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Branchenmeldungen 02.03.2020

22. Treffen der ITI Sektion Deutschland: Behandlungskonzepte im Fokus

Dr. Georg Bach
Dr. Georg Bach
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22. Treffen der ITI Sektion  Deutschland: Behandlungskonzepte im Fokus

In der idyllisch gelegenen Burg Schwarzenstein in Geisenheim-Johannisberg fand das 22. Fellow-Meeting der deutschen ITI Sektion statt. Hier trafen sich das „Who’s who“ der deutschen Implantologie. Mit über 1.000 Members und Fellows und somit einem erneut beachtlichen Wachstum im Vergleich zum Vorjahr, verkörpert die ITI Sektion Deutschland eine der größten nationalen Gruppierungen in dem globalen Implantologie-Netzwerk der ITI, welcher neben Oralchirurgen, Kieferchirurgen, Zahnärzten, Zahntechnikern auch Grundlagenwissenschaftler angehören.

Zahlreiche Aktivitäten, u. a. das Curriculum Implantologie, das Online-Symposium sowie das Young ITI Meeting der deutschen Sektion, haben internationalen Vorbildcharakter. Somit kann die Teilnahme der ITI Präsidentin, Charlotte Stilwell (Großbritannien), und die des frisch ernannten Chief Executive Officer der ITI, Dr. Alexander Ochsner (Schweiz), als klarer Beweis der Wertschätzung der deutschen ITI Sektion gewertet werden.

In seinem Grußwort zeigte sich der Chairman der deutschen ITI Sektion Prof. Dr. Dr. Johannes Kleinheinz hocherfreut darüber, dass erneut so viele Fellows der deutschen Sektion den Weg nach Geisenheim-Johannisberg gefunden haben. „Wir sind ganz vorne mit dabei!“ – Mit dieser klaren Aussage leitete der Münsteraner Kieferchirurg das wissenschaftliche Programm des Freitagmittags ein. In der Tat war es dem Leadership-Team erneut gelungen, facettenreiche und interessante Beiträge neuer ITI Fellows in ein kurzweiliges Minisymposium zusammenzuführen. „Behandlungskonzepte im Fokus“ – dies wäre ein treffender Arbeitstitel für das hochkarätig besetzte, wissenschaftliche Programm gewesen. Auch das einzigartige kollegiale Miteinander während der zweitägigen Veranstaltung ist besonders zu betonen.

Prof. Dr. Dr. Johannes Kleinheinz, Chairman der deutschen ITI Sektion, und Charlotte Stilwell, ITI Präsidentin © Dr. Georg Bach

Das wissenschaftliche Vortragsprogramm

Dr. Frederic Kaufmann (Würzburg) steuerte den Auftaktbeitrag mit dem Titel „Das ITI, Ann Arbor und ich“ bei. Kaufmann, der sich bereits im Rahmen der Young ITI Gruppe sehr für die deutsche Sektion engagiert hatte, stellte seine wissenschaftliche Tätigkeit im Rahmen seiner von der ITI unterstützten postgraduate Ausbildung vor. Vor allem seine Ausführungen zu neu entwickelten Ultraschallscannern für die Messung der Weichteildurchblutung und zu wachstumsmonomerbeschichteten Implantaten stießen auf großes Interesse. Nach 19 Monaten Auslandsaufenthalt, bei der auch seine Familie dabei war, zog Kaufmann ein durchweg positives Fazit und sprach von einer neuen Lieblingsstadt namens Seattle. Dem immer noch kontrovers diskutierten Thema „Zirkondioxidimplantate – wissenschaftliche Grundlagen und klinische Anwendung“ widmete Dr. Kristian Kniha (Aachen) seine Aufmerksamkeit. Bezüglich der geringeren Plaqueakkumulation sieht Kniha ganz erhebliche Vorteile bei Zirkondioxidimplantaten und damit auch eine bessere Langzeitprognose im Vergleich zu konventionellen Titanimplantaten. Auch bezüglich immunologischer und mikrobiologischer Parameter wirkt sich die Verwendung von Zirkondioxid als Implantatmaterial vorteilhaft aus.

