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Zahntechnik 07.02.2017

Mein Weg zum ästhetischen Zahnersatz

Mein Weg zum ästhetischen Zahnersatz

Was bedeutet Ästhetik in der Zahntechnik und der Zahnme­dizin? Was bedeutet es für den 
Patienten? Jeder Mensch hat eine andere Vorstellung davon, was für ihn ästhetisch ist. Was für 
den einen wunderschön ist, ist 
für den anderen vielleicht unnatürlich und übertrieben. Für mich als Zahntechnikermeister ist der Weg dorthin interessant. Der Weg zum „ästhetischen Zahnersatz“, mit dem schlussendlich der Pa­tient glücklich die Praxis verlässt.

Unsichtbarer Zahnersatz

Ästhetik spielt für mich eine große Rolle. Sie ist mir sehr wichtig und ich habe mich lange und intensiv damit beschäftigt und werde es auch in Zukunft, da es für mich kein 0815-Schichtschema gibt. Wenn ich an ästhetische Zähne denke, habe ich ein glückliches Lächeln vor Augen, das nicht als Zahnersatz erkennbar ist! Ästhetik bedeutet für mich Natürlichkeit. Zähne, die sich ein­fügen, zum Gesamtbild und der Person passen, den Menschen widerspiegeln. Weder Farbe noch Form sollten nur nach Schema F gestaltet sein, weil man es eben so in den Schulbüchern gelernt hat. Der natürliche Zahn daneben, falls vorhanden, gibt uns vor, wie es auszusehen hat, und manchmal ist ästhetisch dann auch schön individuell. Auch wenn kein Restzahnbestand mehr vorhanden ist, gibt uns das Gesicht so viele Vorgaben, um genau die richtige Form für den jeweiligen Patienten zu finden. Niemand muss mit einem „A1-Lattenzaun“ aus dem Haus – es sei denn, er will es so. Ästhetischer Zahnersatz ist für mich nicht sichtbar! Er sollte dem natürlichen Zahn gleichen wie ein Ei dem anderen. Er fügt sich so ein, dass er im Mund verschwindet und eben kein Zahn­ERSATZ mehr ist, sondern einfach natürliche, lebendige Zähne.Mit den heutigen Keramikmassen, in Kombination mit vollkeramischen Gerüstwerkstoffen, lassen sich Zähne gestalten, die bis aufs kleinste Detail dem natürlichen Vorbild oder der gewünschten Vorgabe gleichen. Für mich ist das  Thema Natürlichkeit oder auch naturgetreu schon immer bedeutsam. Ich sammle die schönsten Modelle, welche über die Zeit ins Labor kommen, und habe so den besten Lehrer für 
perfekte Zähne: die Natur. Auch nach über 20 Jahren Berufserfahrung nehme ich mir die natür­lichen Zähne als Vorbild und dupliziere sie. Im Idealfall habe ich einen schönen Restzahnbestand und kann mich daran orientieren und sie nachahmen, oder ich habe meine Sammlung an natürlichen Mustern (Abb. 5 und 6).

Niemand weiß alles, aber alle wissen mehr

Mir ist sehr wichtig, nicht stillzu­stehen und immer offen zu sein 
für Anregungen und Techniken. Nicht ohne Grund gibt es Weis­heiten wie: „Wer rastet, der rostet“ oder „Nichts muss so sein, nur weil es immer so gewesen ist“. Um meine Kenntnisse zu erweitern und zu schulen, halte ich Fortbildungen bei diversen Experten für unerlässlich. Niemand weiß alles, aber viele wissen mehr. Oliver Brix, die deutsche Ikone auf dem Gebiet der Vollkeramik, war für mich ein guter Lehrmeister und hat mich durch sein Schichtkonzept und sein Wissen über die Kunst der Keramikschichtung wieder ein Stück weitergebracht. Gerade was die Arbeit mit e.max Ceram der Firma Ivoclar angeht, ist er für mich einer der Besten. Nach wie vor ist es eine Kunst, das richtige Zusammenspiel zwischen opaker Farbgebung, Kerngestaltung und Transluzenz, in Kombi­na­tion mit individuellen Farbnuancen und Lichtspielen zu 
finden und naturgetreu wiederzugeben. Sehr inspirierend war auch im Jahr 2016 die Reise nach Japan. Gemeinsam mit der Firma Gold­quadrat und Noritake hatte ich das große Glück, mit 15 weiteren Zahntechnikern in das Land der aufgehenden Sonne zu reisen um dort von einem der großen Keramikmeister zu lernen. Herr Yamada ist eine Koryphäe in der Kunst der Keramikschichtung. Was bei uns als perfekt gilt, ist dort noch lange nicht gut genug. Die Perfektion und das Wort 
„Ästhetik“ nehmen dort einen ganz anderen Stellenwert ein. Die präzise Detailgenauigkeit, das exakte Kopieren der natürlichen Zähne und die Geduld und Hingabe waren sehr beeindruckend und haben mein eigenes Verständnis bereichert.

