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Branchenmeldungen 08.04.2021

Behandlung trotz Corona: Zahnarzt nun vor Gericht

Behandlung trotz Corona: Zahnarzt nun vor Gericht

Foto: MIND AND I – stock.adobe.com

Das Verhalten eines Zahnarztes aus dem Österreichischen Pongau macht fassungslos: Trotz einer Corona-Infektion hatte dieser seine Patienten weiterbehandelt und sie dadurch einem enormen Ansteckungsrisiko ausgesetzt. Tatsächlich waren kurz nach dem rücksichtslosen Verhalten des Mannes ein Patient sowie eine seiner Assistentin positiv auf Corona getestet worden – ein Zusammenhang scheint eindeutig. Nachdem der Arzt knapp einen Monat in U-Haft verbracht hat, wurde am 29. März der Prozess gegen ihn eröffnet.

Die Anklage am Landesgericht Salzburg lautet unter anderem auf vorsätzliche Gefährdung anderer durch übertragbare Krankheiten nach § 178 StGB. Für die Staatsanwaltschaft ist klar: Die Corona-Infektion des Patienten sowie der Assistentin hat der Zahnarzt durch sein rücksichtloses Verhalten während seiner eigenen Corona-Infektion zu verantworten. Ermittlungen zufolge habe dieser Anfang März (ZWP online berichtete) seine behördliche Anordnung zur Quarantäne aufgrund seiner Viruserkrankung mehrfach verletzt. Nachdem er über seine Virusinfektion informiert worden war, soll er im Anschluss einfach weiter Patienten behandelt haben und auch am darauffolgenden Tag wieder in seiner Ordination in Bad Hofgastein erschienen sein, während mehrere Personen zugegen waren. Zudem wurde der Straftatbestand vor Prozessbeginn noch einmal ausgeweitet. Dem rücksichtlosen Mann wird nun auch Körperverletzung nach § 83 StGB in zwei Fällen angelastet. Im Prozess muss geklärt werden, inwieweit der Mann mit bedingtem Vorsatz gehandelt hat – dies ist Voraussetzung für eine Verurteilung. Dass der Zahnarzt die Infektion anderer billigend in Kauf genommen haben könnte, lässt sich jedoch vermuten, denn aufgrund von Einschätzungen des Landesgerichts im Zusammenhang mit der U-Haft-Verwahrung des Mannes habe dieser „fehlende Unrechtseinsicht“ gezeigt.

Zeugenaussagen zeichnen ein erschreckendes Bild des Zahnarztes: Kollegen zufolge soll er Verschwörungstheorien propagiert und seine Patienten in Corona-Zeiten sogar zum Händeschütteln genötigt haben – anderenfalls habe er nicht behandeln wollen. Ohne Mund-Nasen-Schutz soll der Arzt teilweise auch behandelt haben. Als aggressiv und jähzornig bezeichneten ihn indes andere Zeugen, und Angestellte sagten aus, dass der Mann sie des Öfteren sogar angeschrien und ein Klima der Angst in der Ordination verbreitet habe. Zu allem Überfluss wird dem Mann in weiteren Aussagen auch unterstellt, betrunken ordiniert zu haben. Der Prozess dauert gegenwärtig noch an. Neben einer möglichen Verurteilung hat der Mann auch die Erteilung eines Berufsverbots zu erwarten.

Quellen: krone.at, Salzburger Nachrichten, oe24

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