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Praxishygiene 30.10.2013

Der Hygieneplan

Der Hygieneplan

Teil III aus der Serie Hygienemanagement „WENIGER IST MEHR“

Das Wichtigste in einem funktionierenden und gelebten Hygienemanagement sind die Mitarbeiterinnen einer Praxis. Ohne das persönliche Engagement jeder Einzelnen können die notwendigen und aufgestellten Regeln nicht funktionieren. Im vorherigen Teil unserer Fachartikelserie haben wir uns über die wichtigen Aufgaben der Hygienebeauftragten verständigt.

Die Hygienebeauftragte der Praxis koordiniert alle Hygieneaufgaben, und ohne die Unterstützung aller Mitarbeiterinnen steht sie auf verlorenem Posten. In diesem Teil geht es um die schriftliche Festlegung, wer in der Praxisorganisation befugt ist, aufbereitete Instrumente zur erneuten Anwendung freizugeben. Wir werden uns mit dem ersten Hygieneplan für „kontaminierte Wäsche“ beschäftigen und uns mit den wichtigen arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen für alle Mitarbeiterinnen einer Praxis auseinandersetzen.

Wer ist berechtigt?

Ein einfaches Formblatt bringt hier z.B. Klarheit in die Sache. In einer Tabelle werden alle Mitarbeiterinnen aufgelistet, die durch die Praxisleitung eine Berechtigung erhalten haben, aufbereitete Instrumente nach einer Desinfektion z.B. aus dem Thermodesinfektor oder aber aus einer Sterilisation freizugeben. In einer Tabellenspalte müssen die Mitarbeiterinnen eine Unterschrift zur persönlichen Identifikation leisten. In der letzten Spalte der Tabelle hinterlassen die Mitarbeiterinnen ihren Namenskürzel (wenn das in der Praxis so vorgesehen ist). Dieses Formblatt unterliegt in dem Hygienemanagement dem Änderungsdienst des eingeführten Qualitätsmanagementsystems. Das bedeutet, dass jegliche Änderung mit einem neuen Änderungsstand abgesichert werden muss. Die „alte“ Unterlage muss dann archiviert werden. Hier unterliegt die Praxis einer lückenlosen Nachweispflicht. Das vollständig ausgefüllte Formblatt gehört in den Aushang im Steri.

TIPP: Viele Autoklaven vergeben für die Mitarbeiterinnen eine interne Nummer. Diese kann in einer weiteren Spalte dem Formblatt zugeordnet werden, sodass sich die nachfolgende Aufteilung ergibt: „Name der Mitarbeiterin, Unterschrift, Namenskürzel und Nummer der Autoklaven.“ Verlässt eine chargenberechtigte Mitarbeiterin die Praxisorganisation, so sollte die frei werdende Nummer nicht erneut vergeben werden.

Freigabetabelle

Aufgaben in einem Hygienemanagement

Die sich in einer Praxis im Einsatz befindliche textile Praxiskleidung und sonstige sich in der Anwendung befindlichen Textilien müssen durch geeignete Verfahren aufbereitet werden. Die Sammlung und hygienische Aufbereitung muss in einem Hygieneplan für die Praxis individuell festgelegt werden. Im Nachfolgenden werden stichpunktartig die wichtigsten Aspekte eines Hygieneplans dargelegt. Wir müssen wissen, dass die in einer Praxis eingesetzte Kleidung, insbesondere Kittel, Hosen und T-Shirts, berufsspezifische Kleidung mit einer eingeschränkten Schutzfunktion darstellt. Darüber hinaus werden in einer Praxisorganisation weitere Textilien wie Handtücher, Abdecktücher und Umhänge eingesetzt. Im Laufe eines Behandlungstages kann die o.g. Praxiswäsche kontaminiert und verschmutzt werden durch:

  • Aerosole und Spritzer während der Behandlung,
  • direkten Kontakt mit Patienten sowie mit kontaminierten Materialien, Gegenständen und Flächen,
  • Reinigungs- und Wartungsarbeiten und
  • unsachgemäßer Aufbewahrung der Praxiswäsche selbst.

