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Branchenmeldungen 05.11.2016

2. Fachtag Implantologie in Jena

Georg Isbaner
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2. Fachtag Implantologie in Jena

Über 110 Teilnehmer trafen sich am 5. November 2016 in der Anatomie der Friedrich-Schiller-Universität Jena zum 2. Fachtag Implantologie Thüringen. Im Zentrum standen die physiologischen und implantologischen Voraussetzungen für nachhaltige und ästhetisch optimale prothetische Versorgungen.

Der 2. Fachtag Implantologie Thüringen wurde organisiert von Dentaurum Implants und war bereits ein Vierteljahr im Voraus ausverkauft. Das lag zum einen natürlich am vielfältigen Vortragsprogramm mit namhaften und versierten Referenten der Implantologie und Implantatprothetik. Zum anderen sorgte die Ortswahl, insbesondere die medizinhistorisch bedeutsamen Räumlichkeiten des anatomischen Instituts der Universität Jena, für Entscheidungshilfe.

Impressionen

Anatomisches Institut Universität Jena

Oberärztin Dr. med. Rosemarie Fröber der Universität Jena ließ es sich nicht nehmen, die Entstehungsgeschichte ihrer Fakultät in groben aber nicht minder beeindruckenden Zügen zu skizzieren. Fröber spannte den Bogen von den frühen Anfängen der wissenschaftlichen Anatomie in Jena im beginnenden 17. Jahrhundert über das dortige Zusammenwirken Goethes mit den führenden Anatomen seiner Zeit und der damit einhergehenden Entdeckung des menschlichen Mittelkieferknochens (1784) bis hin zu dem für die implantologische Frontzahnrestauration wichtigen Erkenntnis über die besondere Beschaffenheit des Frontzahnkieferknochens, welche sich vom restlichen Oberkieferknochen unterscheidet.

Diese für den Implantologen besonders herausfordernde Region griff Dr. med. Joachim Hoffmann, Jena, sogleich auf und sprach über Implantologie im Frontzahnbereich hinsichtlich Fehlervermeidung. Hoffmann betonte die Bedeutung des palatinalen Knochens, der bei einer Sofortimplantation nicht dünner als 1,5 Millimeter sein sollte. Des Weiteren sollten die so genannten Knochenspitzen der Nachbarzähne in ausreichender Höhe vorhanden sein, da diese entscheidenden Einfluss auf das Resorbtionsverhalten auf den entstehenden Knochen im zu implantieren Gebietes haben. Gleichzeitig müsse der gebildete Weichgewebslappen spannungsfrei vernäht werden, um die Implantateinheilung nicht zusätzlich zu gefährden, so Hoffmann.

Pfeilervermehrung bei Implantatprothetik

Priv.-Doz. Dr. med. dent. habil. Friedhelm Heinemann berichtete als ausgewiesener Experte für durchmesserreduzierte Implantate über seine Erfahrung mit implantatgestützter Teil- und Totalprothetik. Heinemann bekräftigte die Ansicht, dass statisch günstige und erhaltungswürdige Zähne im Sinne der Pfeilervermehrung bei der implantatprothetischen Planung unbedingt berücksichtigt werden müssen. Hinzu komme, dass gerade bei älteren Patienten die Erweiterbarkeit des Zahnersatzes von Anfang an eingeplant sein sollte – vor allem auch hinsichtlich der Hygienefähigkeit und Kostenentwicklung. Ein positiver Nebeneffekt der Pfeilervermehrung mit erhaltungswürdigen Zähnen ist, dass diese durch die prothetische Belastung den Zahnhalteapparat stimulieren und damit ihre Prognose entscheidend verbessern. Im Sinne der Handhabbarkeit und Minimalinvasivität sprach Heinemann abschließend noch über durchmesserreduzierte, einteilige Kugelkopfimplantate, die eine eindeutige und inzwischen auch nachweißliche Alternative zu verschraubten oder zementierten Prothesen darstellen.

Up-Date Implantatprothetik

Ein Up-Date zur Implantatprothetik gab Dr. med. dent. Sigmar Schnutenhaus, MSc. Insbesondere betrachtete er dabei das Zusammenspiel von Individualisierung, Sicherheit und Preis. Er machte deutlich, dass durch die individuelle Gestaltung der prothetischen Aufbauten gerade bei monolithisch gefrästen CAD-CAM-Abutmentkronen sowohl sichere (Stichwort Chipping) als auch preiswerte (da nur aus einen Bauteil) und ästhetisch hervorragende Ergebnisse erzielt werden können. Voraussetzung hierbei sei die sorgfältige chirurgische und prothetische Planung. Als Ausblick gab Schnutenhaus zu bedenken, dass man sich in Zukunft hauptsächlich auf die mittels CAD/CAM-Technik bearbeitbaren Materialien konzentrieren solle, da diese den konventionellen Materialien zweifelsohne den Rang ablaufen werden.

Anatomie der lateralen Maxilla

Anatomische und chirurgische Überlegungen zum lateralen Unterkiefer wurden sowohl aus klinischer als auch aus wissenschaftlicher Perspektive von Dr. rer. Nat. Gudrun Stoya und Dr. Hoffmann beleuchtet. Beide machten in ihrem Vortrag deutlich, wie entscheidend die anatomischen Kenntnisse in diesem hoch vaskularisierten und durch zahlreiche Nervenbahnen durchdrungenen Bereich bei chirurgischen Eingriffen sind. Besonders sollten bei größeren Knochenaufbaumaßnahmen wie dem Bonesplitting die Ernährungsstrukturen am abgelösten Knochen so gut es geht erhalten bleiben.

Das craniosacrale System

Den Blick auf den Gesamtorganismus richte abschließend Dr. rer. Nat. Dieter Lazik, Potsdam. Der Sportmediziner berichtete über Grundlegendes zum craniosacralen System im zahnärztlichen Kontext und vertiefte dies mit praktischen Übungen an einigen Teilnehmern.

Prof. Dr. Dr. med. habil. Kai-Olaf Henkel war verhindert und konnte seinen Vortrag nicht wie im Programm angekündigt halten.

Foto: © OEMUS MEDIA AG
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