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Branchenmeldungen 04.10.2016

25. Internationale Jahrestagung der DGL in München

Dr. Georg Bach
E-Mail:
25. Internationale Jahrestagung der DGL in München

Die Faszination Laser hält an – auch nach einem Vierteljahrhundert!

Wenn eine zahnärztliche Fachgesellschaft ihren 25. Jahreskongress ausrichtet, dann ist dies bereits eine bedeutsame Angelegenheit, denn vielen Fachgesellschaften war es nicht vergönnt, ein Vierteljahrhundert präsent zu sein. Wenn jedoch eine Laserfachgesellschaft einen solchen 25. Jahreskongress ausrichtet, dann ist dies in der Tat mehr als bemerkenswert: Im Vergleich der europäischen Laserfachgesellschaften ist es durchaus einzigartig, dass die Deutsche Gesellschaft für Laserzahnheilkunde nicht nur seit 25 Jahren ein echter Aktivposten unter den Laserfreunden, sondern auch als assoziiertes Mitglied der DGZMK wissenschaftlich fest basiert ist.

So ließ es sich DGL-Präsident und Mitbegründer Prof. Dr. Norbert Gutknecht nicht nehmen, einen besonderen Jubiläumskongress auszurichten. Der (verdiente) Erfolg ließ nicht auf sich warten – gut 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer füllten den Vortragssaal komplett aus. Viele Freunde der DGL und renommierte Referenten aus dem In- und Ausland waren Gutknechts Ruf in die Bayernmetropole München gefolgt.

 Der Weg der Laserzahnheilkunde

„Steinig und nicht ohne kleine Umwege“ – so könnte man den Weg der (deutschen) Laserzahnheilkunde beschreiben. Ganz ähnlich wie in der Implantologie kamen die ersten Impulse aus der Praxis und dies wurden – auch dies eine Parallele zur Implantologie – durchaus skeptisch betrachtet, mitunter auch kritisiert von den Hochschulen. Dennoch setzte sich die Laserzahnheilkunde durch, vor allem nach der Abkehr von der Idee des „Allroundlasers“, welcher universell in der Zahnheilkunde eingesetzt werden kann, und nach der Definition des Lasers als adjuvantes hocheffektives Werkzeug für gewisse Anwendungen. Als speziell deutscher Glücksfall erwiesen sich die Aktivitäten der RWTH-Universität in Aachen, wo das Duo Lampert-Gutknecht der deutschen Laserzahnheilkunde zu einem sehr frühen Zeitpunkt eine geschüttelt Maß an Wissenschaftlichkeit und Evidenzbasiertheit verordnete und ihr damit einen gehörigen Glaubwürdigkeitsschub verlieh.

Lohn dieser jahrelangen mühevollen Arbeit war die Assoziation mit der DGZMK, die zweifellos als einer der Höhepunkte in der fünfundzwanzigjährigen Geschichte der DGL gewertet werden kann.

Dieser einzigartigen Erfolgsgeschichte widmeten die Kongressverantwortlichen den ersten Tag ihrer zweitägigen Fortbildungsveranstaltung und formulierten treffend als Motto des Auftakttages: „Von den Ursprüngen zu neuen Horizonten“

DGL international

Fast 50 Prozent der Referenten des ersten Kongresstages waren aus dem Ausland angereist, dies kann als beredter Beleg für die Attraktivität der DGL gewertet werden, die neben der japanischen und brasilianischen Fachgesellschaft zu den ältesten der Welt gehört. Und so las sich die Referentenliste des ersten Kongresstages dann auch ein wenig wie das „Who Is Who“ der internationalen Laserzahnheilkunde.