Auch im Bezug auf die Papillenhöhe und deren Bildung post implantationem, konnten mit Zirkondioxidimplantaten wesentlich bessere Ergebnisse erzielt werden. Aus der Sicht des Prothetikers knüpfte Prof. Dr. Florian Beuer an die Kernbotschaften seines Vorredners mit dem Thema „Keramische Restaurationen auf dentalen Implantaten: Was funktioniert?“ an. Das klare Eingangsstatement des Berliner Hochschullehrers lautete: „Keramik ist mein Lieblingsmaterial ...“ und dann klarstellend „... als Prothetiker!“. Die hochfesten Glaskeramiken und Zirkonoxide haben sich zur Verwendung als Suprakonstruktionen bewährt. Dem Nachteil einer fehlenden Fluoreszenz von Zirkonoxid könne mit Verblendungen begegnet werden, so Beuer, der zudem einen klaren Trend zu verschraubten Suprakonstruktionen sieht, die weniger Folgeentzündungen aufweisen. Mit der Einführung des monolithischen Zirkonoxids erfolgte letztendlich der Durchbruch dieses Materials in der Implantologie, der heute sogar Versorgungen von All-on-4 Patienten ermöglicht.

Da die deutsche ITI Sektion sehr bestrebt ist, die Schnittstelle zwischen Zahnmedizin und Zahntechnik nach allen Kräften zu fördern, war es sehr erfreulich, mit ZTM Andreas Kunz einen renommierten Vertreter der Zahntechnik als Referenten gewinnen zu können. Der in der Bundeshauptstadt Berlin tätige Zahntechnikermeister würdigte das ITI als „fundamentbildende“ Fachgesellschaft. Kunz sprach über „Herausnehmbare Versorgungskonzepte im zahnlosen Kiefer mit implantatgetragenen Suprakonstruktionen“.

Prof. Dr. Dr. Johannes Kleinheinz mit Dr. Alexander Ochsner, dem neuen Direktor des ITI Headquarters in Basel © Dr. Georg Bach

Zu herausnehmbaren Versorgungskonzepten gibt es zwar viele Erkenntnisse, aber verblüffend wenig Evidenz, so Kunz. Neben ästhetischen Anforderungen, die es zu erfüllen gelte, sollten implantologische Versorgungskonzepte auch gute Handling-Eigenschaften und Reinigungsmöglichkeiten für Patienten besitzen. Eine vorverblockte Abformung ist ein erster Garant für eine spätere Passgenauigkeit. Kugelköpfe und Locatoren werden von Kunz kritisch gesehen. Er präferiert eher Steg- und Teleskopversorgungen. Beide, so Kunz, verfügen über eine hervorragende Langzeitdokumentation. Letztendlich fordert Kunz für die individuelle Entscheidungsfindung die Kenntnisse der Vor- und Nachteile der möglichen Versorgungskonzepte sowie eine patientenindividuelle Analyse.

„Digitale Prozesse um und auf Implantaten, was können wir heute in der Praxis verlässlich umsetzten?“ – diese für den Praktiker überaus relevante Frage stellte Dr. Matthias Müller (Hamburg). Seine Ausführungen waren ein Beleg für eine einzigartige digitale Expertise, beginnend mit der Analyse des Patienten über die volldigitale Planung bis hin zur Eingliederung der Krone auf das ebenfalls volldigital geplante und inserierte Implantat. Die Leichtigkeit, mit welcher der hanseatische Kollege vortrug, die Selbstverständlichkeit mit der eine digitalunterstütze Alignertherapie zur Bissoptimierung in das digitale Behandlungskonzept integriert, zeigt, wie weit diese Entwicklung fortgeschritten ist und wie fest sie sich etabliert hat.

Anschließend sprach Prof. Dr. Christian Mertens (Heidelberg) über „Behandlungskonzepte für Knochenaugmentationen – von einfachen bis hin zu komplexen Fällen“. Mertens leitet die Sektion Implantologie der Heidelberger Universitätsklinik und widmet sich seit geraumer Zeit vor allem Fragen der Augmentation. Ausschlaggebend für die Wahl der zu verwendenden Augmentationstechnik ist die Morphologie des Knochendefektes, so Mertens. Knochenblock und titanverstärkte Membranen haben sich hierbei als gut geeignet erwiesen.

