Praxismanagement 23.03.2026

Wachstum benötigt Struktur: Wie sich ein Team erfolgreich ausbauen lässt

Große Praxen stehen vor besonderen Heraus­­for­derungen: Viele Mitarbeitende, unterschiedliche Persönlichkeiten, hoher ­Pa­tientenandrang und Inhaber/-innen, die trotz Teamgröße in operativen ­Details feststecken. Im Zahnzentrum Riedstadt, geführt von Dr. Katharina Warzecha und Dr. Simon Prieß, und mit aktuell 65 Mitarbeitenden, war genau das der Ausgangspunkt.

Wachstum benötigt Struktur: Wie sich ein Team erfolgreich ausbauen lässt

Foto: Zahnzentrum Riedstadt

Ziel war nicht „mehr Motivation“, sondern ein tragfähiges Führungssystem, das Verantwortung verteilt, Entscheidungen beschleunigt und die Praxisleitung nachhaltig entlastet. Der Weg dorthin zeigt exemplarisch, wie strukturierte Führung in der Praxis wirkt.

Auf den Punkt gebracht.

  • 2017: Zahnzentrum Riedstadt startet mit drei Behandlungszimmern und fünf Angestellten
  • 2019: Vergrößerung auf sieben Behandlungszimmer
  • 2021: Eigene Prophylaxe­abteilung mit fünf Behandlungszimmern
  • 2024: Eigene Kinderabteilung (dentinoclub) mit zwei Behandlungszimmern
  • 2025: 65 Angestellte
  • 2026: Vergrößerung dentinoclub auf vier Behandlungszimmer

Ausgangslage: Wachstum ohne klare Führungsstruktur

Das Zahnzentrum Riedstadt ist stark gewachsen. Mit der Größe stiegen jedoch auch Reibungsverluste: Abstimmungen dauerten länger, Entscheidungen landeten bei den Inhabern, Verantwortung wurde zwar erwartet, aber nicht klar definiert. Mit­arbeitende waren engagiert, aber häufig unsicher, wo ihre Entscheidungsbefug­nisse lagen. Typisch für viele große Praxen: Führung fand statt, aber nicht syste­matisch.

Schritt 1:

Praxisanalyse mit Einzelgesprächen

Der erste Schritt war eine umfassende Praxisanalyse. In Einzelgesprächen mit Mitarbeitenden aller Bereiche wurden Stärken, Belastungen und unausgesprochene Themen sichtbar. Entscheidend war dabei nicht nur was gesagt wurde, sondern wo sich Muster zeigten: wiederkehrende Unsicherheiten, unklare Schnittstellen und fehlende Entscheidungslogik.

Die Auswertung erfolgte gemeinsam mit den Inhabern, transparent, strukturiert und ohne Schuldzuweisungen. Das schuf Akzeptanz für die nächsten Schritte.

Schritt 2:

Teambuilding als Prozess – nicht als Event

Teambuilding wurde bewusst nicht als einmalige Maßnahme verstanden, sondern als mehrstufiger Prozess. Inhaltlich ging es dabei um:

  • Persönlichkeitstypen und unterschiedliche Arbeitsweisen
  • Mindset und Verantwortung im Praxisalltag
  • Gemeinsame Werte und die Praxisphilosophie
  • Aufbau einer konstruktiven Feedbackkultur

Durch die klare Struktur wurde aus „Wir verstehen uns gut“ ein gemeinsames Verständnis davon, wie Zusammenarbeit konkret aussehen soll.

Erfolgsfaktoren aus dem Zahnzentrum Riedstadt

  • Führung beginnt mit einer ehrlichen Praxisanalyse
  • Teambuilding wirkt nur als strukturierter Prozess
  • Teamleiter brauchen klare Rollen und Ausbildung
  • Verantwortung muss definiert und begleitet werden
  • Entlastung der Inhaber ist ein Ergebnis, kein Zufall

Schritt 3:

Einführung einer Teamleiterstruktur

Parallel wurde eine Teamleiterstruktur aufgebaut. Ziel war es, Verantwortung dorthin zu verlagern, wo Entscheidungen täglich gebraucht werden. Teamleiter/-innen erhielten klar definierte Rollen und Zuständigkeiten, keine Titel ohne Inhalt.

Das veränderte die Dynamik spürbar: Fragen wurden schneller geklärt, Themen blieben nicht liegen, und Mitarbeitende wussten, an wen sie sich wenden können.

Schritt 4:

Teamleiterausbildung – Führung erlernbar machen

In der anschließenden Teamleiterausbildung wurden die neuen Führungskräfte gezielt qualifiziert. Inhalte waren unter anderem:

  • Die eigene Rolle als Führungspersönlichkeit
  • Zielarbeit und Priorisierung im Team
  • Projektmanagement für Praxisabläufe
  • Strukturierte Feedback- und Mitarbeitergespräche

Besonders wichtig: Führung wurde als Aufgabe verstanden. Nicht als zusätzliche Belastung.

Gute Führung entsteht nicht zufällig. Sie ist das Ergebnis klarer Analyse, strukturierter Entwicklung und gezielter Ausbildung.

Das Ergebnis:

Verantwortung, die wirklich getragen wird

Heute erleben die Inhaber des Zahnzentrums Riedstadt ein Team, das mitdenkt, Verantwortung übernimmt und Entscheidungen vorbereitet. Führung ist nicht mehr an einzelne Personen gebunden, sondern im System verankert.

Der Effekt ist messbar:

  • Weniger operative Eingriffe der Inhaber
  • Klarere Kommunikation im Team
  • Mehr Zeit für strategische und persönliche Themen

Fazit

Das Beispiel Zahnzentrum Riedstadt zeigt: Gute Führung entsteht nicht zufällig. Sie ist das Ergebnis klarer Analyse, strukturierter Entwicklung und gezielter Ausbildung. Wer Verantwor­tung systematisch aufbaut, entlastet nicht nur sich selbst, sondern schafft ein Arbeitsumfeld, in dem Leistung und Zufriedenheit gleichzeitig wachsen.

Autorin: Wilma Mildner

Zur Person


Wilma Mildner ist Praxisberaterin, Berufspädagogin, Personal- und Businesscoach und Mediatorin (KSfM). Mildner berät und trainiert seit über zehn Jahren speziell (Fach-)Zahnarztpraxen und ihr Team, um den Praxisalltag leichter, entspannter, erfolgreicher und effizienter werden zu lassen. Sie balanciert dabei die unterschiedlichen Befindlich­keiten und Bedürf­-nisse feinfühlig aus, sodass sich alle abgeholt fühlen.

Mehr Infos auf: www.wilmamildner.de.

ZWP Zahnarzt Wirtschaft Praxis 03/26

ZWP Zahnarzt Wirtschaft Praxis


Dieser Beitrag ist in der ZWP Zahnarzt Wirtschaft Praxis erschienen.

Seit 32 Jahren ist die ZWP Zahnarzt Wirtschaft Praxis das führende Wirtschaftsmagazin für den Zahnarzt. Als General-Interest-Titel deckt sie das gesamte Spektrum der Praxisführung ab.

Das Wirtschaftsmagazin zählt mit seinen 12 Ausgaben im Jahr und einer Auflage von 40.800 Exemplaren zu den frequenz- und auflagenstärksten Titeln im deutschen Dentalmarkt. Zudem enthält jede Ausgabe das Supplement „ZWP spezial“, in dem besondere Themen vertieft werden.

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