Den Auftakt zur Internationalität lieferte Dr. Kenneth Luk aus Hongkong, der über den Einfluss unterschiedlicher Pulsdauern auf die Mikrostruktur von Titanimplantaten sprach. Der hier angewandte Er:Yag-Laser rückt immer mehr in den Mittelpunkt von Laseranwendungen in der Implantologie, wie die jüngst veröffentlichte S3-Leitlinie „Periimplantitis“ der DGZMK und verschiedener implantologischer Fachgesellschaften untermauert. Bemerkenswert war die „Dominanz“ der Hartgewebslaser (Er:Yag und Er,Cr:YSGG) im wissenschaftlichen Programm dieses ersten Kongresstages, wobei hier konservierende Anwendungen (Dr. Riman Nasher, Sannaa, „Entfernung des Smearlayers mit dem Er,Cr:YSGG“, Dr. Ana Nogueira da Silva, Lissabon, „Composite auf laservorbereitete Zahnoberflächen“ , Dr. Berchem Kalender, „Präparation im Hartgeweben“ und Dr. Tamara Al. Karadaghi, Bagdad, „Dentinpermeabilität nach Laserbestrahlung“) in der Mehrzahl der Vorträge behandelt wurden. 

Grundlagenforschung

Kontrovers diskutiert wird der Einfluss von Laserwellenlängen, die in der Lage sind, Zahnhartsubstanzen und Knochen abzutragen, auf Implantatoberflächen. Einer Aachener Arbeitsgruppe um Fahlstedt und Gutknecht indes ist es gelungen darzustellen, dass Er;Cr:YSGG-Laserlicht selbst bei Bestrahlung mit 0,75 und 1 Watt keine Veränderungen an der Wurzeloberfläche hervorrufen! Auch die zweite „Hartgewebswellenlänge“, der Er:YAG-Laser, wurde von einer anderen Aachener Arbeitsgruppe um LUK untersucht, wobei hier eine Energiedichte von 10,6 J/cm² zu irreparablen Schäden an der Implantatoberfläche führte.

Eine rührige Arbeitsgruppe um das DGL-Urgestein Dr. Michael Hopp (Berlin) bescheinigten 445nm-Diodenlasern, Er:Yag-Lasern und CO2-Lasern bezüglich des Schädigungsvolumens des Gewebes bei Laserschnittführung geringe Relevanz, wohingegen bei Nd:YAG-Lasern und Diodenlasern mit 810 und 980 nm ausgeprägte Schädigungszonen mit sistierender Blutung an den Schnitträndern festgestellt werden mussten. Fazit: Die Heilung reicht von einer (anzustrebenden) primären Heilung, die mit Er:YAG-Lasern erzielt werden konnte, bis zur (eigentlich zu vermeidenden) Defektheilung bei anderen Lasertypen. 

Neues von den Wellenlängen

Prof. Dr. Matthias Frentzen, Bonn, ist seit vielen Jahren ein wichtiger Aktivposten der Deutschen Gesellschaft für Laserzahnheilkunde und begleitete auch über viele Jahre das Amt des Generalsekretärs der Gesellschaft. Seit vielen Jahren forscht die Bonner Arbeitsgruppe unter seiner Führung an der Entwicklung von Kurzpulslasern für Anwendungen in der Zahnheilkunde und so war es nur folgerichtig, dass Frentzen einen umfassenden Übersichtsbeitrag zu diesem Thema beisteuerte.

Gerne nahm das Auditorium die Kernbotschaft Frentzens auf: Die Erforschung und Entwicklung neuer Ultrakurzpulslaser (UKPL), welche die komplizierten und wenig effizienten Excimer-Laser bei der Abtragung von Zahnhartsubstanz und Knochen ablösen werden, schreiten derart schnell voran, dass zeitnah leistungsstarke und kompakte Kurzpulslaserquellen zu erwarten sind. Die hierbei gewonnenen Ergebnisse haben, so Frentzen, auch positiven Einfluss auf die Weiterentwicklung von Erbium- und CO2-Lasern.

Auch Prof. Dr. Andreas Braun aus Marburg wandelte auf „neuen Wegen“. Er berichtete über die klinische Anwendung der neuesten Diodenlaserwellenlänge. Waren bis dato vornehmlich Diodenlaser der Wellenlängen 810-980nm angeboten worden, so ist seit einiger Zeit ein solcher Halbleiterlaser mit 445nm auf dem Markt. Diese neue Diodenlaserwellenlänge im blauen Bereich verspricht eine gute Energiekopplung an pigmentierte Zellen im Gewebe und sorgt somit für eine gute chirurgische Schneidleistung, bei geringerer Penetrationstiefe und geringerer Gefahr der Schädigung tieferliegender Gewebeanteile.

