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Personalmanagement 04.03.2016

Führung vollkommen neu definiert – Generation Y in der Praxis

Stefan Häseli
E-Mail:
Führung vollkommen neu definiert – Generation Y in der Praxis

Gestatten, Generation Y! Längst sind sie mitten unter uns, die 30-jährigen Zahnärzte, zahntechnische Assistentinnen, Mitarbeiter im Labor. Und mit ihnen in den Praxen mindestens ebenso viele Vorurteile wie Herausforderungen und Chancen im Umgang miteinander. Eines steht fest: So wie jede Generation zuvor definieren auch die Millennials Führung vollkommen neu. Umso wichtiger für die vorausgehende und nachfolgende Generation, sich damit auseinanderzusetzen.

Irgendwie ja auch logisch, dass nach dem X das Y folgt – nicht nur im Alphabet ist das so, sondern auch in der Abfolge der Generationen. Erlebten die sogenannten Babyboomer (geboren 1950 bis 1965) die Emanzipation, den wachsenden Wohlstand, aber auch die Ersetzbarkeit des Einzelnen, war die Generation X (geboren 1965 bis 1980) gezeichnet vom Umbruch sowie fehlender Sicherheit, aber auch wachsender Individualität und dem geschätzten Ehrgeiz des Einzelnen. Die Generation Y (geboren 1980 bis 1995) schließlich steht für Optimismus, Selbstbewusstsein, Leistungswille – zumindest bei selbst festgelegten Strukturen – sowie vielfältige Optionen, aber auch die Sehnsucht nach stabilen Werten durch den Verlust klassischer Sicherheiten. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne – so könnte das Motto der Millennials lauten. Oftmals verwöhnt standen diesen alle Möglichkeiten offen. Doch wenn alles denkbar war und ist und man sich in vielerlei Hinsicht erproben konnte, wird irgendwann auch der Wunsch zumindest nach etwas Stabilität und Kontinuität geweckt.

Warum?


Die Generation Y steht – wie das (WH)Y bereits andeutet – für WARUM, das Hinterfragen von Althergebrachtem. Und genau mit diesem Hinterfragen stellt die Generation Y nicht nur die Arbeitswelt, sondern vor allem die Führungswelt ihrer Vorgesetzten auf den Kopf. Die oftmals vollkommen andere Vorstellung von dem, was Arbeit ausmacht (Spaß contra Pflicht) und wie Arbeit abläuft (selbstbestimmt statt Stechuhr) führt unweigerlich zu Konflikten – im Praxisteam und in der Führung.

Vielfältige Vorurteile


Verwöhnt, selbstgefällig und viel zu hohe Ansprüche – so die Aussagen, die man von den Älteren oft hört, wenn es um die Generation Y geht. Umgekehrt halten diese die Generation X für nicht flexibel, nicht belastbar und in keiner Weise fähig, das Leben zu genießen. Auf der einen Seite das Gefühl, etwas Besonderes zu sein, verbunden mit dem Wunsch, sich eigenverantwortlich einzubringen sowie sich selbst zu verwirklichen. Auf der anderen Seite der eher formelle Umgang miteinander, die geringe Kommunikation und das Bedürfnis, Wissen zu sichern, indem man es für sich behält. Prallen Welten aufeinander, darf man sich nicht wundern, wenn es Scherben gibt. Auf beiden Seiten. Dabei wäre gerade ein offenes und faires Miteinander wichtig, um von Anfang an Grenzen (vor allem die im Kopf) einzu­reißen und nach Möglichkeiten (z.B. in der täglichen gemeinsamen Arbeit in der Zahnarztpraxis) Ausschau zu halten. Schließlich müssen die Millennials eine gewaltige Lücke schließen, wenn bald die letzten Babyboomer in Rente gehen.

