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Branchenmeldungen 08.10.2015

„Curriculum SGI“: Ein Novum für die Schweizer Fachgesellschaften

„Curriculum SGI“: Ein Novum für die Schweizer Fachgesellschaften

Die beiden SGI-Vorstandsmitglieder Dr. Claude Andreoni (Past-Präsident SGI) und Dr. Rino Burkhardt (Vize-Präsident SGI) stellten sich den Fragen der Dental Tribune Schweiz.

Die Schweizerische Gesellschaft für orale Implantologie (SGI) ist seit 1984 eine offizielle Fachgesellschaft der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft (SSO). Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die zahnärztlich implantologische Tätigkeit zu fördern und weiterzuentwickeln.Dazu gehört auch, sich den aktuellen Herausforderungen des Fachgebietes zu stellen und v. a. auch die Fort- und Weiterbildung „zukunftsfest“ aufzustellen.

Dental Tribune: Sehr geehrter Herr Dr. Andreoni, sehr geehrter Herr Dr. Burkhardt, vor Kurzem hat die SGI das Curriculum für orale Implantologie präsentiert. Deshalb unsere erste Frage: Was ist das Curriculum überhaupt?

Dr. Rino Burkhardt: Das Curriculum für orale Implantologie ist ein Novum für die Schweizer Fachgesellschaften! Es ist eine modular aufgebaute Weiterbildung, welche in zwölf Modulen über einen Zeitraum von zwei Jahren angelegt ist. Dabei werden alle Aspekte der oralen Implantologie abgedeckt, von der Diagnostik über die Therapie bis hin zur Nachsorge oder Behandlung allfälliger Komplikationen.

Weshalb ein Novum? Gibt es ähnliche Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten nicht schon im Ausland?

Dr. Claude Andreoni: Es ist richtig, dass es im Ausland bereits deutschsprachige Weiterbildungsangebote in oraler Implantologie gibt, welche, ähnlich wie unser Curriculum, auf die Bedürfnisse und zeitlichen Möglichkeiten des Privatpraktikers ausgerichtet sind. Das Curriculum der SGI unterscheidet sich aber grundlegend von allen anderen Veranstaltungen, indem es auf eine kleine Teilnehmerzahl beschränkt ist und jedes der Module von mindestens zwei Referenten bestritten wird. Unser Ziel ist die individuelle Betreuung jedes Teilnehmers und eine Wissensvermittlung im direkten Kontakt.

Dr. Burkhardt: Einzigartig und neu in Fort- und Weiterbildung ist auch unser Patensystem! Jedem Teilnehmer wird nämlich während der gesamten Dauer der Weiterbildungszeit ein Pate aus dem Referententeam zur Seite gestellt. Diese betreuen den Curriculumsteilnehmer persönlich und dienen als Anlaufstelle bei fachlichen Fragen. Deshalb wollen wir die Gruppengrössen bewusst klein halten.

Wenn nur eine beschränkte Anzahl von Teilnehmern zum Curriculum zugelassen wird, welches ist dann die Zielgruppe, die Sie ansprechen wollen?

Dr. Andreoni: Zur Zielgruppe gehören alle an Implantologie interessierten Zahnärzte, welche ihr fachliches Wissensspektrum erweitern möchten. Das sind sowohl Jungzahnärzte, die Wert auf eine zukunftsgerichtete Zusatzausbildung legen, aber auch erfahrene Praktiker, welche umfassende Kenntnisse aus allen Bereichen der oralen Implantologie und der angrenzenden Fachgebiete erlangen wollen.

Herr Dr. Burkhardt, gibt es nach dem Abschluss des Curriculums ein offizielles Diplom, und wenn ja, wo wird dieses anerkannt sein?

Dr. Burkhardt: Grundsätzlich gibt es in der Schweiz keinen geschützten Titel oder einen Fachzahnarzt für orale Implantologie. Das Ziel unserer Fachgesellschaft ist die Vermittlung eines hohen Qualitätsstandards in praxisrelevantem Wissen, das den Patienten zugutekommt, und nicht in erster Linie, ein Diplom auszuhändigen. Nach bestandener Prüfung am Ende des Curriculums bekommt der Teilnehmer von der SGI ein Zertifikat, welches den erfolgreichen Abschluss der Zusatzausbildung bestätigt. Dieses Diplom ermöglicht es ihm, in einem weiteren Schritt den Weiterbildungsausweis WBA für orale Implantologie zu erlangen, welcher von der SSO verliehen wird. Mein Kollege Herr Andreoni war Mit-Initiant des WBA und kann Ihnen darüber mehr Auskunft geben.