René Franzen, Aachen, und Kollegen stellten ihre Forschungsergebnisse ebenfalls mit dem 445nm-Diodenlaser vor, den sie im Rahmen laserendodontologischer Anwendungen einsetzten.

Die Aachener konnten der blauen Diodenlaserwellenlänge ausgeprägte bakterizide Eigenschaften im Rahmen ihrer in-vitro-Studie bescheinigen.

Den Diodenlasern, wenn auch unter ganz verschiedenen Aspekten, widmeten Dr. Ralf Borchers und Prof. Marcia Marques ihre Beiträge – während Borchers die Auswirkungen von Diodenlaserlicht, welches cw-mode und im superpulse-mode auf Weichgewebe appliziert wurde, verglich und ganz wesentliche Vorteile für den supergepulsten Diodenlaser feststellen konnte, erläuterte Marques eine sehr spezielle Diodenlaseranwendung, die der Low-Level-Laser-Therapie (niedrigenergetisch), die vornehmlich zur Behandlung von Wundheilungsstörungen und Schmerzzuständen eingesetzt wird.

Hier konnte eine Mainzer Arbeitsgruppe um Wehrbein eine weitere Lanze für LLLT-Anwendungen brechen, indem eine signifikant verkürzte Retentioszeit und Relapserate nach erfolgter Gaumennahterweiterung und LLLT-Applikation festgestellt werden konnte. 

Indikationen von Laseranwendungen

Teile des ersten Kongresstages, vor allem jedoch der gesamte zweite Kongresstag war den Indikationen der heutigen Laserzahnheilkunde gewidmet. Vorab eine Feststellung: Es ist schier unglaublich, was sich hier in dem vergangenen Vierteljahrhundert getan hat, die Vielfalt laserunterstützter Therapien ist überaus bemerkenswert. Und da handelt es sich eben nicht immer nur um laserunterstützte Anwendungen im Hartgewebe (Zahn- und Knochen), um die laserunterstützte Endodontologie und Implantologie (hier vor allem die Periimplantitisbehandlung).

Die rührige Aachener Arbeitsgruppe setzt den Er,Cr:YSGG-Laser zur Entfernung nicht erhaltungswürdiger Implantate ein und bescheinigten diesem Vorgehen eine Überlegenheit gegenüber konventionellen Verfahren (Trepan) bei weitestgehender Gewebeschonung,

Zwar stellten weitere Beiträge zu den og. Themen auch beim 25. Jahreskongress der DGL die größte Zahl der wissenschaftlichen Beiträge, aber der Blick geht in der Tat weiter zu „neuen Horizonten“: Auch in der Kieferorthopädie (Dr. Peter Kleemann, Luxemburg), in der Mund-, Kiefer und Gesichtschirurgie (Professor Siegfried Jänicke, Osnabrück) und in der Diagnostik (Dr. Thorsten Kleinert, Berlin) kommen vermehrt Lasersysteme zum Einsatz.

Der Luxemburger Kollege Kleemann stellte laserunterstützte Anwendungen in der Kieferorthopädie mit diversen Wellenlängen dar und präsentierte ein wahres Füllhorn kieferorthopädischer Laserapplikationen und die hierzu passenden Lasergerätschaften,

In anderen Fachgebiete übergreifenden Laseranwendungen

Wenn der Einsatz einer bestimmten Technik, wie z.B. die des Dentallasers, sich langsam aber stetig zur „zahnärztlichen Disziplin“ mausert, dann bleibt es nicht aus, dass sich auch Kombinationstherapien etablieren, die in andere Fachgebiete übergreifen. Dieses Phänomen ist auch in der Laserzahnheilkunde zu beobachten. So berichteten Professor Dr. Frank Liebaug über die Kombination von Laser und Hyaluronsäure (er sieht bei diesem Duett die Chance, die Parodontitistherapie zu revolutionieren). Dr. Darius Moghtader stellte seine Ergebnisse zur laserunterstützten Schnarchtherapie vor, um hier – fairerweise – auch auf die Frage der rechtlichen Zulässigkeit dieses Verfahrens für Zahnärzte einzugehen.

Ein würdiger Anlass: 25 Jahre DGL und ein guter, gehaltvoller Kongress – die Reise nach München hat sich gelohnt!

Foto: © OEMUS MEDIA AG
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