Um auch hier das vorhandene Infektionsrisiko in der Praxis zu minimieren, wird Nachfolgendes beachtet:

Wäschewechsel in der Praxis

  • Mindestens zweimal pro Woche muss der Wechsel der textilen Praxiskleidung für alle Mitarbeiterinnen möglich sein.
  • Bei sichtbarer Verschmutzung (z.B. Blut) muss die Praxiskleidung nach Beendigung der Behandlung des Patienten gewechselt werden.
  • Nach Beendigung einer Behandlung mit einem Patienten mit bekanntem Infektionsrisiko, insbesondere HBV, HCV oder HIV positiv, ist die Praxiswäsche unbedingt zu wechseln.
  • Sonstige Textilien wie Handtücher und Abdecktücher müssen nach jedem Patienten gewechselt werden.
  • Nach dem Umgang mit kontaminierter Praxiskleidung wird grundsätzlich eine hygienische Händedesinfektion durchgeführt.

Aufbereitung textiler Praxiskleidung und sonstiger Textilien

Bei der mit der Wäscheaufbereitung beauftragten Mitarbeiterin wird besonders auf den persönlichen Schutz geachtet. Benutzte Wäsche wird in widerstandsfähigen und dichten Behältern oder Säcken – getrennt nach Art des vorgesehenen Waschverfahrens (thermisch oder chemothermisch) – gesammelt. Dieses Verfahren erfolgt auch beim Transport der Wäsche z.B. in eine Wäscherei.

Es besteht auch die Möglichkeit, dass die Berufskleidung von jeder Mitarbeiterin selbst gewaschen wird. Die Aufbereitung der Wäsche erfolgt dann in herkömmlichen Haushaltswaschmaschinen im sogenannten Kochwaschgang (thermisches Waschverfahren). Waschprogramme bei einer Temperatur unter 90 Grad werden mit einem VAH-zertifizierten Waschmittel (chemothermisches Einbadverfahren) durchgeführt. Erfolgt eine externe Aufbereitung der Praxiswäsche z.B. in einer Wäscherei, muss diese zuvor darüber informiert werden, dass es sich um kontaminierte Praxiswäsche handelt. Wäsche, die von der Behandlung eines unserer Patienten stammt, von dem wir wissen, dass ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht, wird getrennt erfasst und entweder dem thermischen oder chemothermischen Waschverfahren zugeführt. Der anschließende Transport der aufbereiteten Praxiswäsche muss zur Verhinderung einer Rekontamination hygienisch erfolgen.

Wäsche, die in einer Praxis steril zum Einsatz kommen muss, wird nach vorangegangenem Waschgang in unserem Dampfsterilisator in einer sachgerechten Verpackung aufbereitet. Auch hier besteht die Möglichkeit, auf Einmalartikel zurückzugreifen.

Aufbewahrung der Praxiswäsche

  • In der Praxis wird die aufbereitete Praxiswäsche in geschlossenen Schränken (Schubladen oder Behältern) staubgeschützt und trocken gelagert.
  • Eine Lagerzeit von sechs Monaten ist möglich.
  • Benutzte Praxiswäsche, die weiterverwendet werden soll, wird getrennt von der privaten Kleidung der beschäftigten Mitarbeiterinnen und der Frischwäsche gehalten.

Neuanschaffung von Praxiswäsche

Es muss darauf geachtet werden, dass bei einer Neuanschaffung von Praxiswäsche, die Textilien für die vorgesehenen Aufbereitungsverfahren geeignet sind. Darüber hinaus muss beachtet werden, dass das Gewebe eine hohe Keimdichtigkeit besitzt. Im Allgemeinen setzen Praxen kurzärmlige Praxiskleidung ein. Hier muss darauf geachtet werden, dass die hygienische Händedesinfektion auch die Unterarme beinhaltet. Müssen Patienten behandelt werden, von denen ein erhöhtes Infektionsrisiko ausgeht oder wenn im Behandlungsteam eine Verletzung am Unterarm vorliegt, sollte langärmlige Kleidung mit einem ausreichenden Armabschluss bevorzugt werden.

Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen

Um gezielte Immunisierungsmaßnahmen in einem internen Hygienemanagement durchführen zu können, zählen die arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen zum wesentlichen Bestandteil einer Infektionsprophylaxe. Hiermit erfüllt eine Praxis unter anderem die Anforderungen aus der Biostoffverordnung (BioStoffV) sowie der Berufsgenossenschaftlichen Vorschrift nach BGV A4. In jeder Zahnarztpraxis gibt es den Bereich der „nicht gezielten Tätigkeiten“ im Wortlaut der Biostoffverordnung. Hierzu zählen insbesondere:

  • Untersuchung und Behandlung von Patienten,
  • Desinfektions- und Reinigungsarbeiten,
  • Entsorgungs- und Wartungsarbeiten.