Ästhetik heißt Funktion

Neben diversen Fortbildungen was die Schichttechnik angeht, sind aber auch der Patient und seine allgemeinen Ausgangsdaten ein Maß, nach dem wir 
un­sere Ästhetik ausrichten. Wir haben zwei Systeme in unseren Laboralltag integriert, die es uns ermöglichen und erleichtern, patientenorientiert, individuell und „ästhetisch“ zu arbeiten, denn Form und Funktion gehören in der dentalen Ästhetik zusammen. Zum einen verwenden wir bei Frontzahnarbeiten mit abra­diertem oder fehlendem Restzahnbestand gern das Zahn-Rekon­struktionssystem, welches vom ZTM Wiedmann 
entwickelt wurde. Anhand ver­schiedener Daten, die im Gesicht des Patienten ausgemessen werden, wie zum Beispiel die Breite der Nasenwurzel, können wir 
die optimale Zahnform für den einzelnen Patienten ermitteln. Dies ist vor allem bei der Totalprothetik ein großes Plus, da 
in dem entwickelten System die gängigsten Formen der Frontzahngarnituren für herausnehm­baren Zahnersatz hinterlegt sind. Anhand eines digital bearbeiteten Fotos werden Aufstellungsvarianten erstellt, mit gleichmäßiger, abgeschwächter indivi­dueller und sehr individueller Form. Der Patient kann sich das Foto vor Beginn der Behandlung ansehen und zur Beratung durch Freunde und Familie bzw. Mit­entscheidung mit nach Hause nehmen. So wird auch die Angst vor dem Ungewissen genommen, und meist spart der Zahnarzt hierdurch einen Anprobetermin.

Eine weitere Bereicherung ist das neuartige PlaneSystem® (Zirkonzahn). Dies dient zur individuellen Patientenanalyse, welche es uns ermöglicht, die 
Istsituation der Zähne bzw. des Oberkiefers, die Neigung der Ok­klusionsebene und die Bissposition 1:1 in den Artikulator 
zu übertragen. Um ästhetische Arbeiten anzufertigen, muss gute Vorarbeit geleistet werden, um Funktion und Patienten­daten zu berücksichtigen. Es ist doch sehr ärgerlich, wenn eine große, aufwendige, detail­getreue Keramikarbeit im Mund komplett verschliffen werden muss, um eine ordentliche Okklusion zu erreichen, nur weil vorher nicht klar war, wie die vertikale und horizontale Posi­tion des Kiefers ist. Auch hier 
gilt wieder: Ästhetik ist ein Zusammenspiel zwischen Form und Funktion. Mit dem PlaneFinder® wird die Natural Head Position (NHP) gefunden, welche auch in anderen medizinischen Bereichen eine feste Größe ist. Das Zusammenspiel der Kieferknochen, der Gelenke und der Muskulatur, auch die Nacken- und Rückenmuskulatur betreffend, ist nicht immer leicht durchschaubar. Dadurch kann es zu unerklärlichen Problemen bei der Eingliederung kommen. Hier dient der Plane­Finder® zur Aufschlussgebung über die Kieferstellung. Bei Einnahme der NHP kann immer wieder auf dieselbe Weise eine ­horizontale Referenzlinie lokalisiert werden. Bei der Datenerfassung 
positioniert der Patient intuitiv auch seine Mitte senkrecht und mittig am Gerät, wodurch sich rechts und links von dieser vertikalen Referenzebene die Asymmetrien des Gesichtsschädels abbilden. Mit dem PlaneFinder® legen wir die Ala-Tragus-Linie fest, welche wiederum parallel zu Kau­ebene verläuft und uns somit eine aussagekräftige Hilfslinie ist. Auch der Neigungswinkel lässt sich unkompliziert ermitteln und bietet uns somit ohne Gesichtsbogen und ohne Verschraubung eine optimale Ausgangsposition für eine genaue und schöne Arbeit. Diese wird nun „ästhetisch“ in den Restzahnbestand eingegliedert werden, ohne weiteres Verschleifen im Mund. Ein schöner Nebeneffekt ist natürlich die Zeit- und Arbeitsersparnis, die der Behandler dadurch erfährt.

Ästhetik braucht Platz

Zum Thema Ästhetik gehören auch Schienen. Und das nicht nur, weil sie zum Aufhellen der Zähne beim Bleaching gebraucht werden. Oft könnte ein Patient viel länger schöne eigene Zähne haben oder auch mehr und län­ger Freude an seinem Zahnersatz, wenn er danach eine Knirscherschiene trägt. Abrasionen durch Knirschen sowie Fehlstellungen durch Gelenkprobleme werden dadurch vermieden, und die neuen Zähne werden geschützt. Auch im Vorfeld können Schienen zu einem „ästhetischeren“ Endergebnis weiterhelfen. Eine Absenkung der Bisshöhe durch Abrasionen kann mit der richtigen Behandlung wieder ausgeglichen werden. Durch eine Okklusions- bzw. Kiefergelenk­therapie im Vorfeld, wird eine Wiederherstellung der perfekten Seitenzahnabstützung, eine steile Eckzahnführung, gleichmäßige Frontzahnführung und eine sta­bile Gelenkposition erreicht. Ist das Kiefergelenk wieder in seine natürliche, stabile Position gebracht, können nicht nur Beschwerden behoben, sondern auch mehr Platz geschaffen werden für eine optimale, ästhetische, zahntechnische Versorgung. Abschließend lässt sich sagen, dass „Ästhetik“ Geschmacks­sache ist. Was schön ist, und was nicht, sieht jeder anders. Ich kann nur für mich sprechen und zeigen, dass viel mehr dazu gehört, eine Arbeit ästhetisch zu gestalten, als bloß die richtige Farbe zu treffen. Die Form, die Beschaffenheit, die Funktion, die Ausgangsdaten, das Mate­rial, die Platzverhältnisse, die Technik und die Liebe zum 
Detail. Ein Zusammenspiel all dieser Punkte ergibt für mich „Ästhetik in der Zahntechnik“.

Dieser Beitrag ist in der ZT Zahntechnik Zeitung aktuell 2/17 erschienen.

Foto: © Autor
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