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Praxishygiene 13.11.2013

Ungeliebtes Stiefkind: Hygiene in der Zahnarztpraxis

Ungeliebtes Stiefkind: Hygiene in der Zahnarztpraxis

Hygiene ist immer noch ein Stiefkind vieler Zahnärzte – auch wenn diese es nicht gerne hören. Und viele Ärztefunktionäre tragen dazu bei, dass dies auch so bleibt. Nicht überall, aber in einigen Regionen Deutschlands – und immer noch häufiger, als eigentlich vertretbar ist. Viele Zahnärzte verlassen sich auf sie – und sind im Ernstfall verlassen.

Die Validierung von Aufbereitungsprozessen halten manche Funktionäre und Zahnärzte immer noch für überflüssig, z.B. in Hessen, – von der Erfordernis einer ausreichenden fachlichen Weiterbildung ihrer Mitarbeiterinnen zu Sterilgutassistentinnen durch qualifizierte 40 h-Kurse nach Vorgaben des RKI (Robert-Koch-Institut) ganz zu schweigen. „Das machen wir doch selbst, in zwei Tagen, und es kostet nur 280 Euro“, argumentieren sie. „Und Wasseruntersuchungen an Dentaleinheiten – unser Trinkwasser ist doch in Ordnung, was soll diese Geldschneiderei?“

Warum gibt es diese Einstellung und warum ist sie noch so weit verbreitet? Viele Zahnärzte fühlen sich überfordert, ja von der Gesetzgebung überrumpelt. Es gibt immer neue Vorschriften: Sie fragen sich, wann hat das mal ein Ende? Und sie fühlen sich von ihren Funktionären im Stich gelassen, denn die gesetzlichen Anforderungen kamen nicht über Nacht, sondern wurden jahrelang in den Gremien, in denen die Funktionäre sitzen und Einfluss nehmen konnten, diskutiert.

Mediziner haben studiert, um Menschen zu helfen, nicht um mit einem Drittel ihrer Zeit bürokratische Vorschriften abzuarbeiten. Dazu sind sie im Allgemeinen weder ausgebildet noch hinreichend qualifiziert. Von den damit verbundenen Kosten ganz zu schweigen. Schließlich reichen schon die kaum noch nachvollziehbaren bürokratischen Abrechnungsprozeduren, für deren richtige Anwendung man teure Seminare besuchen muss – aber dafür bekommt man wenigstens anschließend mehr Geld. Doch Hygiene und Qualitätsmanagement, das kostet nur Geld und bringt nichts. So endet es zumeist damit, dass aus Haftungsgründen bestimmte Anforderungen formal erfüllt werden, um Ruhe zu haben, aber nicht aus Überzeugung.

Dadurch besteht die Gefahr, von unseriösen Anbietern dieser Dienstleistungen ausgenutzt und über den Tisch gezogen zu werden, denn Leistungsumfang und die Berechtigung der Kosten lassen sich nicht einschätzen und, da man ja Einzelkämpfer ist, kooperiert man auch nicht mit Kollegen, die das gleiche Problem haben.

Kurz: Wer mehr als 4.000 Euro für ein gelebtes, der Organisation der Praxis nutzendes QM-System ausgegeben hat, hat zu viel gezahlt. Häufig unternehmen Zahnärzte mehr, als gesetzlich notwendig ist. Verkäufer von patientenbezogenen Chargenkontrollsystemen in der Medizinprodukteaufbereitung oder von Dokumentationssoftware können schließlich sehr überzeugend sein. Ob die gelieferte Lösung immer ihr Geld wert ist, ist fraglich.

Die vordringlichen Fragen sind:

  • Was wird gesetzlich gefordert?
  • Wie kann man die Anforderungen an die Hygiene in nutzbringender Weise erfüllen?
  • Und was kostet es?

Es gibt zwei Gründe, warum die gesetzlichen Anforderungen erfüllt werden sollten.

Erstens: Aus Gründen der Rechtssicherheit. Denn Vorsatz und Fahrlässigkeit bei der Nichtbeachtung von Gesetzen lassen sich nicht versichern. Im Ernstfall zahlt der Zahnarzt, wenn ein Patient prozessiert und behauptet, er hätte seine Infektion beim Zahnarzt bekommen. Ein Richter hat zumeist wenig Ahnung von Hygiene. Ihn interessiert nur die Erfüllung des Gesetzes. Und daher wird er folgende Fragen stellen:

  • Wird das Qualitätsmanagementsystem in der eigenen Praxis gelebt?
  • Kann nachgewiesen werden, dass die Mitarbeiterinnen für die Aufbereitung von Medizinprodukten gemäß RKI-Empfehlung den geforderten Sachverstand haben?
  • Sind die maschinellen Aufbereitungsprozesse validiert?

Und wer einmal mit „Nein“ antworten muss, den kostet dies Geld. Vielleicht im Wiederholungsfall auch die Existenz. Ist es das wert?

Der zweite Grund ist, dass die Behörden immer häufiger Begehungen in den Praxen durchführen, in einigen Bundesländern mehr, in anderen weniger – aber inzwischen gibt es eine Arbeitsgruppe der Länder, welche die Anforderungen und die Häufigkeit solche „Besuche“ harmonisiert. Wenn die eigene Praxis einmal aus hygienischen Gründen seitens einer Behörde geschlossen wird, weil der Inhaber bestimmte gesetzliche Anforderungen nicht erfüllt haben – und das ist keine Theorie, sondern gelebte Praxis – kann der Betroffene eigentlich nur noch auswandern.

Das Leistungsspektrum der Hücker & Hücker GmbH

Als akkreditiertes und im Sinne der Medizinprodukterichtlinie unabhängiges Prüflabor unterstützt Hücker & Hücker seine Kunden seit fast 20 Jahren dabei, den Erfolg ihrer Aufbereitungsverfahren zu beweisen. Das Leistungsspektrum umfasst dabei

  • die Validierung und Revalidierung von Sterilisationsprozessen mit feuchter Hitze (Dampf),

  • die Validierung von Reinigungs- und Desinfektionsverfahren in Reinigungs- und Desinfektionsgeräten,

  • die Validierung von Aufbereitungsprozessen in Sirona DAC (Universal),

  • die Validierung von Heißsiegelungsprozessen,

  • die mikrobiologische Untersuchung des Wassers aus dentalen Behandlungseinheiten,

  • die mikrobiologische Leistungsprüfung von Reinigungs-, Desinfektions- und Sterilisationsprozessen,

  • die Qualifizierung von raumlufttechnischen Anlagen sowie

  • mikrobiologische Untersuchungen von Betriebsmitteln wie Wasser und Druckluft, an Personen und Oberflächen (Abklatsche und Abstriche) sowie von Umgebungsluft (Hygienemonitoring). 

Kontakt

Hücker & Hücker GmbH
Wilhelmstraße 3
D-65779 Kelkheim
Tel +49 (0)6195 67 35 - 0
Fax +49 (0)6195 67 35 - 22
info@huecker-gmbh.de
www.huecker-gmbh.de

Autor: Prof. Dr. Gerhard Hücker

Foto: © Robert Kneschke - Fotolia.com
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