Die jüngste Entwicklung auf diesem Sektor, die Mertens als hervorragend geeignet definiert, war die Schalentechnik, die gegenüber seitlich angelagerten Blöcken Vorteile aufweise. Beim zweizeitigen Vorgehen ist das Überleben der Implantate mit denen vergleichbar, die mit nativem Knochen verzeichnet werden.

Leitstelle der deutschen ITI Sektion: Dr. Georg Bach, Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas, Dr. Anne Bauersachs, Prof. Dr. Dr. Johannes Kleinheinz, Thomas Kreuzwieser und Dr. Alexander Ochsner (v. l. n. r.) © Dr. Georg Bach

Mit „Digitaler Workflow: Optionen – Herausforderungen – Ausblick“, steuerte der Industriepartner Straumann einen Beitrag zum ersten Tag des Sektionstreffens bei. Wer könnte diese Optionen besser darstellen und erläutern als Andreas Nitschke (Basel)? Nitschke, Head Digital Projects and Strategic Partners, betonte zu Beginn seiner Ausführungen: „Wir sind schon unheimlich weit, aber bei Weitem noch nicht am Ende des Wegs!“ Auch er sieht in der Digitalisierung höchstes Potenzial – und einen entscheidenden Grund für die positive Entwicklung des Medizinprodukteherstellers in jüngster Zeit. Enormen Wert legte man darauf, ein modulares digitales Konzept zu verwirklichen und auch einen möglichst offenen, validierbaren, von hoher Konnektivität gekennzeichneten Weg zu beschreiten. Dies verwirklichte Straumann über einen eigenen digitalen Workflow. Somit sieht man sich für die Zukunft gut gewappnet.

Der besondere Vortrag

Der Koblenzer Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg Prof. Dr. Dr. Richard Werkmeister übernahm am zweiten Tag des Fellow-Meetings die Funktion des „Icebreakers“ und referierte eloquent und fundiert zugleich über „Bedeutung von Implantaten bei der Behandlung von wehrmedizinischen Verletzungen“. 20 bis 50 Prozent der Verletzungen im Kopf- und Gesichtsbereich von Betroffenen werden durch Kampfhandlungen verursacht. Vor allem Fremdkörperverletzungen nach Bombenexplosionen stellen eine große Herausforderung dar und bedingten auch die Entwicklung neuer Versorgungs- und Rehabilitationskonzepte in der oralen Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie.

Werkmeister stellte beeindruckend seine Erkenntnisse zu Verletzungsmechanismen, Notfallbehandlungen und Notfallmanagement, Hygieneaspekten und aktuellen Wiederherstellungs- und Rehabilitationskonzepten vor. Seine Ausführungen wurden mit hervorragend dokumentierten, mitunter auch beklemmenden Fallbeispielen, untermauert. Dr. Alexander Ochsner, der neue Direktor des ITI Headquarters in Basel, stellte seine Ausführungen unter das Motto „Wachstum und Transformation“.

Es sind gravierende Veränderungen auf dem Implantatmarkt zu verzeichnen – aber auch in der Struktur und Zahl der Mitglieder. Um hier mithalten zu können, setzt Ochsner auf einen starken Wachstumskurs für das ITI. Mit den ITI Knowledge Nuggets stellte Dr. Kay Vietor (Langen) ein ebenso brandaktuelles wie heiß begehrtes Produkt des ITI vor.

Die Knowledge Nuggets haben für die deutsche Sektion fast schon die Wertigkeit von Goldnuggets erhalten, denn die Mischung von auf circa vier Minuten reduziertem profunden ITI Wissen und bester Unterhaltung ist „Edutainment pur“ – ganz im Sinne der immer mehr nachgefragten „Information on the go“. Im Anschluss erfolgte die Mitgliederversammlung der deutschen ITI Sektion.

Foto Teaserbild: Dr. Georg Bach

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