Branchenmeldungen 24.02.2014

16. Treffen der ITI Sektion Deutschland in Eltville

Dr. Georg Bach
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16. Treffen der ITI Sektion Deutschland in Eltville

Foto: © Dr. Georg Bach

16. Treffen der ITI Sektion Deutschland in Eltville mit dem Schwerpunkt „Implantatprothetik – analog und digital“

Winterliche Widrigkeiten, die in den vergangenen Jahren zur einen oder anderen Teilnahmeverhinderung führten, waren in diesem Jahr nicht relevant, und so konnte der ITI-Sektionsvorsitzende Professor Dr. Gerhard Wahl im Schloss Reinhartshausen am vorletzten Februarwochenende bei frühlingshaften Temperaturen erneut eine außerordentliche Anzahl an Deutschen ITI Fellows begrüßen. Gut fünf Dutzend deutsche Fellows des ITI waren seiner Einladung zum diesjährigen Sektionstreffen gefolgt. Die Deutsche Sektion ist momentan mit nahezu 900 Members und Fellows und einem erneut beachtlichen Wachstum im Vergleich zum Vorjahr eine der größten nationalen Gruppierungen in dem einzigartigen globalen Implantologie-Netzwerk ITI, dem neben Oralchirurgen, Kieferchirurgen, Zahnärzten und Zahntechnikern auch Grundlagenwissenschaftler angehören. Traditionsgemäß war der erste Tag der Wissenschaft gewidmet, der zweite Tag hingegen ITI-internen, vereinstypischen Abläufen, wie es der Sektionsvorsitzende nannte, gewidmet.

Wissenschaftlicher Nachmittag

In seinem Grußwort zeigt sich der Sektionsvorsitzende Professor Gerhard Wahl, der sich auch für das wissenschaftliche Programm verantwortlich zeichnete, erfreut, dass erneut so viel Fellows der Deutschen Sektion den Weg nach Reinhartshausen gefunden haben. „Aktuelle Aspekte der Implantatprothetik – analog und digital“, so könnte man vereinfachend den Tenor des hochkarätig besetzten wissenschaftlichen Programms am Freitagmittag beschreiben.

Den Auftaktvortrag hierzu steuerte Herr Professor Dr. Guido Heydecke (Hamburg) bei, der über „Wie viele Implantate werden für einen festsitzenden Zahnersatz erforderlich?“ sprach. Ein klares Bekenntnis gleich zu Beginn der Ausführungen des Hamburger Hochschullehrers: „Jeden fehlenden Zahn durch ein Implantat zu ersetzen, ist anspruchsvoll und im Regelfall nicht erforderlich!“ In seinem sehr klar strukturierten wissenschaftlichen Beitrag wies Heydecke Verbundbrücken eine um 20 Prozent geringere Erfolgsquote im Vergleich zu rein implantatgetragenen zu und präferierte klar zur Variante der rein implantatgestützten Versorgungen. Bei abnehmbaren Arbeiten sieht der hanseatische Prothetiker klare Vorteile in der Verwendung nahezu abriebfreier Nichtedelmetalllegierungen in CAD/CAM-Fräßtechnik. Hervorragend dokumentierte Fallbeispiele rundeten die Ausführungen Heydeckes ab, eine rege Diskussion schloss sich an seine Ausführungen an.