So stellt sich die Generation Y das Leben vor


Auch wenn viele Praxisinhaber noch Angst haben – die jungen Zahnmediziner wissen, dass sie als Fachkräfte ein knappes „Gut“ und deshalb heiß begehrt sind. Wenn auch zugegebenermaßen etwas Ich-bezogen und manchmal zu selbstbewusst, können Millennials vor allem mit Unsicherheiten (und davon gibt es heute mehr denn je) gut umgehen. Besonders in der Kommunikation mit (jüngeren) Patienten treffen Sie den richtigen Ton. Mit einer gesunden Portion Optimismus und unter dem Motto „Sa machen wir das Beste draus!“ sind diese Improvisationskünstler wertvoll für jede Zahnarztpraxis. Vorausgesetzt diese bietet den Millennials möglichst viele Optionen und gewährt ihnen die Unabhängigkeit, die sie brauchen, um Spaß zu haben und glücklich zu sein. Und vielleicht kann ja sogar der eine oder andere ältere Berufskollege – vom Burn-out bedroht – etwas von der Work-Life-Balance der Generation Y lernen.

K.O.-Kriterien vermeiden


Auf Aussagen wie „Hier macht man ...“ oder „Das haben wir schon immer/noch nie so gemacht ...“ reagieren junge Dentisten oder Assistentinnen der Generation Y misstrauisch. Ebenso kritisch betrachten sie hierarchische Praxisstrukturen, sodass ein „Ich bin hier der Chef!“ eher kontraproduktiv ist. Die bedingungslose Hingabe für den Beruf, wie sie die Generation X lebt, ist ihnen ebenso fremd, wie demütiges Arbeiten nach Vertrag, Überstunden zu schieben und Arbeitsbedingungen zu akzeptieren, die nicht passen – wohlgemerkt immer bezogen auf die Rahmenbedingungen und nicht den Dienst am Patienten. Vielleicht öffnen sie mit ihrem unerschrockenen Vorgehen ja auch den Tunnelblick des einen oder anderen älteren in der zahnärztlichen Praxis.

Fünf Tipps für die Führung der Generation Y

1. Regelmäßiges Feedback (like/dis-like)

Die gesamte Generation Y ist hungrig nach Feedback. Geben Sie es, nicht nur im Rahmen des Jahresgesprächs. Die Trennung on-/offline existiert für Millennials nicht. Jede Facebook-Nachricht wird innerhalb von Minuten kommentiert, darum: Sie ­können (fast) nicht genug Rückmeldung geben.

2. Sinn und Lebensqualität

Die Generation Y ist weniger dazu bereit, alles dem Beruf zu unterstellen. Das heißt nicht, dass sie nicht engagiert ist, sondern dass sie in erster Linie den Sinn bei der Arbeit sehen will. Gerade junge Väter möchten darüber hinaus heute vielmehr auch Zeit für die Familie und Kinder haben. Das ist zu respektieren, und nur, weil Sie es selbst noch nicht hatten (aber im Grunde vielleicht auch gerne so gehabt hätten), verweigern Sie diese Balance nicht.

3. Eine andere Art von Karriere

Junge Mitarbeiter sind oft nicht direkt auf die große Karriere nach oben aus. Aber Karriere im Sinne von verschiedenen Arbeitsbereichen mögen sie durchaus sehr. Eine „Seitwärtskarriere“ ist für viele zumindest in gewissen Phasen sehr erstrebenswert.

4. Ausreichend Freiraum

Ganz entscheidend ist, dass Sie den jungen Mitarbeitern genügend Freiraum lassen. Damit gemeint ist der Freiraum in der detaillierten Ausgestaltung der eigenen Arbeit. Die Generation Y mag klare Ziele, ist aber gefordert und glücklich, wenn sie den Weg dazu selbst bestimmen kann.

5. Gar nicht so anders …

Und somit sind wir an einem Punkt angelangt, der im Grunde nichts anderes sagt als doch schon lange bekannt ist. Die Zahnmediziner der Generation Y sind vielleicht im Endeffekt „gar nicht so anders“ als wir es waren oder gerne gewesen wären, mit dem Unterschied, dass sie ihre Wünsche konsequenter einfordern. Darum der Tipp an alle Praxischefs: Bleiben Sie sich selbst treu, verdrehen Sie sich nicht, machen Sie vor allem das, was wohl allen Mitarbeitern gut tut. Schenken Sie aufrichtige Wertschätzung, ehrliches Feedback und genau die Menge an Freiraum, den jeder Einzelne – unabhängig seiner Generation – braucht!

Foto: © BigLike Images – Fotolia.com
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