Kinderzahnheilkunde 28.07.2021

Angstfrei und entspannt: Kinderhypnose in der Zahnmedizin

Angstfrei und entspannt: Kinderhypnose in der Zahnmedizin

Foto: nata_zhekova – stock.adobe.com

Die zahnärztliche Hypnose bei Kindern ermöglicht eine angstfreie und entspannte Behandlung für alle Seiten. Dabei sind Kinder für die Hypnose prädestiniert, weil sie sich ganz natürlich in Trance-Zuständen bewegen. Wie die Hypnose funktioniert und welche Möglichkeiten der Fortbildung die Deutsche Gesellschaft für zahnärztliche Hypnose e. V. (DGZH) bietet, erläutert Priv.-Doz. Dr. Thomas Wolf, Zahnarzt und DGZH-Präsident, im nachfolgenden Beitrag.

Die Behandlung von Kindern stellt sich beim Zahnarztbesuch nicht selten als eine große Herausforderung für Kind, Eltern und Praxisteam dar.1, 2 Angst, Stress und nicht zuletzt eine daraus resultierende fehlende Compliance prägen Erfahrungen selbst von etablierten Kinderzahnärzten. Daher ist der Bedarf an wissenschaftlich fundierten und praktisch durchführbaren Behandlungs-, Verhaltens- und Kommunikationsmethoden wie der Kinderhypnose groß. Häufig in Kombination mit anderen Methoden der Psychologie und der Verhaltensführung werden die Kinder durch die Hypnose in Trance geführt, um eine angenehme Zahnbehandlung zu ermöglichen und eine dauerhaft positive Einstellung zum Zahnarztbesuch zu vermitteln.3

Wirkungsweise der Hypnose

Hypnose wird häufig als fokussierte gesteigerte Aufmerksamkeit, Konzentration und innere Absorption beschrieben. Dabei erstreckt sich die Hypnose auf verschiedene Aspekte des persönlichen Bewusstseins des Hypnotisanden und kann das Erleben einer Situation in eine andere Form der Realität verwandeln.4 Darüber hinaus wird Hypnose als ein komplexes Phänomen mit kognitiven, biologischen und sozialen Aspekten beschrieben; die empirische Evidenz für ihre Wirksamkeit wurde in zahlreichen Anwendungsbereichen klinisch untersucht.5 Neurowissenschaftliche Erkenntnisse interpretieren die hypnotische Trance als einen modifizierten Bewusstseinszustand, der Konzentration, Aufmerksamkeit und das Loslassen von Gedanken betont.6, 7 Hypnose kann als eine psychologische Intervention interpretiert werden. Durch die Kontrolle der Aufmerksamkeit kann die neuronale Verschaltung von Emotionen moduliert werden. Es kann mit Strukturen interagiert werden, die mit Erinnerungen verbunden sind. Die Hypnotisierbarkeit ist definiert als die Fähigkeit eines Individuums, während der Hypnose suggerierte Veränderungen der Physiologie, der Gedanken, der Emotionen, der Empfindungen oder des Verhaltens zu erleben.8 Dies spiegelt eine dynamische Veränderung der Gehirnaktivität wider. Aufmerksamkeitskontrolle, Konzentration, Vorstellungskraft, veränderte Wahrnehmung der Umwelt, mentale Entspannung, Ausschaltung des diskursiven und kritisch-analytisches Denkens sind charakteristische Elemente der Hypnose.7 In der Hypnose wird die sensorische Verarbeitung begrenzt und durch Suggestionen bestimmt. Die hypnotische Trance wird von einer erhöhten Suggestibilität begleitet, in der unterdrückte Erinnerungen erlebt werden können.

DGZH-Curriculum „Kinderzahnärztliche Hypnose und Kommunikation“

Das Curriculum für kinderzahnärztliche Hypnose besteht aus sechs Wochenendkursen. An den Kurstagen 1 und 2 werden zunächst Grundlagen vermittelt wie Trancephänomene, Sinnesmodalitäten (VAKOG), klassische Induktionen wie z. B. die Fixationstechnik, Erickson’sche Tranceinduktionen, Selbsthypnose, Aktivierung und Nutzung natürlicher Entspannungsfähigkeiten (Autogenes Training, progressive Muskelrelaxation), positive und negative Sprachformen, Seeding, direkte und indirekte Suggestionsformen als auch Compliance, Arzt-Patient-Beziehung, Trancevertiefungstechniken, Umgang mit ungeplanten Reaktionen als auch kindgerechter Rapport. Die Kurstage 3 und 4 vermitteln kindgerechte Induktionsformen und ihre Anwendung wie z. B. die Nutzung patientenspezifischer Strategien und von Trancephänomenen (Amnesie, Hypermnesie, Armlevitation, Handschuhanästhesie, posthypnotische Suggestionen), die Behandlung von nicht kooperativen und aggressiven Kindern, einfache Ankertechniken, Wahrnehmungsgenauigkeit und einen positiven Umgang mit Eltern im Hinblick auf das Behandlungsziel. An den letzten beiden Wochenenden 5 und 6 beschäftigen sich die Teilnehmenden mit dem Umgang von Angstpatienten, Widerstand, einem Reframing störender Verhaltensweisen, spontaner Trance-Utilisation, einem erleichterten Zugang zu Patienten mit Handicap, kreativem Umgang mit Kriseninterventionen, Metaphern, Symbolen, Habits, Ritualen und Verhaltensführung als auch der Qualität und den Grenzen der Kinderhypnose. Berücksichtigt werden in der Ausbildung insbesondere Kinder mit Beeinträchtigungen oder Autismus.

Weitere Informationen zum Curriculum für kinderzahnärztliche Hypnose unter: www.dgzh.de/ausbildung/curricula 

Literaturliste

Autor: Priv.-Doz. Dr. Thomas Wolf

Der Beitrag ist in ZWP Zahnarzt Wirtschaft Praxis erschienen.

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