„Intraorales Scanning – Stand der Technik“, fürwahr ein anspruchsvolles Thema, welches sich Professor Dr. Sven Reich (Aachen) gewählt hatte. Losgelöst von der Fragestellung der Sinnhaftigkeit intraoralen Scannings wies Reich gleich zu Beginn seiner Ausführungen darauf hin, dass eine Vielzahl moderner Restaurationsmaterialien eine digitale Verabeitungskette bedingen. So sei es doch konsequent, die digitale Wertschöpfungskette so früh wie möglich beginnen zu lassen. Reich stellte im Rahmen seiner Ausführungen die drei momentan benutzten Techniken intraoraler Scanner vor und wertete diese. Voraussetzungen für eine gute Scan-Abformung ist eine speichel- und blutfreie Zahnoberfläche. In sich geschlossenen Systemen (z.B. CEREC) wies Reich eher eine untergeordnete Rolle bezüglich der Flexibilität in Vergleich zu den offenen Systemen (mit STL-Datensätzen) zu, letzte bedingt jedoch eine Abstimmung der einzelnen Komponenten der digitalen Wertschöpfungskette. Die Option der direkten Möglichkeit der Kontrolle der Qualität der digitalen Abformung, die Option der Chairside-Versorgung, die Möglichkeit der Okklusalgestaltung – Reich wies dem intraoralen Scanning viele Vorteile gegenüber analogen Vorgehensweisen zu. Mit hoher Empathie brach der Aachener Prothetiker eine klare Lanze für die digitale Wertschöpfungskette.

In Vertretung eines erkrankten, weiteren Referenten ergriff Professor Dr. Dr. Hendrik (Kassel) das Mikrofon und sprach über Implantatversorgung bei Nichtanlagen und Syndromen. Ausgehend von der ektodermalen Dysplasie und deren Manifestationen, über die Dentinogenesis imperfecta, die Amelogenesis imperfecta und viele andere – Terheyden brannte ein wahres Feuerwerk möglicher syndromaler und nicht syndromaler Erkrankungen, welche mit Zahnunterzahl einhergehen, ab. Beeindruckend hierbei die ausgezeichnete Dokumentation der vorgestellten Fälle, aber auch die Art der jeweils gewählten implantatprothetischen Lösung.

Fellow Meeting – Jahresversammlung

Nach einer harmonischen Abendveranstaltung im Schlosskeller des Gutes Reinhartshausen stand der zweite Tag des Sektionstreffens ganz im Zeichen der Jahresversammlung. Der Vorsitzende der Deutschen ITI Sektion, Professor Dr. Gerhard Wahl (Bonn), erstattete seinen Bericht, ebenso Professor Dr. Dr. Hendrik Terheyden (Fortbildungskommission/ITI Curriculum Library Conference), der Autor dieses Berichtes (Communication Officer), Professor Dr. Dr. Schlegel (ITI Study Clubs) und Thomas Kreuzwieser (ITI Sektionsaktivitäten).

Der Sektionsvorsitzende Professor Dr. Gerhard Wahl wies in seinem Bericht darauf hin, dass nunmehr die 16. Jahresversammlung des ITI abgehalten wurde und erläuterte die Zusammensetzung der Deutschen ITI Sektion, welche eine der größten der weltweit 27 Sektionen ist. Mit nahezu 900 Members und Fellows und zahlreichen Neugründungen von Study Clubs wurden die prognostizierten Entwicklungen des Zuwachses der ITI Sektion Deutschland mehr als erfüllt. Damit sieht sich die Deutsche Sektion vollumfänglich eingebettet in den Konsens, der im Rahmen der ITI-Vision-2017-Konferenz im Jahre 2007 in Vitznau (Schweiz) erzielt worden ist. Dort wurden als Ziele für das Jahr 2017 u.a. festgelegt, dass das ITI als führende, global tätige und unabhängige wissenschaftliche implantologische Vereinigung wahrgenommen und akzeptiert wird. Weitere Ausführungen Wahls betrafen die Schwerpunktaktivitäten des ITI im vergangenen Jahr und eine Darstellung der Organisation dieser enorm gewachsenen Vereinigung. Die ITI-Konsensuskonferenz 2013 in Bern war ein weiterer Schwerpunkt der Ausführungen Wahls, der darauf hinwies, dass drei Tage harter, engagierter Arbeit doch eine Vielzahl hervorragender Ergebnisse erbracht hätten, die zwischenzeitlich bereits publiziert sind und ferner in einem JOMI Sonderband demnächst auf den Markt kommen werden. Professor Wahl richtete seinen Blick auf den kommenden Deutschen IIT-Kongress, verbunden mit der Hoffnung, dass dieser an den großen Erfolg der vergangenen Jahre anknüpfen kann, war der letzte Deutsche ITI-Kongress 2012 mit über 1.300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Köln doch ein sehr großer Erfolg. Der nächste ITI-Kongress wird im Jahre 2015 stattfinden. Die Sachsenmetropole Dresden wird Heimat dieses Events sein, die Vorbereitungen hierfür laufen bereits auf Hochtouren.

