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Praxishygiene 13.01.2017

Vorsicht geboten: Best Practice für Umgang mit gefährlichen Abfällen

Vorsicht geboten: Best Practice für Umgang mit gefährlichen Abfällen

In einer Zahnarztpraxis fallen eine ganze Reihe gefährlicher Abfälle an, darunter Amalgam und gebrauchte Spritzen oder Kanülen. Wie diese sortiert, gelagert und entsorgt werden müssen, ist gesetzlich vorgeschrieben. So weit, so gut. Wie aber verhält es sich mit der Handhabung der Abfälle? Hier lauern weitere Stolperfallen, die die 
Gesundheit des Praxispersonals gefährden können. Ein professioneller Umgang mit zahnmedizinischen Abfällen sowie 
das Einhalten einiger Sicherheitshinweise vereinfachen den Praxisalltag und erhöhen zugleich die Arbeitssicherheit.

Grundsätzlich muss jeder Praxisinhaber seine Maßnahmen zur Abfallentsorgung in einem Hygieneplan festlegen – unter Einhaltung der RKI-Richtlinie „Anforderungen an die Hygiene in der Zahnmedizin“.1 Um für zusätzliche Sicherheit zu sorgen, empfiehlt es sich, eine Art Best Practice für die Handhabung 
der einzelnen Abfallstoffe anzulegen, wie die medentex GmbH dies auf ihrer 
Internetseite bereits zusammengefasst hat. 

Klare Vorgaben für 
Nadeln und Skalpelle

Für den Umgang mit gebrauchten Nadeln, Skalpellen und anderen infektiösen Abfällen mit Verletzungsrisiko (Abfallschlüssel 18 01 01) macht die TRBA 250 „Biologische Arbeitsstoffe 
im Gesundheitswesen und in der 
Wohlfahrtspflege“ konkrete Vorgaben: „Gebrauchte spitze und scharfe medizinische Instrumente einschließlich derer mit Sicherheitsmechanismus sind unmittelbar nach Gebrauch durch den Anwender in Abfallbehältnissen zu sammeln. Die Abfallbehältnisse müssen 
den Abfall sicher umschließen. Dabei sind die Behälter so nah wie möglich 
am Verwendungsort der spitzen, scharfen oder zerbrechlichen medizinischen Instrumente aufzustellen. Sie dürfen nicht umgefüllt werden.“2 Auch die 
Beschaffenheit der Sammelbehälter ist klar vorgegeben. Die Behälter müssen unter anderem fest verschließbar sowie stich- und stoßfest sein und sollten eine Abstreifvorrichtung besitzen.2  Ein Recapping sollte vermieden werden, um Nadelstichverletzungen vorzubeugen. Des Weiteren empfiehlt es sich, beim Kontakt mit diesen Abfällen stets Handschuhe zu tragen, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Auch beim Umgang mit Röntgenchemikalien (Abfallschlüssel 09 01 01* und 09 01 04*) ist das Tragen von Handschuhen und Schutzkleidung aufgrund der chemischen Beschaffenheit unbedingt anzuraten.

Besondere Vorsicht: 
amalgamhaltige Abfälle

Obwohl es inzwischen viele Alternativen gibt, ist der Einsatz von Amalgam als Füllungsmaterial nach wie vor weit  verbreitet. Ist der Patient versorgt, bleiben Stopfreste und leere Amalgamkapseln übrig. Doch auch in Praxen, in denen keine Amalgamfüllungen mehr gelegt werden, ist das silbrige Gemisch vorhanden: in extrahierten Zähnen mit Amalgamfüllung, in Sieben aus Absauganlagen oder im Amalgamabscheider-Behälter. Aufgrund des hohen Quecksilberanteils sollten amalgamhaltige 
Abfälle (Abfallschlüssel 18 01 10*) mit besonderer Vorsicht behandelt werden. Die Sammelbehälter für amalgamhaltige Abfälle sollten immer möglichst nah am Verwendungsort aufgestellt werden. Jeder, der mit diesen Stoffen hantiert, sollte zumindest Handschuhe tragen. Schutzkleidung, Mundschutz und eine Schutzbrille sind ebenfalls empfehlenswert.

