behandlungen durchführen: Wir entfernten tief kariös zerstörte Zähne und Wurzelreste, legten Füllungen oder führten Individualprophylaxemaßnahmen durch, indem wir z. B. hoch dosierte Fluoridlacke applizierten. Zusätzlich verwendeten wir Silberdiaminfluorid, ein neuartiges kariesprophylaktisches Mittel, als optimale Lösung zur langfristigen Kariesarretierung. Für alle durchgeführten Behandlungen war selten eine umfangreiche Desensibilisierung notwendig, sodass der umfunktionierte Wohnzimmerbereich – unser „Wartezimmer“ – stets voll war. Jackie Scheuble sagte uns zum Abschluss, dass die Kinder trotz der kariösen Zähne meist keine Behandlung bei ortsansässigen Zahnärzten erhalten, da dies mit hohen Privatleistungen verbunden ist. Daher instruierten wir die Gastmütter des Kinderdorfs, die Mundhygiene der Kinder weiter zu verbessern, und verließen am Ende der Woche glücklich das SOS-Kinderdorf mit dem Wissen, dass unser Besuch zwar nur einen Bruchteil im Leben der kleinen Patienten ausgemacht hat, aber trotzdem ein wichtiger Einsatz war, den wir gewiss wiederholen werden.

Der Beitrag ist in ZWP Zahnarzt Wirtschaft Praxis erschienen.

Foto Teaserbild: Autoren

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