Bewährt und etabliert im globalen Netzwerk ITI sind die Study Clubs, die sehr erfolgreich in zahlreichen Ländern, auch in Deutschland, gestartet sind. Das noch im vergangenen Jahr als überaus ambitioniert gewertete Ziel von weltweit 500 Study Clubs im Jahre 2013 ist mühelos erreicht worden. Speziell deutsches Highlight ist das „Young ITI Symposium“, welches im vergangenen Jahr sehr erfolgreich in Leipzig stattfand – ein Format, welches auch bei anderen ITI-Sektionen auf höchstes Interesse stieß und sicherlich auch Nachahmung finden wird. Im Vorfeld des Young ITI Symposiums fand ein Treffen der Study-Club-Direktoren statt, ebenso wie ein Meeting der Fellows und Members im Anschluss an das wissenschaftliche Programm.

Fortbildungskommission

„Eine gute Investition – Fortbildung mit dem ITI“ – aus der Arbeit der Fortbildungskommission berichtete Professor Dr. Dr. Hendrik Terheyden, besonderes Augenmerk legte er hier auf das ITI Fortbildungsprogramm. Ein Ziel ist hier die Etablierung von neuen Nomenklaturen wie die der SAC-Klassifikation und von Spezialthemen wie CAD/CAM und Prothetikkurse. Beispielhaft im wahren Sinne des Wortes, so Terheyden, ist die deutsche Fortbildungsbroschüre des ITI, die in einer beachtenswerten Auflage in den Umlauf gebracht worden ist. Für 2014/2015 ist die Vertiefung von wichtigen Themen wie „Keramikimplantate“ und „abdruckfreie Praxis/digitale Implantologie“, aber auch Darstellung profunder Erfahrungen in der Implantologie im Rahmen der ITI „SAC-Klassifikation“ vorgesehen; für alle Bereiche konnten hervorragende Referenten gewonnen werden. Ausführungen zum ITI-Net und zur ITI Speaker Library Conference und den Speaker-Seminaren rundeten die Ausführungen Terheydens ab.

ITI Study Clubs Deutschland

Zu den nunmehr 60 etablierten und projektierten deutschen Study Clubs sprach deren Koordinator Professor Dr. Dr. Andreas Schlegel: Bei den Study Clubs ist eine ungemeine Dynamik zu verzeichnen mit Wachstumsraten, die für die Sektionsbüros nur noch schwer zu händeln sind. Obschon aufgrund dieser Tatsache momentan keine Neugründungen berücksichtigt werden können, werden sich zu den bestehenden Study Clubs in näherer Zukunft sicherlich mittelfristig weitere hinzugesellen. Die im Vorfeld gesteckten Ziele konnten somit nicht nur erreicht, sondern weit übertroffen werden.

Rückblick ITI Sektionsaktivitäten

Der Sektionskoordinator Thomas Kreuzwieser rief alle Aktivitäten des vergangenen Jahres in Erinnerung und erläuterte im zweiten Teil seiner Ausführungen auch das Budget des kommenden Jahres. Kreuzwieser konnte auf ein erfolgreiches Jahr für die Sektion Deutschland, aber auch das Sektionsbüro selbst zurückblicken. Inzwischen kümmern sich vier Vollzeitkräfte um die Belange und Erfordernisse der deutschen Member und Fellows.

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