Praxiseinrichtung 10.04.2026
Durchdachtes Design für Dentalpraxen: Zwischen Workflow und Wohlfühlfaktor
Das Familienunternehmen verbindet traditionelle Handwerkskunst mit tiefem Verständnis für Praxisprozesse und denkt Praxisdesign konsequent neu. Ein Interview mit Geschäftsführer Holger Kappler.
Herr Kappler, Sie planen und realisieren seit vielen Jahren Praxen. Was machen Sie anders als klassische Architekten?
Der größte Unterschied liegt in unserer Denkweise. Klassische Architekten gehen oft vom Raum aus. Sie entwerfen ein Konzept und passen die Nutzung daran an. Wir drehen diesen Prozess um. Bei uns stehen die Abläufe in der Zahnarztpraxis am Anfang: Wie läuft eine Behandlung konkret ab? Welche Wege legt das Team zurück? Wo entstehen Wartezeiten oder unnötige Schnittstellen? Auf dieser Basis entwickeln wir die räumliche Struktur. So entsteht eine Praxis, die den Alltag optimal unterstützt.
Das erfordert ein sehr spezifisches Verständnis für Praxisprozesse. Woher kommt diese Spezialisierung?
Wir konzentrieren uns seit Jahrzehnten auf medizinische Einrichtungen über alle Fachrichtungen hinweg. Dadurch haben wir uns ein sehr tiefes Know-how erarbeitet, das von Sterilgutkreisläufen über Behandlungslogistik bis hin zu ergonomischen Anforderungen am Arbeitsplatz reicht. Wir planen nicht abstrakt, sondern aus der realen Nutzung heraus.
Die Kappler GmbH & Co. KG ist ein Familienunternehmen. Welche Rolle spielt diese Tradition heute noch?
Unsere Wurzeln liegen im klassischen Schreinerhandwerk und diese DNA ist bis heute spürbar. Gleichzeitig verstehen wir uns als modernes Unternehmen, das sich kontinuierlich weiterentwickelt. Wir investieren in digitale Planung, arbeiten mit präzisen Fertigungstechnologien und setzen uns intensiv mit neuen Materialien auseinander. Diese Verbindung aus Tradition und Innovation ist für uns kein Widerspruch, sondern ein klarer Wettbewerbsvorteil.
Gerade in der Dentalbranche sind die Anforderungen besonders hoch. Wie fließt das in Ihre Möbelproduktion ein?
In Zahnarztpraxen geht es um Präzision, Hygiene und Langlebigkeit. Unsere Möbel sind deshalb keine Standardprodukte, sondern individuell entwickelte Lösungen. Jeder Schrank, jede Einheit wird auf die spezifischen Anforderungen der Praxis abgestimmt. Dabei spielt das Handwerk eine zentrale Rolle: Unsere Mitarbeiter fertigen mit großer Sorgfalt und einem hohen Qualitätsanspruch. Gleichzeitig nutzen wir modernste Technik, um diese Qualität reproduzierbar und effizient umzusetzen.
„Mich fasziniert die Kombination aus Funktion, Design und Handwerk. Jede Zahnarztpraxis ist ein eigenes System mit individuellen Anforderungen. Unser Anspruch ist es, Lösungen zu entwickeln, die den Alltag für Behandler, Team und Patienten spürbar verbessern. Wenn eine Praxis am Ende nicht nur gut aussieht, sondern auch messbar effizienter arbeitet, dann haben wir unser Ziel erreicht.“
Welche Bedeutung hat Design in der Zahnarztpraxis heute?
Eine sehr große und zwar auf mehreren Ebenen. Zum einen beeinflusst Design die Wahrnehmung der Patienten. Eine angenehme, hochwertige Umgebung kann Ängste reduzieren und Vertrauen schaffen. Zum anderen hat Design eine funktionale Dimension: Es strukturiert Abläufe, schafft Orientierung und verbessert die Arbeitsbedingungen für das Team. Unser Ziel ist es, beides miteinander zu verbinden.
Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?
Ein typisches Beispiel ist die Sterilisation. In vielen Praxen ist dieser Bereich nicht optimal in den Workflow integriert. Das führt zu unnötigen Wegen und Zeitverlusten. Wir analysieren solche Abläufe sehr genau und entwickeln Lösungen, bei denen Behandlungsräume, Aufbereitung und Lager optimal aufeinander abgestimmt sind. Oft entstehen daraus ganz neue Raumkonzepte, die deutlich effizienter sind als klassische Ansätze.
Welche Trends beobachten Sie aktuell im Dentalpraxis-Design?
Wir sehen eine zunehmende Individualisierung. Zahnärzt/-innen möchten ihre Praxis stärker als Marke positionieren. Gleichzeitig gewinnt das Thema Nachhaltigkeit an Bedeutung, sowohl bei Materialien als auch in der Produktion. Und natürlich verändert die Digitalisierung viele Prozesse, was sich auch im Raum widerspiegelt. Darauf müssen wir in der Planung reagieren.
Autorin: Christiane Theurer