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Oralchirurgie 25.10.2017

Intraoraler sonografischer Nachweis einer Knochennekrose

Intraoraler sonografischer Nachweis einer Knochennekrose

Eine über 80-jährige Patientin leidet seit einiger Zeit an einem Taubheitsgefühl im linken Oberkiefer in der Regio 23 bis 25. Betroffen ist vornehmlich der Gaumen. Zusätzlich hat die Patientin in letzter Zeit deutlich an Körpergewicht verloren. Aus diesen Gründen stellte sie sich bei dem behandelnden Zahnarzt vor. Klinisch und röntgenologisch war der pathologische Befund nicht direkt sichtbar. Erst durch die intraorale Sonografie gab es den ersten Hinweis auf eine pathologische Veränderung.

Bei der klinischen Untersuchung ist primär kein pathologischer Befund nachweisbar. Das Zahnfleisch ist rosafarben und reizlos. Die Teleskopzähne sind fest und reagieren vital. Der Zahnersatz hat einen ausgezeichneten Sitz. Palpatorisch sind keine Auffälligkeiten und Unregelmäßigkeiten feststellbar. Die betroffene Region im Bereich des Gaumens hat nur eine etwas geringere Sensibilität im Sinne einer Hypästhesie. Das OPG zeigt keine pathologischen Veränderungen und ist altersentsprechend (Abb. 1).

Es erfolgte zur Diagnosesicherung eine intraorale sonografische Untersuchung des Kieferabschnitts. Dazu wurde eine Linearsonde, die sogenannte Hockeysticksonde mit einem Frequenzbereich von 14 MHz verwendet. Diese wurde direkt auf das Zahnfleisch appliziert. Im Bereich des Gaumens war der Befund unauffällig. Vestibulär stellte sich in der betroffenen Region eine kleine weißliche, reflexreiche Zone dar, die keinen direkten Kontakt zum Oberkiefer hatte (Abb. 2).

Zuerst bestand der Verdacht auf einen kleinen verkapselten Fremdkörper, der allerdings nicht ursächlich für die Beschwerden der Patientin sein konnte. Im OP-Situs allerdings zeigte sich, dass es sich um ein kleines abgeschilfertes, nekrotisches Knochenstück aus dem Bereich 24 handelte (Abb. 3).

Direkt hinter dem Fragment war ein größerer knöcherner Veränderungsprozess nachweisbar. Der Knochen war zum Teil aufgelöst und durch eine zystenähnliche Raumforderung verdrängt. Die Neubildung wurde in toto exzidiert und zur weiteren histologischen Untersuchung eingesandt. Histologisch handelte es sich um eine reine Knochennekrose, wie sie bei Patienten auftreten kann, die unter Osteoporose leiden. Die Patientin selbst ist seit vielen Jahren in orthopädischer Behandlung, wegen einer bekannten Osteoporose, sodass der histologische Befund dem klinischen zugeordnet werden kann.

Es zeigte sich eine circa 1 cm tiefe schmale Furche im Oberkieferknochen direkt zwischen den Zahnwurzeln der Zähne 24 und 25. Die Wurzeln waren nicht betroffen und die Ausdehnung des Defektes reichte bis zum Gaumendach (Abb. 4).

Wenige Tage nach dem operativen Eingriff war die Sensibilität im Bereich des Gaumens vollständig zurückgekehrt und die Patientin hatte keinerlei Beschwerden mehr in der Regio 23 bis 25. Klinisch und röntgenologisch war der pathologische Befund nicht direkt sichtbar. Erst durch die intraorale Sonografie gab es den ersten Hinweis auf eine pathologische Veränderung, die sich im OP-Situs dann bestätigte. So konnte der Patientin gezielt und sinnvoll geholfen werden.

Der Fachbeitrag ist im Oralchirurgie Journal 3/2017 erschienen.

Foto: Autor
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