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Recht 30.04.2018

Fehlerhafte Kronenränder: Zahnarzt muss 8.250 EUR zahlen

Fehlerhafte Kronenränder: Zahnarzt muss 8.250 EUR zahlen

Mit Urteil vom 06.09.2016 hat das Landgericht Köln einen Zahnarzt verurteilt, an seinen Patienten ein Schmerzensgeld in Höhe von 8.250 EUR zu zahlen. Der Zahnarzt muss dem Patienten alle weiteren Schäden aus der Behandlung ersetzen.

Der 1951 geborene Patient erhielt im November 2014 eine Brückenkonstruktion im Oberkiefer, die im Dezember 2014 definitiv eingegliedert wurde. Er hat dem Zahnarzt Behandlungs- und Aufklärungsfehler vorgeworfen. Der angefertigte Zahnersatz sei nicht richtig angepasst, sämtliche Kronenränder seien zu kurz und zu dünn gearbeitet worden. Die Brückenkonstruktion von 13 bis 25 sei derart unpassend, dass kein Stumpf regelrecht geschützt und überdeckt sei. Insbesondere die Zahnstümpfe 23 und 11 seien „regelrecht weggefault und extraktionswürdig“. Es sei eine umfassende Neuversorgung notwendig. Der gerichtliche Sachverständige hatte bestätigt: Die Brücke sei völlig unpassend, alle Kronenränder (Zähne 13, 12, 11, 23 und 25) seien lingual zu kurz gearbeitet und schlössen nicht bündig mit der Präparationsgrenze der einzelnen Stümpfe ab. Die Brücke sei schon in der Grundkonstruktion so gearbeitet worden, dass die Zahnstümpfe nicht tief genug eingebettet seien. Die zu kurzen Kronenränder seien auch zu dünn, was sich in den negativen Stufen zeige. Dieser Zustand unterstütze das Fortschreiten der kariösen Destruktion. Da die Brücke bereits beim Einsetzen nicht gepasst habe, sei es schlichtweg nicht mehr verständlich, dass diese gleichwohl definitiv einzementiert worden sei.

Die Kammer führte aus: Der Patient sei zwar grundsätzlich gehalten, bei erforderlichen Eingliederungen prothetischer Arbeiten mitzuwirken. Zumutbare Nachbesserungen, zu denen auch die Neuanfertigung einer Prothese gehören könne, seien von einem Patienten hinzunehmen, da Zahnersatz auch bei äußerster Präzision nicht auf Anhieb beschwerdefrei sitze (OLG Dresden, Beschluss vom 21.01.2008, Az.: 4 W 28/08; OLGR 2008, 335; Martis/Winkhart, Arzthaftungsrecht, 4. Auflage 2014, Rd-Nr. R19 f.).

Weigere sich ein Patient nach der Eingliederung von Zahnersatz, zumutbare Nachbesserungen, etwa eine Korrektur der Bisslage oder bei einer umfangreichen prothetischen Versorgung auch die Neuanfertigung einer Prothese hinzunehmen (OLG Hamm, Urteil vom 05.09.2014, Az.: 26 U 21/13, Rd-Nr. 21, juris), käme materieller und immaterieller Schadensersatz nicht in Betracht (OLG Dresden, a.a.O.; OLG Köln, Beschluss vom 17.12.2012, Az.: 5 U 126/12, Rd-Nr. 3, juris).

Es lasse sich aber nicht feststellen, dass der Zahnarzt zu einer Nachbesserung bereit gewesen sei. Er habe zwei außergerichtliche Gutachten in keiner Weise reagiert. In einem solchen Fall sei der Patient jedoch nur dann zur Mitwirkung verpflichtet, wenn der Behandler eine Neuanfertigung anbiete, was dieser unstreitig nicht getan habe (OLG Hamm, Urteil vom 05.09.2014, Az.: 26 U 21/13, Rd-Nr. 21, juris).

Dem Patienten stehe ein Schmerzensgeld in Höhe von 8.250 EUR zu. Die Beeinträchtigungen und Schmerzen folgten insbesondere aus dem sicheren zukünftigen Verlust des Zahnes 23 aufgrund der kariösen Destruktion, die sicher durch den defekten Randschluss und die mangelhafte Eingliederung der Brücke verursacht worden sei. Der Zahn 23 stehe als wichtiger Pfeilerzahn für eine Neuversorgung nicht mehr zur Verfügung und müsse durch ein Implantat ersetzt werden. Die erforderliche Neuversorgung wirke sich schmerzensgelderhöhend aus, ebenso wie der absehbare Verlust des Zahnes 11 und die kariöse Schädigung der Zahnstümpfe 12, 23 und 25.

(Landgericht Köln, Urteil vom 06.09.2016, Az.: 3 O 147/16)

Foto: Drobot Dean – stock.adobe.com
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