Die Gefahr amalgamhaltiger Abfälle liegt allerdings nicht so sehr im Hautkontakt, sondern vielmehr im Einatmen der daraus entstehenden hochgiftigen Quecksilberdämpfe. Je wärmer ein Sammelbehälter für Amalgamabfälle gelagert wird, umso stärker wird die Konzentration dieser Dämpfe. Deshalb sollten die Behälter niemals in der Nähe 
von Wärmequellen aufbewahrt oder direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden. Die Lagerung an einem kühlen Ort senkt das Risiko für das Praxispersonal. Darüber hinaus sollten Behälter mit Amalgamabfällen stets fest verschlossen aufbewahrt werden und nicht über einen längeren Zeitraum geöffnet bleiben.

Quecksilberdampf 
unterdrückende Mittel

Auch wenn alle genannten Vorsichtsmaßnahmen beim Umgang mit amalgamhaltigen Abfällen eingehalten werden, bleibt ein Restrisiko für alle Personen, die den Quecksilberdämpfen täglich ausgesetzt sind. Laut Empfehlung des Umweltbundesamtes sollte 
die Quecksilberdampfkonzentration in der Raumluft am Arbeitsplatz 35 µg/m3 nicht überschreiten, da sonst gesundheitliche Schäden nicht auszuschließen sind.3 Eine von medentex im Jahr 2009 in Auftrag gegebene Studie zur Wirkung von Absorptionsmitteln auf die Quecksilberdampfkonzentration ergab, dass herkömmliche Sammelbehälter 
für Amalgamabfälle, die nicht mit einem Absorptionsmittel ausgestattet sind, diesen Richtwert um ein Vielfaches überschreiten.4 Der höchste gemessene Mittelwert lag bei 3.395 µg/m3, 
fast hundertmal so viel wie zulässig. 
Aus diesem Grund setzt medentex in allen Sammelbehältern für amalgamhaltige Abfälle medentovap ein, um 
die Konzentration der hochgiftigen Quecksilberdämpfe zu minimieren. Im Behälterdeckel sitzt ein mit medentovap getränkter Schwamm, der die Dämpfe absorbiert. Der höchste Mittelwert für einen mit dem Absorptionsmittel ausgestatteten Behälter lag bei 1,91 µg/m3 und damit weit unter der Empfehlung des Umweltbundesamtes.

Abfallsammelbehälter müssen eindeutig identifizierbar sein

Ebenso wichtig wie ein verantwortungsbewusster Umgang mit zahnmedizinischen Abfällen ist auch eine klare Kennzeichnung der Sammelbehälter, damit nicht versehentlich verschiedene Abfallstoffe miteinander vermischt werden. Zwar verbietet das Abfallgesetz die Vermischung von Abfällen, doch kommt 
es in der Praxis immer wieder vor, 
dass Abfallstoffe zusammen entsorgt werden, die nicht zusammengehören. So dürfen beispielsweise amalgamhaltige Abfälle niemals in Behälter für 
gebrauchte Spritzen und Kanülen gelangen, da diese samt Inhalt verbrannt werden und dabei giftige Quecksilberdämpfe entstehen würden.

Für gewöhnlich kennzeichnet der betreffende Entsorgungsfachbetrieb die leeren Sammelbehälter entsprechend, bevor er diese an die Praxis ausliefert. medentex beispielsweise hat Icons für die einzelnen Abfälle entwickelt, um 
die Zuordnung zum richtigen Sammelbehälter in der Praxis zu vereinfachen. Für Röntgenbildentwickler und -fixierer gibt es eine zusätzliche Farbcodierung, die schon von den Herstellern vorgegeben ist, um Verwechslungen auszuschließen: Die Kanister für Entwickler besitzen einen schwarzen Deckel und ein schwarz umrandetes Etikett, während dem Fixierer die Farbe Rot zugeordnet ist.

Fazit

Grundsätzlich gilt: Entsorgungsunternehmen können viele Fragen aus dem Abfallbereich beantworten und so sicherstellen, dass alle Akteure einer Praxis auf der sicheren Seite sind.

* als gefährlich eingestufte Abfälle

Eine vollständige Literaturliste finden Sie hier

Autor: Christian Finke

Foto: © medentex/Sarah Jonek
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