Praxismanagement 23.03.2026
Wachstum benötigt Struktur: Wie sich ein Team erfolgreich ausbauen lässt
Ziel war nicht „mehr Motivation“, sondern ein tragfähiges Führungssystem, das Verantwortung verteilt, Entscheidungen beschleunigt und die Praxisleitung nachhaltig entlastet. Der Weg dorthin zeigt exemplarisch, wie strukturierte Führung in der Praxis wirkt.
Auf den Punkt gebracht.
- 2017: Zahnzentrum Riedstadt startet mit drei Behandlungszimmern und fünf Angestellten
- 2019: Vergrößerung auf sieben Behandlungszimmer
- 2021: Eigene Prophylaxeabteilung mit fünf Behandlungszimmern
- 2024: Eigene Kinderabteilung (dentinoclub) mit zwei Behandlungszimmern
- 2025: 65 Angestellte
- 2026: Vergrößerung dentinoclub auf vier Behandlungszimmer
Ausgangslage: Wachstum ohne klare Führungsstruktur
Das Zahnzentrum Riedstadt ist stark gewachsen. Mit der Größe stiegen jedoch auch Reibungsverluste: Abstimmungen dauerten länger, Entscheidungen landeten bei den Inhabern, Verantwortung wurde zwar erwartet, aber nicht klar definiert. Mitarbeitende waren engagiert, aber häufig unsicher, wo ihre Entscheidungsbefugnisse lagen. Typisch für viele große Praxen: Führung fand statt, aber nicht systematisch.
Schritt 1:
Praxisanalyse mit Einzelgesprächen
Der erste Schritt war eine umfassende Praxisanalyse. In Einzelgesprächen mit Mitarbeitenden aller Bereiche wurden Stärken, Belastungen und unausgesprochene Themen sichtbar. Entscheidend war dabei nicht nur was gesagt wurde, sondern wo sich Muster zeigten: wiederkehrende Unsicherheiten, unklare Schnittstellen und fehlende Entscheidungslogik.
Die Auswertung erfolgte gemeinsam mit den Inhabern, transparent, strukturiert und ohne Schuldzuweisungen. Das schuf Akzeptanz für die nächsten Schritte.
Schritt 2:
Teambuilding als Prozess – nicht als Event
Teambuilding wurde bewusst nicht als einmalige Maßnahme verstanden, sondern als mehrstufiger Prozess. Inhaltlich ging es dabei um:
- Persönlichkeitstypen und unterschiedliche Arbeitsweisen
- Mindset und Verantwortung im Praxisalltag
- Gemeinsame Werte und die Praxisphilosophie
- Aufbau einer konstruktiven Feedbackkultur
Durch die klare Struktur wurde aus „Wir verstehen uns gut“ ein gemeinsames Verständnis davon, wie Zusammenarbeit konkret aussehen soll.
Erfolgsfaktoren aus dem Zahnzentrum Riedstadt
- Führung beginnt mit einer ehrlichen Praxisanalyse
- Teambuilding wirkt nur als strukturierter Prozess
- Teamleiter brauchen klare Rollen und Ausbildung
- Verantwortung muss definiert und begleitet werden
- Entlastung der Inhaber ist ein Ergebnis, kein Zufall
Schritt 3:
Einführung einer Teamleiterstruktur
Parallel wurde eine Teamleiterstruktur aufgebaut. Ziel war es, Verantwortung dorthin zu verlagern, wo Entscheidungen täglich gebraucht werden. Teamleiter/-innen erhielten klar definierte Rollen und Zuständigkeiten, keine Titel ohne Inhalt.
Das veränderte die Dynamik spürbar: Fragen wurden schneller geklärt, Themen blieben nicht liegen, und Mitarbeitende wussten, an wen sie sich wenden können.
Schritt 4:
Teamleiterausbildung – Führung erlernbar machen
In der anschließenden Teamleiterausbildung wurden die neuen Führungskräfte gezielt qualifiziert. Inhalte waren unter anderem:
- Die eigene Rolle als Führungspersönlichkeit
- Zielarbeit und Priorisierung im Team
- Projektmanagement für Praxisabläufe
- Strukturierte Feedback- und Mitarbeitergespräche
Besonders wichtig: Führung wurde als Aufgabe verstanden. Nicht als zusätzliche Belastung.
Gute Führung entsteht nicht zufällig. Sie ist das Ergebnis klarer Analyse, strukturierter Entwicklung und gezielter Ausbildung.
Das Ergebnis:
Verantwortung, die wirklich getragen wird
Heute erleben die Inhaber des Zahnzentrums Riedstadt ein Team, das mitdenkt, Verantwortung übernimmt und Entscheidungen vorbereitet. Führung ist nicht mehr an einzelne Personen gebunden, sondern im System verankert.
Der Effekt ist messbar:
- Weniger operative Eingriffe der Inhaber
- Klarere Kommunikation im Team
- Mehr Zeit für strategische und persönliche Themen
Fazit
Autorin: Wilma Mildner