Dr. Andreoni: An der Delegiertenversammlung der SSO im Jahre 2010 wurde der WBA orale Implantologie gutgeheissen. Dieser Weiterbildungstitel wird im Schweizer Register der universitären Medizinalberufe eingetragen und bestätigt, dass der Träger des Titels eine umfangreiche klinische Erfahrung und das entsprechende theoretische Fachwissen in oraler Implantologie mit sich bringt. Im September 2015 endeten die Übergangsbestimmungen, und künftig wird der WBA in oraler Implantologie nur noch universitär zu erlangen sein.

Heisst das, dass ein Zahnarzt, der schon mehrere Jahre in seiner Praxis tätig ist, diesen Titel nicht mehr erwerben kann?

Dr. Andreoni: Dies war ursprünglich so geplant. Mit dem Curriculum der SGI wird jetzt aber eine Möglichkeit geschaffen, die dem Privatpraktiker die Gelegenheit bietet, den WBA berufsbegleitend auch später noch zu erlangen. Nach erfolgreich abgeschlossenem Curriculum und Erfüllen weiterer Bedingungen kann ein Kandidat die WBA-Prüfung absolvieren. Die genauen zusätzlichen Anforderungen müssen noch mit dem Büro für zahnärztliche Weiterbildung der SSO erarbeitet werden.

Lassen Sie uns nochmals auf das Curriculum zu sprechen kommen. Als Verantwortliche für die einzelnen Module sind im Programm vor allem Hochschulreferenten und Universitätsprofessoren aufgelistet. Ist das Curriculum nun eher wissenschaftlich oder auf den klinischen Praxisalltag ausgerichtet?

Dr. Burkhardt: Das stimmt nur teilweise, denn von insgesamt 25 Referenten sind knapp die Hälfte, wenn auch nur teilzeitig, auch in der Privatpraxis tätig. Dazu darf ich mit Stolz sagen, dass alle unsere Wunschreferenten ihre Zusage zur Teilnahme am Curriculum erteilt und tatkräftig am Projekt mitgearbeitet haben! Das Curriculum ist eindeutig auf die klinische Praxis ausgerichtet. Aber die klinische Entscheidungsfindung verlangt auch nach wissenschaftlicher Evidenz, und demzufolge wird die kritische Diskussion von Literaturdaten ein Teil des Stoffkatalogs ausmachen.

Dr. Andreoni: Das Curriculum möchte eben nicht nur Fakten vermitteln, sondern die Teilnehmer zu selbstständigem, kritischem Denken anregen. Ein solches Denken braucht Übung und kann nur im direkten Kontakt mit anderen Menschen erfolgen.

Bisher haben wir nur von den theoretischen Inhalten gesprochen. Beinhaltet das Curriculum auch einen praktischen Teil?

Dr. Burkhardt: Ja natürlich! In den meisten Modulen sind praktische Übungsteile integriert. Auf der einen Seite sind dies Planungsübungen anhand von klinischen Fallbeispielen. Dabei geht es auch um die Prognose und den Erhalt des einzelnen Zahns, weshalb dem Fachbereich Parodontologie ein besonderer Stellenwert zukommt. Auf der anderen Seite sind zahlreiche chirurgische und prothetische Hands-on-Übungen an Modellen vorgesehen.

Dr. Andreoni: Das ist richtig. Die Anforderungen, welche heute an den Kliniker gestellt werden, sind sehr vielseitig und anspruchsvoll, und nicht immer ist das Implantat die Versorgung der ersten Wahl. Deshalb werden in der Curriculums-Weiterbildung auch die konventionellen Versorgungsmöglichkeiten aus der abnehmbaren und festsitzenden rekonstruktiven Zahnmedizin eingehend besprochen.

Stimmt es, dass im Rahmen des Curriculums auch eine Hospitation in einer Klinik möglich ist?

Dr. Burkhardt: Eine Hospitation ist nicht nur möglich, sondern ein wichtiger Pflichtbestandteil des Programms. Diese soll einen Eindruck vermitteln, wie die Umsetzung des Curriculum-Stoffs im klinischen Alltag aussieht. Es werden aktuelle Patientenfälle besprochen und je nach Klinik ist ein Beiwohnen oder eine Assistenz bei der Behandlung von Patienten möglich.

Gestatten Sie uns noch eine letzte Frage: Wenn jemand mehr über das Curriculum orale Implantologie der SGI erfahren möchte, wo kann er sich informieren?

Dr. Andreoni: Ausführliche Informationen und Angaben zum Anmeldeverfahren sind auf der Homepage der SGI unter www.sgi.ssio.ch oder direkt auf www.sgi-curriculum.ch aufgelistet. Auf diesen beiden Seiten kann auch das detaillierte Programm heruntergeladen werden.

Wir danken Ihnen für das Interview und wünschen einen erfolgreichen Start mit dem Curriculum für orale Implantologie! 

Foto: © OEMUS MEDIA AG
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