Die verpflichtende arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung ergibt sich aus der BioStoffV und zielt auf die Infektionsgefahren aller Beschäftigten durch Hepatitis-B-Viren (HBV) und Hepatitis-C-Viren (HCV). Es ist die Aufgabe jeder Praxisleitung, dafür zu sorgen, dass die Untersuchungen durch einen Betriebsarzt (nach der BioStoffV ermächtigter Arzt) durchgeführt werden. Die Kosten für diese Untersuchungen müssen von der Praxis übernommen werden. In vielen Praxen bestehen nur gelegentlich Gefährdungen durch Mikroorganismen von geringer Kontagiosität und Infektiosität (potenziell pathogene Erreger). Daher ist es in der arbeitsmedizinischen Vorsorge einer Praxis vertretbar, wenn die im Behandlungsbereich tätigen Mitarbeiterinnen dahingehend beraten und zur Prävention von Infektionskrankheiten, z.B. zu weiteren empfohlenen Schutzimpfungen und zur Verwendung der in dieser Praxis zur Verfügung stehenden Schutzausrüstung, angehalten werden.Nur im Fall des Auftretens von Infektionskrankheiten im Arbeitsbereich oder wenn individuell begründete Bedingungen vorliegen, müssen weitere spezielle Untersuchungen von der Praxisleitung veranlasst werden.

Im Bereich des Mutter- und Jugendschutzes kann es für schutzbedürftige Mitarbeiterinnen, die ihre Tätigkeit im infektionsgefährdeten Bereich einer Praxis ausüben, gegebenenfalls weitere Beschäftigungsbeschränkungen geben. Im Einzelnen beachten wir in einem funktionierenden Hygienemanagement:

  • Vor Aufnahme der Tätigkeit einer neuen Mitarbeiterin wird geklärt, ob es gesundheitliche Bedenken gibt, die gegen die geplante Beschäftigung sprechen. Hierzu zählen unter anderem die G 42-Vorsorgeuntersuchungen.
  • Die arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen werden in regelmäßigen Zeitabständen gemäß der BGV A4 wiederholt.
  • Am Ende eines Beschäftigungsverhältnisses sollten die entsprechende Mitarbeiterin eine arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung durchführen lassen. Hier erfolgt auch eine Beratung über das mögliche Auftreten späterer Krankheiten.

Weitere Untersuchungen können von der Praxisleitung veranlasst werden, wenn eine Erkrankung bzw. ein Infektionsverdacht oder aber auch gesundheitliche Bedenken gegen die Weiterbeschäftigung der betroffenen Mitarbeiterin bestehen. In einer Praxis müssen Immunisierungsmaßnahmen bei entsprechender Indikation den Mitarbeiterinnen angeboten werden. Der Erfolg einer Grundimmunisierung bei Hepatitis B wird serologisch anhand der jeweiligen Titerbestimmung überwacht. Eventuelle Auffrischimpfungen werden dann festgelegt und durchgeführt bzw. angeboten. Über die oben beschriebenen Immunisierungsmaßnahmen hinaus sollten weitere Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Influenza, Masern, Mumps, Röteln, Pertussis, Hepatitis A und Varizellen den Mitarbeiterinnen angeboten werden. Im Fall eines Arbeitsunfalls, z.B. Nadelstichverletzung bei der Behandlung eines Patienten mit einer bekannten spezifischen Erkrankung, werden unverzüglich – nach Rücksprache mit dem zuständigen Arzt – weitere arbeitsmedizinische Maßnahmen eingeleitet. In geeigneten Unterlagen müssen für alle Vorsorgeuntersuchungen Belehrungen durchgeführt werden.

Hinweis:

Auf der Homepage des Autors befinden sich im kostelosen Downloadbereich alle Unterlagen für die Vorsorgeuntersuchungen einer Zahnarztpraxis. Hier handelt es sich um die nachfolgenden Aufzeichnungen:

  • Belehrung und Angebot G 24 Hautbelastung
  • Belehrung und Angebot G 37 Bildschirmarbeitsplatz
  • Aufforderung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge G 42
  • Belehrung und Angebot zur Impfprophylaxe – Tetanus
  • Belehrung und Angebot zur Impfprophylaxe – Diphtherie
  • Belehrung und Angebot zur Impfprophylaxe – Influenza

Teil II : Hygienemanagement „WENIGER IST MEHR“: Die Hygienebeauftragten

Teil I : Hygienemanagement „WENIGER IST MEHR“: Das Hygiene-Handbuch

Foto: © hketia – Shutterstock.com
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